Im Zen­trum be­ginnt die Nacht­ru­he be­reits um 22 Uhr

Hohenloher Tagblatt - - CRAILSHEIM REGION - Von Chris­ti­ne Hof­mann

Bis zu wel­cher Uhr­zeit Crails­hei­mer Wir­te ih­re Gäs­te im Som­mer im Frei­en be­wir­ten dür­fen, hängt da­von ab, wo die Gast­stät­te liegt.

Was war das für ein herr­li­cher Som­mer: Son­ne satt von früh bis spät und lan­ge Aben­de, die man mit kur­zen Ho­sen und küh­lem Bier im Frei­en ver­brin­gen konn­te. Vie­le Crails­hei­mer be­such­ten Gast­wirt­schaf­ten in der Stadt – vor al­lem die, in de­nen man drau­ßen sit­zen konn­te. So schön der Som­mer für die Kn­ei­pen­gän­ger war, so an­stren­gend war er für die An­woh­ner. Sie hat­ten – ob sie woll­ten oder nicht – über Mo­na­te hin­weg akus­ti­schen An­teil an den abend­li­chen Gas­tro­no­mie­ver­gnü­gen.

Kom­pro­miss er­ar­bei­tet

Im Ge­mein­de­rat wur­den jetzt Richt­li­ni­en für Son­der­er­laub­nis­se für die Au­ßen­be­wirt­schaf­tung auf öf­fent­li­chen Flä­chen be­schlos­sen. Die Ver­wal­tung hat­te ei­nen Kom­pro­miss­vor­schlag er­ar­bei­tet, der ei­ner­seits die In­ter­es­sen der An­woh­ner – al­so den Lärm­schutz – be­rück­sich­ti­gen und an­de­rer­seits dem Recht des Gast­wirts auf un­be­schränk­te Aus­übung sei­nes Ge­wer­bes ge­recht wer­den soll.

Da­nach wird die In­nen­stadt künf­tig in drei Zo­nen ein­ge­teilt, in de­nen je­weils ein an­de­res Be­wirt­schaf­tungs­en­de gilt. Im Be­reich der Bahn­hof­stra­ße, der Gaildor­fer Stra­ße 20 und 27, der Hal­ler Stra­ße bis Nr. 29 und von der Ein­mün­dung der Sau­er­brun­nen­stra­ße bis zum Kreis­ver­kehr Roß­feld wird Au­ßen­be­wirt­schaf­tung bis 23 Uhr zu­ge­las­sen. Der Grund: Die Be­wir­tung im Frei­en er­folgt ent­lang von Bun­des-, Lan­des­und Kreis­stra­ßen. Lärm­be­läs­ti­gun­gen ent­ste­hen hier vor al­lem durch den Ver­kehr. Au­ßer­dem ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit nur we­ni­ge An­woh­ner über nächt­li­che Ru­he­stö­rung durch Kn­ei­pen­be­su­cher be­schwert.

Ei­ne St­un­de län­ger, al­so bis Mit­ter­nacht, dür­fen Lo­ka­le in der Wort­hing­ton­stra­ße 2 bis 14 ih­re Gäs­te un­ter frei­em Him­mel be­wir­ten. Die Ver­län­ge­rung ist aus Sicht der Ver­wal­tung in­so­fern ge­recht­fer­tigt, da hier ein Ab­stand von 80 Me­tern zu den Wohn­ge­bäu­den be­steht. Auch hier gab es kaum An­woh­ner­be­schwer­den.

In der In­nen­stadt sieht die La­ge an­ders aus. „Hier ha­ben wir re­gel­mä­ßig Be­schwer­den von An­woh­nern we­gen Lärm­be­läs­ti­gung“, be­rich­te­te Chris­toph Jung, Res­sort­lei­ter Si­cher­heit und Bür­ger­ser­vice in der Ge­mein­de­rats­sit­zung am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag. Zwar wünsch­ten sich die Gas­tro­no­men eben­falls ei­ne Aus­schank­zeit bis Mit­ter­nacht, dies sei je­doch nicht mög­lich, wenn man ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich an­stre­be.

Be­son­ders sen­si­bel ist der Be­reich Adam-Weiß-Stra­ße, weil hier mehr An­lie­ger woh­nen als in den üb­ri­gen in­ner­städ­ti­schen Be­rei­chen. Die Be­schwer­den wa­ren hier so mas­siv, dass die Stadt vor rund zehn Jah­ren Au­ßen­gas­tro­no­mie auf öf­fent­li­chen Flä­chen strikt ver­bo­ten hat.

Ein Aus­geh-Vier­tel ent­steht

Da im Be­reich Lan­ge Stra­ße/ Jagst­stra­ße ak­tu­ell ein klei­nes Aus­geh-Vier­tel ent­steht, sol­len die Gas­tro­no­men in den Som­mer­mo­na­ten ih­re Gäs­te hier künf­tig bis 22 Uhr im Frei­en be­wir­ten dür­fen. Die Nacht­ru­he von 22 Uhr gilt eben­falls für den vor­de­ren Teil der Ring­gas­se. In der rest­li­chen In­nen­stadt darf bis 23 Uhr au­ßen be­wir­tet wer­den.

„Fair sieht an­ders aus“, ur­teil­te Stadt­rat Mar­kus Schmidt (Grü­ne) und for­der­te ei­ne ein­heit­li­che Gren­ze von 23 Uhr für al­le Gast­stät­ten. „Es geht nicht, dass ei­ni­ge ein und man­che so­gar zwei Stünd­le län­ger ma­chen dür­fen.“Schmidts An­trag, im sen­si­blen In­nen­stadt­be­reich die Sperr­stun­de von 22 auf 23 Uhr zu ver­län­gern, wur­de je­doch knapp ab­ge­lehnt. Auch Cey­lan Bis­gin und Den­nis Arendt (bei­de SPD) spra­chen sich für ei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung

Es geht nicht, dass ei­ni­ge ein und man­che so­gar zwei Stünd­le län­ger ma­chen dür­fen.

Mar­kus Schmidt

aus. Ger­hard Neid­lein (CDU) frag­te, ob ei­ne Kla­ge, die sich auf den Gleich­heits­grund­satz be­ruft, vor Ge­richt Chan­cen hät­te.

Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Chris­toph Grim­mer er­in­ner­te dar­an, dass man­che Gas­tro­no­men in der In­nen­stadt bis­lang kei­ne Au­ßen­be­wir­tung hat­ten und die­se künf­tig bis 22 Uhr be­trei­ben dür­fen: „Das ist ei­ne Ver­bes­se­rung.“

Am En­de wur­de der Ver­wal­tungs­vor­schlag mit gro­ßer Mehr­heit an­ge­nom­men. Die Neu­re­ge­lung gilt zu­nächst bis En­de 2019, da­nach wer­den die Er­fah­run­gen da­mit aus­ge­wer­tet.

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