Den All­tags­stress ver­ges­sen: Jetzt wird ge­fei­ert!

Hohenloher Tagblatt - - CRAILSHEIM REGION - Von An­na Ber­ger

Zum letz­ten Mal hat Ru­dolf Michl gnes­dtern das Frän­ki­sche Volks­fest er­öff­net. In Zu­kunft wird er es als Gast be­su­chen. Ihn zieht es zu­rück in die Hei­mat. So schau­en die Schau­fens­ter aus, wenn ei­ne Stadt zu ih­rem Volks­fest steht. Lo­renz Kalb Schau­stel­ler

Es ist schon zur Tra­di­ti­on ge­wor­den, dass Crails­heims Ober­bür­ger­meis­ter Ru­dolf Michl das Frän­ki­sche Volks­fest mit Pau­ken und Trom­pe­ten er­öff­net. Im ver­gan­ge­nen Jahr flat­ter­te ein Kon­fet­ti­re­gen auf die Be­su­cher der Er­öff­nungs­run­de hin­un­ter. Im Jahr da­vor hät­te Michl bei­na­he sei­nen Jan­ker in Flam­men ge­setzt, als er mit ei­ner klei­nen Ex­plo­si­on das

Bier zum Lau­fen brach­te – ei­ne Art vor­ge­zo­ge­ner Bier­an­stich. All die­se Ide­en ge­hen auf Jo­han­nes Kö­der, Lei­ter des Bau­be­triebs­ho­fes Crails­heim, zu­rück, wie Michl in je­dem Jahr an­er­ken­nend be­merkt.

In die­sem Jahr kam der Knall­ef­fekt je­doch von Ru­dolf Michl selbst. Hu­pend fuhr er am Steu­er ei­ner Stra­ßen­kehr­ma­schi­ne un­ter dem Volks­fest­tor hin­durch. „Ich ha­be ei­nen Lkw-Füh­rer­schein, und da kam mir die Idee, das in die­sem Zu­sam­men­hang aus­zu­nut­zen“, er­klär­te Michl.

Als Lkw-Fah­rer ge­jobbt

Ab­ge­legt hat Crails­heims Ober­bür­ger­meis­ter den Lkw-Füh­rer­schein schon als jun­ger Mann. „Ich ha­be mein Stu­di­um mit Lkw-Fah­ren fi­nan­ziert“, er­zählt Michl. Vor al­lem wäh­rend der Se­mes­ter­fe­ri­en setz­te er sich hin­ter das Lenk­rad von zwei­zü­gi­gen Ma­schi­nen, „die, die ger­ne hin­ten aus­bre­chen“, sag­te er und schüt­tel­te bei der Er­in­ne­rung den Kopf.

Doch der Ein­zug mit dem Lkw war noch nicht al­les, was Michl für sei­ne letz­te Volks­fes­t­er­öff­nung als Crails­heims Ober­bür­ger­meis­ter auf La­ger hat­te. Auch dies­mal gab es vor Michls Re­de wie­der ei­nen lau­ten Knall. Statt Bier ström­ten je­doch Sei­fen­bla­sen aus dem Red­ner­pult, die, so hofft Michl, für ei­ne „luf­ti­ge Stim­mung“sor­gen. Auch das war wie­der ei­ne Idee von Jo­han­nes Kö­der.

Ru­dolf Michls letz­te Volks­fes­t­er­öff­nung als Ober­bür­ger­meis­ter war zugleich auch die ers­te Er­öff­nung für sei­ne Frau Eva-Ma­ria Herz-Michl. „Die­ses Jahr hat es ein­fach ge­passt“, er­klär­te sie. Sicht­lich viel Spaß hat­te das Ehe­paar im „Ac­tionhou­se“, in dem durch vie­le Rutsch- und Dre­hele­men­te der Gleich­ge­wichts­sinn der Be­su­cher auf den Prüf­stand ge­stellt wird. Im Bo­xau­to durf­te dann al­ler­dings Michls per­sön­li­che Re­fe­ren­tin Mar­git Fuchs ne­ben ihm Platz neh­men. „Da fühlt man sich gleich wie­der wie 20“, sag­te sie nach der Fahrt strah­lend. Bei den wil­de­ren Fahr­ge­schäf­ten pass­te Michl dann aber. „Das ist nichts für mich.“

„Wir dan­ken Ih­nen für die wirk­lich ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit“, be­dank­te sich der Vor­sit­zen­de des süd­deut­schen Schau­stel­ler­ver­bands Lo­renz Kalb bei dem Ober­bür­ger­meis­ter und über­reich­te ihm ein rie­si­ges Leb­ku­chen­herz mit der Auf­schrift „Du bist ein­fach su­per“. Das Frän­ki­sche Volks­fest sei für den Schau­stel­ler und sei­ne Kol­le­gen im­mer ein be­son­de­res Fest im

Jahr. „Heu­te Mor­gen war ich bei der Mas­sa­ge“, er­zähl­te er. Auf dem Weg zu­rück sei er dann an vie­len für das Fest ge­schmück­ten Schau­fens­tern vor­bei­ge­kom­men. „So schau­en die Schau­fens­ter aus, wenn ei­ne Stadt zu ih­rem Volks­fest steht.“Die­sen Kom­men­tar ha­be er dann ge­mein­sam mit ei­nem Fo­to der Schau­fens­ter ins In- ter­net ge­stellt. Die Volks­fes­tS­tim­mung in Crails­heim ist auch das, was Ru­dolf Michl nach sei­ner Zeit als Ober­bür­ger­meis­ter am meis­ten ver­mis­sen wird.

Ru­dolf Michl ver­lässt Crails­heim

„Al­le sind ent­spann­ter, und der All­tags­stress ist für ein paar Ta­ge ver­ges­sen. Das tut der Stadt gut“, so Michl. In Zu­kunft wird er das Volks­fest nur noch als Gast er­le­ben. Ihn und sei­ne Frau zieht es zu­rück in ih­re hes­si­sche Hei­mat Geln­hau­sen.

Michl ist in der gut 20 000 Ein­woh­ner zäh­len­den Stadt zwi­schen Frank­furt am Main und Ful­da auf­ge­wach­sen, sei­ne Frau in ei­nem Ort in der Nä­he. „Wir sind ein al­tes Schu­l­ehe­paar.“

So rich­tig ab­ge­fun­den da­mit, dass er sein Amt als Crails­heims Ober­bür­ger­meis­ter An­fang kom­men­den Jah­res nie­der­le­gen wird, hat sich Michl aber noch nicht. Für ihn sei ein Traum in Er­fül­lung ge­gan­gen, als er zum Ober­bür­ger­meis­ter von Crails­heim ge­wählt wur­de. „Das war et­was, das ich un­be­dingt ma­chen woll­te.“Dass er nun das letz­te Mal als Ober­bür­ger­meis­ter das Volks­fest er­öff­nen konn­te, dar­an müs­se er noch knab­bern. „Das er­füllt ei­nen schon mit Weh­mut.“

Kom­men­tar

Fo­to: An­na Ber­ger

Ru­dolf Michl und sei­ne Frau Eva-Ma­ria Herz-Michl wol­len ge­mein­sam in ein neu­es Le­ben rut­schen und üb­ten schon ein­mal auf dem Volks­fest. Das Ehe­paar zieht es nach Michls Amts­zeit zu­rück in die ge­mein­sa­me Ge­burts­stadt Geln­hau­sen.

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