Strobl legt Wahl­rechts­vor­schlag vor

Im Streit um ei­ne Re­form bringt der CDU-Lan­des­chef und In­nen­mi­nis­ter ei­ne neue Idee ins Spiel. Nach Os­tern soll die Aus­ein­an­der­set­zung wei­ter­ge­hen.

Hohenloher Tagblatt - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Axel Ha­ber­mehl

In die fest­ge­fah­re­ne De­bat­te um ei­ne mög­li­che Re­form des Land­tags-Wahl­rechts ist neue Be­we­gung ge­kom­men. Der CDU-Lan­des­chef und In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl stell­te ges­tern Vor­mit­tag in ei­ner ei­gens zur Be­hand­lung die­ses The­mas ein­ge­rich­te­ten Ar­beits­grup­pe des grün-schwar­zen Ko­ali­ti­ons­aus­schus­ses ei­nen Vor­schlag vor. Es ist der bis­her ers­te Plan für ei­ne Än­de­rung von Sei­ten der CDU.

Ak­tu­ell hat – an­ders als bei ei­ner Bun­des­tags­wahl – bei ei­ner Land­tags­wahl je­der Wäh­ler nur ei­ne Stim­me. In den 70 Wahl­krei­sen ist der Kan­di­dat di­rekt ge­wählt, der dort die meis­ten Stim­men be­kommt. Dar­über hin­aus wer­den min­des­tens 50 Zweit­man­da­te ver­ge­ben. Sie ge­hen an je­ne Kan­di­da­ten, die zwar ih­ren Wahl­kreis nicht ge­won­nen ha­ben, aber im Ver­gleich zu an­de­ren Di­rekt­kan­di­da­ten ih­rer Par­tei in ei­nem der vier Re­gie­rungs­be­zir­ke die meis­ten Stim­men be­ka­men.

Tho­mas Stro­bls neu­er Vor­schlag, den er münd­lich un­ter­brei­tet hat, zielt nur auf die Zweit­man­da­te: Wie Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) ges­tern er­klär­te, be­steht der Kern der Idee in ei­nem Op­ti­ons­recht für die an der Wahl teil­neh­men­den Par­tei­en. Je­de Par­tei soll ent­schei­den, ob die ihr zu­ste­hen­den Zweit­man­da­te wie bis­her die un­ter­le­ge­nen Di­rekt­kan­di­da­ten be­kom­men, oder ob die Man­da­te über ei­ne Lan­des­lis­te ver­teilt wer­den.

Der Vor­schlag, ver­lau­te­te aus Ko­ali­ti­ons­krei­sen, sei als „neue Idee“und „wei­te­re Ge­sprächs­grund­la­ge“ein­ge­speist wor­den. Da er noch nicht schrift­lich vor­lag, ist das ex­ak­te Lis­ten­mo­dell noch un­klar.

Kret­sch­mann kün­dig­te an, Stro­bls Vor­schlag zu prü­fen. Die Frak­tio­nen müss­ten sich nun da­mit be­fas­sen, man wer­de nach Os­tern wie­der dar­über spre­chen. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Andre­as Schwarz sag­te: „Wir be­grü­ßen es, dass es ei­nen wei­te­ren Vor­schlag gibt. Wir wer­den die­sen Vor­schlag in der Frak­ti­on be­ra­ten.“Man prü­fe aber „wohl­wol­lend“, hieß es aus der Grü­nen-Frak­ti­on.

Der Vor­sit­zen­de der CDU-Frak­ti­on, Wolf­gang Rein­hart, kün­dig­te an: „Wir wer­den den Vor­schlag am 10. April in der Frak­ti­on be­spre­chen, wenn uns die Eck­punk­te vor­lie­gen. Für die CDU-Frak­ti­on gilt, dass al­le Vor­schlä­ge mit Ru­he, Sorg­falt und Sach­lich­keit ge­prüft wer­den.“

Das The­ma wur­de be­reits ges­tern hin­ter ver­schlos­se­ner Tür in der CDU-Frak­ti­on be­han­delt. Ei­ni­ge Ab­ge­ord­ne­te äu­ßer­ten sich auf An­fra­ge eher skep­tisch, woll­ten sich aber nicht na­ment­lich zi­tie­ren las­sen. „Ich bin ver­wun­dert, dass nichts Schrift­li­ches vor­ge­legt wur­de“, sag­te ei­ner. Ein an­de­rer fand den Vor­schlag „et­was en­do­sko­pisch: durch den Bauch­na­bel ins Au­ge“.

Zu­letzt hat­ten die Grü­nen ei­nen Kom­pro­miss­vor­schlag ge­macht. Auch er sieht nur ei­ne Än­de­rung bei den Zweit­man­da­ten vor: Sie sol­len künf­tig über Lan­des­lis­ten der Par­tei­en ver­ge­ben wer­den. Auf die­sen Lan­des­lis­ten sol­len Be­wer­ber ste­hen, die von der Ba­sis in ei­nem der 70 Wahl­krei­se no­mi­niert wur­den.

An­lass al­ler Re­form­über­le­gun­gen ist, dass nur 25 Pro­zent der Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten weib­lich sind. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ha­ben sich Grü­ne und CDU des­halb auf die Ein­füh­rung ei­ner ge­schlos­se­nen Lan­des­lis­te ver­stän­digt. Ge­sprä­che dar­über brach­ten aber kei­ne Ei­ni­gung. In­zwi­schen sind die Fron­ten ver­här­tet. Die CDU-Frak­ti­on lehn­te zu­letzt ein­stim­mig je­de Än­de­rung ab. Die Fra­ge war auch als Kon­flikt zwi­schen Strobl und Rein­hart in­ter­pre­tiert wor­den.

Fo­to: Si­na Schuldt/dpa

Wie soll das Land­tags­wahl­recht ver­än­dert wer­den, da­mit auch mehr Frau­en in das Par­la­ment kom­men? Dar­über dis­ku­tiert Grün-Schwarz in­ten­siv.

Fo­to: dpa

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl will ein Op­ti­ons­recht für die Par­tei­en.

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