Neue Atta­cke ge­gen See­ho­fer

Hohenloher Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

In der CSU gärt es. Im­mer mehr Ver­bän­de be­geh­ren auf. Kann der Par­tei­chef den Auf­stand nie­der­schla­gen?

Mün­chen. Wann ist der rich­ti­ge Mo­ment für den gu­ten Ab­gang? Und wann der für die Re­vol­te? Das sind Fra­gen, die in der CSU auf­ge­wor­fen wer­den. Vie­les spricht da­für, dass Horst See­ho­fer den rich­ti­gen Mo­ment ver­passt hat – spä­tes­tens seit er En­de April er­klärt hat­te, dass er doch in sei­nen Äm­tern als Mi­nis­ter­prä­si­dent und Par­tei­vor­sit­zen­der wei­ter­macht bis über 2018 hin­aus. „Mit 51 zu 49“in sei­nem In­ne­ren sei die­se Ent­schei­dung schließ­lich ge­fal­len, sag­te er da­mals.

See­ho­fer hat et­was Mon­ar­chi­sches an sich, und die vie­len Fi­gu­ren ne­ben, hin­ter und un­ter ihm er­schei­nen wie ein ewig zan­ken­der, in­tri­gie­ren­der Hof­staat. Doch wer­den die Atta­cken auf den Vor­sit­zen­den här­ter und di­rek­ter. So hat es ei­ne neue Qua­li­tät, dass sich der CSU-Be­zirks­ver­band Mün­chen nun fast ge­schlos­sen ge­gen See­ho­fer stellt. Denn die­sen Ver­band führt Kul­tus- und Bil­dungs­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le, ei­ner der wich­tigs­ten Mi­nis­ter im Ka­bi­nett.

Es sieht nach ei­ner sehr kalt kal­ku­lier­ten Tak­tik aus, wie See­ho­fer jetzt von Wi­der­sa­chern ein­ge­kreist wird. Erst wa­ren es ein paar Orts­ver­bän­de, die nach der Bun­des­tags­wahl per­so­nel­le Kon­se­quen­zen for­der­ten. Doch dann folg­ten zwei Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, die hin­ter Sö­der ste­hen, und ei­ner aus dem Bun­des­tag. Ge­folgt von zwei Staats­se­kre­tä­ren im baye­ri­schen Ka­bi­nett Al­bert Füra­cker (aus Sö­ders Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um) und Ge­org Ei­sen­reich (tä­tig im Kul­tus­res­sort un­ter Lud­wig Spa­en­le). Ei­ne ers­te Wel­le war das, See­ho­fer pol­ter­te.

Angst vor ei­nem Ab­sturz

Ein kur­zer Waf­fen­still­stand wur­de ge­schlos­sen, als der Par­tei­chef nach Ber­lin fuhr und mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) den Asyl-Kom­pro­miss der Uni­on aus­han­del­te. Doch wei­te­re Zeit er­hält See­ho­fer nicht. Es geht mitt­ler­wei­le um Jobs, po­li­ti­sche Exis­ten­zen, um Auf­stiegs­pos­ten in ei­nem neu­en Ka­bi­nett und der Frak­ti­on nach der Land­tags­wahl im Herbst 2018. Es geht um die Angst vor ei­nem CSU-Ab­sturz, der Man­da­te kos­ten wür­de. So po­si­tio­nie­ren sich bei­de La­ger. Wer ver­liert, hat kei­ne gro­ße Zu­kunft mehr.

Nun zum Be­zirks­ver­band Mün­chen. Acht der neun Kreis­vor­sit­zen­den tra­fen sich, so be­rich­tet die Bild-Zei­tung un­wi­der­spro­chen, und wa­ren sich ei­nig, dass die Flücht­lings­po­li­tik und See­ho­fers Zick­zack­kurs die Wahl­nie­der­la­ge ver­schul­det ha­ben. Ein „per­so­nel­ler Neu­an­fang“sei nö­tig. Der CSU-Be­zirks­vor­sit­zen­de Lud­wig Spa­en­le. ist mit Sö­der schon lan­ge be­freun­det.

Die Fra­ge für Sö­der lau­tet: Schafft er es, bis zum Par­tei­tag Mit­te No­vem­ber ei­ne sol­che Macht auf­zu­bau­en, dass See­ho­fer nicht mehr als Vor­sit­zen­der an­tritt oder in ei­ner Kampf­kan­di­da­tur be­zwun­gen wer­den kann? See­ho­fer hat noch ei­nen Trumpf: die Zwei­fel an Sö­ders Po­li­tik-Qua­li­tä­ten. Wie will der ernst­haft und hart mit An­ge­la Mer­kel ver­han­deln? Patrick Guy­ton

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