„Hö­he­rer Wert für Se­nio­ren“

Hohenloher Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Micha­el Ga­bel

Das Wahl­ver­hal­ten der Ge­ne­ra­ti­on 60plus sei so ver­schie­den wie im Rest der Ge­sell­schaft, sagt Man­fred Güll­ner, Lei­ter des Mei­nungs­for­schungs­in­stuts For­sa. Die Ge­ne­ra­ti­on 60plus wächst und wächst. In­wie­weit be­stimmt sie die The­men­set­zung der Par­tei­en? Man­fred Güll­ner:

Die Par­tei­en wä­ren schlecht be­ra­ten, wenn sie auf The­men set­zen wür­den, nur weil sie da­mit die ab 60-Jäh­ri­gen er­rei­chen wol­len. Denn die­se sind kei­ne ho­mo­ge­ne Grup­pe. Sie füh­len sich noch nicht ein­mal al­le als Se­nio­ren. Aber den­noch ist die Ge­ne­ra­ti­on 60plus na­tür­lich ei­ne wich­ti­ge Al­ters­ko­hor­te, weil ih­re Ver­tre­ter so zahl­reich sind und weil sie mehr zur Wahl ge­hen als Jün­ge­re. War­um ge­hen Äl­te­re kon­se­quen­ter zur Wahl als Jün­ge­re? Wah­len ha­ben für die äl­te­ren Bür­ger ein­fach ei­nen hö­he­ren Wert als für die jün­ge­ren Ge­ne­ra­tio­nen. Ob die jun­gen Wahl­bür­ger im hö­he­ren Al­ter wie­der häu­fi­ger zur Wahl ge­hen wer­den, wie das in Län­dern wie Dä­ne­mark der Fall ist, ist al­ler­dings noch nicht klar. In der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode war die Zu­kunft der Ren­te ein wich­ti­ges The­ma. Es hat gro­ße und teu­re Re­for­men ge­ge­ben. Schie­len die Par­tei­en auf ei­ne äl­ter wer­den­de Wäh­ler­schaft? Es kann durch­aus sein, dass man­che Par­tei­stra­te­gen den­ken, sie könn­ten Rent­ner mit Wahl­ge­schen­ken kö­dern. Doch das ist ein Trug­schluss, denn auch die Jun­gen in­ter­es­sie­ren sich schon da­für, wie ih­re Ver­sor­gung im Al­ter ge­si­chert ist. Den­ken jün­ge­re Wäh­ler tat­säch­lich so weit in die Zu­kunft? Na­tür­lich. Wir wis­sen aus vie­len Un­ter­su­chun­gen, dass sich auch die Jun­gen schon mit dem The­ma Al­ters­vor­sor­ge be­schäf­ti­gen. Sie tun das, weil sie wis­sen, dass die ge­setz­li­che Ren­te nicht aus­rei­chen wird. Des­halb den­ken sie schon in re­la­tiv jun­gen Jah­ren dar­über nach, wie sie ih­re Al­ters­ver­sor­gung si­chern kön­nen. War­um gibt es kei­ne Rent­ner­par­tei mit ei­nem maß­ge­schnei­der­ten Pro­gramm für Se­nio­ren? Ei­ne rei­ne Rent­ner­par­tei hät­te kei­ne Chan­ce, weil die über 60-Jäh­ri­gen nicht nur an so ge­nann­ten al­ten The­men in­ter­es­siert sind. Ei­ne Par­tei, die von den äl­te­ren Bür­gern ge­wählt wer­den will, muss das ge­sam­te Spektrum der in der Ge­sell­schaft an­ste­hen­den Pro­ble­me ab­de­cken. Da­zu ge­hö­ren zum Bei­spiel die in­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit, das so­zia­le Si­che­rungs­sys­tem, Fra­gen der Öko­lo­gie und Öko­no­mie. Ins­ge­samt las­sen sich nicht mehr so gro­ße Un­ter­schie­de im po­li­ti­schen In­ter­es­se der Ge­ne­ra­tio­nen ent­de­cken.

Fo­to: dpa

Man­fred Güll­ner: Ei­ne Rent­ner­par­tei hät­te kei­ne Chan­ce.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.