Maut und kein En­de

Hohenloher Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Ha­jo Zen­ker

Es kommt, wie es kom­men muss­te: Ös­ter­reich zieht vor Ge­richt, um die Pkw-Maut zu kip­pen. Die heißt zwar heu­te of­fi­zi­ell In­fra­struk­tur­ab­ga­be, frü­her aber hat die CSU ihr Lieb­lings­pro­jekt noch ganz ehr­lich Aus­län­der-Maut ge­nannt. Und ein sol­ches Vor­ha­ben ge­fällt den Re­gie­ren­den in Wi­en gar nicht.

Des­halb könn­te der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof dem­nächst das tun, was die EU-Kom­mis­si­on ver­säumt hat: Die Maut un­ter­sa­gen. Al­ler­dings hat­te auch die Brüs­se­ler Zu­stim­mung schon ih­ren Preis. Die auf den Cent ge­naue Ent­las­tung der deut­schen Au­to­fah­rer um den Be­trag der Maut ist in­zwi­schen vom Tisch. Wer ein ver­gleichs­wei­se emis­si­ons­ar­mes Au­to nach der Norm Eu­ro 6 fährt, be­kommt mehr er­stat­tet, als ihn die Maut kos­ten wird. Nun aber ist Eu­ro 6 heu­te Neu­wa­gen­Stan­dard. Jahr für Jahr wird der Be­trag, den die Maut ein­spielt, so klei­ner. Frag­lich ist, ob an­ge­sichts der Bü­ro­kra­tie, dann über­haupt noch ein ein­zi­ger Cent üb­rig bleibt. Ei­ne Hil­fe für ma­ro­de Stra­ßen wird die Maut al­so nicht.

Der christ­so­zia­le Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Do­brindt muss das Schla­mas­sel nicht mehr di­rekt aus­ba­den, er agiert in Zu­kunft aus­schließ­lich als Chef der CSU-Lan­des­grup­pe im Bun­des­tag. In die­ser Funk­ti­on wird er je­doch da­zu bei­tra­gen müs­sen, ei­nen neu­en Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­nau­so wie das Ur­teil zur Maut um­zu­set­zen. Viel­leicht wird die Maut gar nicht erst in Kraft ge­setzt. Oder es pas­siert das Ge­gen­teil: Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen he­ben an­ge­sichts neu­er Be­rech­nun­gen die Maut an – ganz oh­ne Ent­las­tung bei der Kfz-Steu­er. Dann kann der Bund doch noch Mehr­ein­nah­men mit der Ab­ga­be er­zie­len – vor­ran­gig be­zahlt von deut­schen Au­to­fah­rern.

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