Mallor­ca: Flut­op­fer un­ter Schock

Hohenloher Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT -

Die Schä­den auf der Fe­ri­en­in­sel sind im­mens. Ein Jun­ge wird noch ver­misst.

Palma. Drei Ta­ge nach der Un­wet­ter­ka­ta­stro­phe auf Mallor­ca ste­hen die Ein­woh­ner im Os­ten der Ur­laubs­in­sel un­ter Schock. Meh­re­re Stra­ßen wa­ren ges­tern noch un­pas­sier­bar, Brü­cken sind schwer be­schä­digt, gan­ze Dör­fer, Häu­ser und Mö­bel mit brau­nem Schlamm und schmie­ri­gem Was­ser über­zo­gen. Die vom plötz­li­chen Sturz­re­gen am Di­ens­tag­abend ver­ur­sach­ten Schä­den rund um die Ort­schaft Sant Llo­renç des Car­das­sar ge­hen in mehr­stel­li­ge Mil­lio­nen­hö­he.

Die vor­läu­fi­ge Zahl der To­des­op­fer der Ka­ta­stro­phe liegt bei zwölf. Un­ter den Op­fern sind drei Deut­sche: ein Jour­na­list aus Nie­der­sach­sen so­wie ein äl­te­res Ehe­paar. Auch zwei Bri­ten und ei­ne Hol­län­de­rin ka­men ums Le­ben. Vie­le An­woh­ner sei­en „trau­ma­ti­siert“, fass­te das „Mallor­ca Ma­ga­zin“die Stim­mung zu­sam­men.

Kin­der-Ruck­sack ent­deckt

Ret­tungs­kräf­te such­ten wei­ter nach ei­nem ver­miss­ten Kind. Die Su­che kon­zen­trier­te sich mitt­ler­wei­le auf den Ort Son Car­rió im Ge­mein­de­ge­biet von Sant Llo­renç des Car­das­sar, nach­dem dort am Don­ners­tag­abend der Ruck­sack des Jun­gen ent­deckt wor­den sei. Rund 150 Hel­fer durch­kämm­ten nach An­ga­ben der mal­lor­qui­ni­schen Zei­tung „Ul­ti­ma Ho­ra“die gan­ze Nacht die Re­gi­on.

Über das Al­ter des Jun­gen gab es in Spa­ni­en un­ter­schied­li­che An­ga­ben, man­che Me­di­en be­rich­te­ten, er sei fünf Jah­re alt, an­de­re schrie­ben, er sei acht. Sei­ne Mut­ter kam Me­di­en­an­ga­ben zu­fol­ge bei den Über­flu­tun­gen ums Le­ben. Sei­ne Schwes­ter sei in Si­cher­heit ge­bracht wor­den, als sie hilf­los in den Flu­ten trieb.

Druck am Ar­beits­platz, pri­va­te Schick­sals­schlä­ge: Wenn die See­le lei­det, kann sich das kör­per­lich be­merk­bar ma­chen. Dass das häu­fig so ist, hat un­se­re Te­le­fon­ak­ti­on am „Welt­tag der see­li­schen Ge­sund­heit“ge­zeigt. Ver­su­chen Sie, ihr deut­lich zu ma­chen, dass ei­ne dia­gnos­ti­sche Ein­schät­zung wich­tig ist. Die­se kann sie in ei­ner psych­ia­tri­schen oder psy­cho­so­ma­ti­schen Am­bu­lanz be­kom­men. Er­klä­ren Sie ih­rer Toch­ter auch, wie sehr

Sie selbst un­ter der Si­tua­ti­on lei­den, ma­chen Sie ihr aber kei­ne Vor­wür­fe. soll­te al­le zwei Wo­chen Blut­wer­te und Ge­wicht kon­trol­lie­ren. Zwin­gen Sie ih­re Toch­ter zu nichts, dro­hen Sie ihr nicht, aber mo­ti­vie­ren Sie sie, sich Hil­fe in der Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­trie zu ho­len. Ma­chen Sie Ihr klar, dass Ihr Ver­hal­ten ge­fähr­lich ist und ih­re Nie­ren, Kno­chen und Zäh­ne schwer schä­di­gen kann. Sie kön­nen Ihr auch vor­ma­chen, dass es gut ist, sich Hil­fe zu su­chen, und selbst ei­ne An­ge­hö­ri­gen­grup­pe be­su­chen. Sie brau­chen ei­ne am­bu­lan­te The­ra­pie. Da­zu müs­sen Sie sich aber zu­nächst selbst ein­ge­ste­hen, dass Sie es al­lei­ne nicht schaf­fen, Ihr Pro­blem in den Griff zu be­kom­men. Ma­chen Sie sich frei von den Rat­schlä­gen an­de­rer, hö­ren Sie auf sich. Sehr wahr­schein­lich wer­den Sie nicht so­fort ei­nen Ter­min für ei­ne The­ra­pie be­kom­men. Aber blei­ben Sie dran, dann wird es auch ge­lin­gen. Stel­len Sie sich in ei­ner psy­cho­so­ma­ti­schen Am­bu­lanz vor. Dort kann das wei­te­re Vor­ge­hen ge­plant wer­den, even­tu­ell auch ei­ne sta­tio­nä­re psy­cho­so­ma­ti­sche Be­hand­lung.

Es fin­den in der Re­gel psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ein­zel- und Grup­pen­ge­sprä­che statt, Sie ler­nen Ent­span­nungs­ver­fah­ren, kön­nen von Kunst- und Mu­sik­the­ra­pie so­wie Sport­an­ge­bo­ten pro­fi­tie­ren. Even­tu­ell wer­den be­glei­tend Me­di­ka­men­te ein­ge­setzt. Und na­tür­lich fin­det im­mer auch ei­ne so­ma­ti­sche Dia­gnos­tik statt, um rein kör­per­li­che Ur­sa­chen aus­zu­schlie­ßen. Ver­su­chen Sie, ei­nen Platz in ei­ner so ge­nann­ten ge­ron­to­psych­ia­tri­schen Kli­nik zu be­kom­men. Dort ist man auf die Le­bens­si­tua­ti­on im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter spe­zia­li­siert. Ver­mut­lich steckt ei­ne de­pres­si­ve Er­kran­kung hin­ter Ih­ren Pro­ble­men. Ein Reiz­darm kann durch­aus mit ei­ner de­pres­si­ven Er­kran­kung ver­ge­sell­schaf­tet sein. Las­sen Sie sich von Ih­rem Haus­arzt in die psy­cho­so­ma­ti­sche Am­bu­lanz über­wei­sen. Das ge­schieht durch spe­zia­li­sier­te Fra­ge­bö­gen und im Ge­spräch mit dem Psy­cho­the­ra­peu­ten. Das könn­te sein. Mein Rat ist – hor­chen Sie in sich hin­ein: Was könn­te mir gut­tun? Ist es viel­leicht Yo­ga oder Aus­dau­er­sport? Ver­su­chen Sie, wie­der ins Gleich­ge­wicht zu kom­men. Ge­lingt Ih­nen dies nicht, ho­len Sie sich Hil­fe. Je früh­zei­ti­ger dies ge­schieht, des­to bes­ser sind fast im­mer die Chan­cen, Pro­ble­me in den Griff zu be­kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.