Letz­ter Mus­wie­sen­tag lock­te wie­der Zig­tau­sen­de

Hohenloher Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Ma­thi­as Bar­tels

Mus­dorf. Für den Lan­des­va­ter kam ges­tern So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred Lu­cha. Auch Kick­box-Welt­meis­ter Micha­el Smo­lik und Zig­tau­sen­de an­de­re Mus­wie­sen-Fans ge­nos­sen den krö­nen­den Ab­schluss.

So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred Lu­cha bricht Lan­ze für den Länd­li­chen Raum und ist weit mehr als nur Er­satz für Win­fried Kret­sch­mann.

Wenn es von vorn­her­ein ge­hei­ßen hät­te, zur Mit­tel­stands­kund­ge­bung des BDS wäh­rend der Mus­wie­se 2017 kommt So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred „Man­ne“Lu­cha (56), wä­re die Freu­de wahr­schein­lich re­ell, die Stim­mung er­war­tungs­froh ge­we­sen. So aber kam „nur“der grü­ne So­zi­al­mi­nis­ter, der Ober­bay­er aus dem ober­schwä­bi­schen Ra­vens­burg – und nicht der Mi­nis­ter­prä­si­dent. Win­fried Kret­sch­mann ist halt nicht nur Lan­des­va­ter, son­dern längst ei­ne Sym­bol­fi­gur für Ba­denWürt­tem­berg. Und als sol­che war er ges­tern in Ber­lin ge­fragt, um als ge­stan­de­ner Re­al­po­li­ti­ker und pro­fun­der Ver­hand­lungs­ex­per­te „Ja­mai­ka“zu schmie­den. Der gest­ri­ge Eh­ren­gast ti­tu­lier­te ihn denn auch be­zeich­nen­der­wei­se als „po­li­ti­schen Zieh­va­ter“.

So gut wie al­les hin­fäl­lig

Hät­te, wä­re, wenn und aber: Das al­les war ges­tern Abend hin­fäl­lig – „Kret­sche“war nicht da, da­für eben „Man­ne“. Und das war auch gut so, denn der leut­se­li­ge Ab­ge­ord­ne­te und Mi­nis­ter im grün-schwar­zen Kret­sch­man­nKa­bi­nett er­wies sich als elo­quen­ter Fe­st­red­ner im Hahn-Zelt. Nach­dem er die üb­li­che Tour de Force durch die Ge­mein­de hin­ter sich ge­bracht hat­te, die auf je­den Eh­ren­gast der Mus­wie­se war­tet: Emp­fang im Rat­haus durch Bür­ger­meis­ter und BDS-Gran­den samt Ein­trag ins Gol­de­ne Buch der Kom­mu­ne, da­nach der Weg zum Pro­mi­nen­ten-Hain, wo Lu­cha ges­tern die 26. Pro­mi-Lin­de zu pflan­zen hat­te. Gott sei Dank war dort al­les bes­tens ge­rich­tet, so dass der Mi­nis­ter auch mit nur ei­ner Hand – so gut es eben ging – zur Schau­fel grei­fen konn­te.

Beim Ski-Fah­ren hat­te er sich vor Mo­na­ten näm­lich bö­se die Schul­ter ver­letzt und ge­meint, den Seh­nen­riss kon­ser­va­tiv be­han­deln zu kön­nen. Vor 14 Ta­gen muss­te er nun doch un­ters Mes­ser und trug den Arm in ei­ner Sch­lin­ge. Gleich­wohl ließ er es sich nicht neh­men, so­wohl am Ge­mein­de­stand im Ge­wer­be­zelt Fuß­bäl­le auf Lö­cher zu ki­cken und im Bier­zelt ne­ben­an den Maß­krug zu stem­men. Das funk­tio­nier­te oh­ne­hin ein­hän­dig. . .

Der Mi­nis­ter de­fi­niert Hei­mat

Wie ge­sagt: Lu­cha als Fe­st­red­ner war völ­lig in Ord­nung. Und doch klang ein we­nig Ent­täu­schung mit beim Ge­dan­ken dar­an, dass es der „MP“hät­te sein kön­nen. Dass sich der So­zi­al­mi­nis­ter ab­so­lut aufs Bier­zelt ver­steht, mach­te er ges­tern un­miss­ver­ständ­lich klar. Der ge­lern­te Che­mie­wer­ker und stu­dier­te So­zi­al- und Ge­sund­heits­ma­na­ger er­wies sich als kun­di­ger Ba­den-Würt­tem­ber­ger, der nicht nur die Men­schen im Länd­le, son­dern auch de­ren Ei­gen- und Be­son­der­hei­ten und vor al­lem de­ren Fes­te kennt. Die Mus­wie­se, so Man­fred Lu­cha, ste­he ide­al­ty­pisch da­für, dass hier im Land der „Hidden Cham­pi­ons“Tra­di­ti­on nicht er­stickt, son­dern selbst­be­wusst ge­lebt wer­de.

Ein­drück­lich ging der Mi­nis­ter auf Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er und des­sen De­fi­ni­ti­on des Hei­mat­be­griffs ein, die er sich durch­aus zu ei­gen mach­te. „Hei­mat weist in die Zu­kunft und nicht in die Ver­gan­gen­heit“, sag­te Lu­cha, „Hei­mat ist ein Ort, den wir al­le als Ge­mein­schaft erst schaf­fen.“In der heu­ti­gen tur­bu­len­ten und ab­so­lut nicht fried­li­chen Welt sei es wich­tig, über Hei­mat zu spre­chen, so der Mi­nis­ter wei­ter. Das gel­te für al­le: Für die, für die sich die Welt zu schnell und un­kon­trol­liert än­dert ge­nau­so wie für je­ne, die ih­re Hei­mat erst noch fin­den müss­ten, weil sie neu hier­her ge­kom­men sind. Doch auch „vie­le von hier füh­len sich hei­mat­los, de­nen wir die Hand rei­chen“soll­ten.

„Wir ha­ben die gro­ße Chan­ce, ei­ne Hei­mat zu schaf­fen mit ge­mein­sa­men Re­geln und fes­tem Wer­te­f­un­da­ment“, sag­te der Mi­nis­ter. „Un­se­re Hei­mat ist die De­mo­kra­tie – in Re­spekt vor de­ren Viel­falt und in To­le­ranz ge­gen­über an­de­ren Mei­nun­gen. Wir al­le müs­sen das Ge­fühl ha­ben, da­zu­zu­ge­hö­ren. Egal wo­her wir kom­men: Hei­mat ist ein Er­folgs­fak­tor“, schloss er. Star­ke Wor­te. Da­zu kam die Er­kennt­nis, dass der Kret­sch­mann-Be­such jetzt ja noch aus­steht. 2018 viel­leicht?

Fo­tos: Ma­thi­as Bar­tels

Ein Pro­sit auf die Mus­wie­se! Ba­den-Würt­tem­bergs So­zi­al­mi­nis­ter „Man­ne“Lu­cha (Zwei­ter von rechts) mit Bür­ger­meis­ter Sieg­fried Grö­ner (links ne­ben ihm), dem BDS-Orts­vor­sit­zen­den Da­ri­us Ko­wa­lik (links) und BDS-Lan­des-Chef Gün­ther Hie­ber (rechts).

Der Mi­nis­ter im Rat­haus von Rot am See: Der Ein­trag ins Gol­de­ne Buch ist ob­li­ga­to­risch.

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