Beim Bart­le an der Bar

Hohenloher Tagblatt - - KREISGEMEINDEN - Von Michae­la Christ

Die Schnei­ders sind ei­ne Groß­fa­mi­lie im Büh­ler­tal. Doch je­der nennt sie Bart­le. Sie hal­ten ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fend zu­sam­men und ha­ben da­bei je­de Men­ge Spaß.

Do gab’s Loo­ser und au Gwen­ner. Ket­terau­cher und Spen­ner. Do wa­red Gschäfts­leut, ver­las­se­ne Mi­a­der und vie­le dursch­ti­ge Bri­a­der. Und die Mäd­le hän grad so ausg­sehn wie’d Fern­seh­star – beim Bart­le an der Bar“, be­singt der Mu­si­ker Jür­gen Hirsch nicht die Fa­mi­li­en­mit­glie­der des Bart­le-Clans, son­dern die Gäs­te im ehe­ma­li­gen Lamm-Kel­ler in Ober­sont­heim.

Des­sen In­ha­ber, wie der Bar­na­me be­sagt, ein Bart­le war, der 1993 ver­stor­be­ne Her­mann Schnei­der. Zu sei­nen Gäs­ten vor der The­ke ge­hör­te auch die Fa­mi­lie: El­tern, Ge­schwis­ter, En­kel und Nich­ten. Wenn schon ei­ner aus der Fa­mi­lie ein Gast­haus hat, dann geht man da schließ­lich auch hin. Und auch, weil die Bart­les ge­sel­lig sind, ger­ne fei­ern und da­bei je­de Men­ge Spaß ha­ben.

Al­le sol­len zum Tref­fen kom­men

Ab­ge­se­hen von spon­ta­nen Tref­fen in der Bar kam die Groß­fa­mi­lie re­gel­mä­ßig zu Ge­burts­ta­gen, Hoch­zei­ten und Tau­fen zu­sam­men. Wich­tig war, dass im­mer al­le ka­men. Auch Kin­der und Kin­des­kin­der. Nur so über­lebt ei­ne Groß­fa­mi­lie. Nur so kann sie zu­sam­men­wach­sen und ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fend zu­sam­men­hal­ten. Ein un­ver­ges­se­ner Hö­he­punkt der Zu­sam­men­künf­te war der 90. Ge­burts­tag von Jo­hann Schnei­der am 13. De­zem­ber 1989.

Fünf Jah­re spä­ter stirbt das Fa­mi­li­en­ober­haupt und die Tref­fen hö­ren schlag­ar­tig auf. Die Fa­mi­lie trau­ert. Nicht nur um den Va­ter, Groß­va­ter und Ur­groß­va­ter, son­dern auch um die schö­nen Zu­sam­men­künf­te. 1997 or­ga­ni­siert Jo­hanns jüngs­te Toch­ter Lo­re Steg­mai­er aus Ger­me­ring zu­sam­men mit Jo­hanns En­ke­lin Mo­ni­ka Wratsch­ko aus Büh­ler­tann das ers­te Bart­les-Tref­fen am 12. Sep­tem­ber, dem To­des­tag von Jo­hann Schnei­der. Die Fa­mi­li­en­tref­fen sind ganz­tä­gig und be­inhal­ten das vol­le Pro­gramm: Mit­tag­es­sen, Kaf­fee­trin­ken, Abend­es­sen. Au­ßer­dem ei­ne Wan­de­rung: „Es ist wich­tig für den Zu­sam­men­halt, im wahrs­ten Sinn des Wor­tes, ein Stück Weg ge­mein­sam zu ge­hen“, sagt Lo­re Steg­mai­er (77). Auch im Ge­den­ken an die ver­stor­be­nen Bart­le, denn der Tag be­ginnt am Fa­mi­li­en­grab und en­de­te frü­her mit ei­nem Got­tes­dienst. Mitt­ler­wei­le jährt sich das Tref­fen zum 22. Mal.

Die Jüngs­te ist 30 Ta­ge alt

Vier der acht Kin­der sind ver­stor­ben. 24 ver­hei­ra­te­te En­kel brin­gen es auf 49 Uren­kel und 19 Ur­ur­en­kel. Die Jüngs­te, Lau­ren­zia Fle­cken­stein, ist ge­ra­de 30 Ta­ge alt. „Al­le kom­men nie“, sagt Ma­ja Bron­ner (89) aus Hes­sen­tal, Jo­hann Schnei­ders äl­tes­te noch le­ben­de Toch­ter, „aber so die Hälf­te kann es im­mer ein­rich­ten. Von den ganz Klei­nen bis zu uns St­ein­al­ten“.

War­um heißt nie­mand Bart­le beim Bart­les-Tref­fen? Weil Jo­hann Schnei­ders Ur­ur­ur­groß­va­ter Jo­sef Barth­le aus Fron­rot, nur ei­ne Toch­ter hat­te, die den Schus­ter­meis­ter Andre­as Schnei­der aus He­gen­berg-Jagst­zell hei­ra­te­te und da­mit ei­ne Schnei­der wur­de. Das Ehe­paar be­wohn­te 1798 das obe­re Tor­haus in Büh­ler­tann, ei­ne klei­ne Be­hau­sung, die di­rekt am obe­ren Tor an die Gan­golf­ka­pel­le an­ge­baut war. „Auf die­sem An­we­sen ent­stand durch Jo­sef Barth­le 1798 der Haus­na­me „Barth­le“, schreibt Er­win Klein in sei­ner Büh­ler­tan­ner Häu­ser­chro­nik. Ein Haus­na­me, der selbst als Jo­sefs En­kel, ein Kind der zwei­ten Schnei­der­ge­ne­ra­ti­on, 1854 das al­te Tor­haus ge­gen das grö­ße­re Nach­bar­haus „Kap­pel­fritz“und knapp 20 Jah­re spä­ter noch ein­mal ge­gen das Haus „Kol­ben­bau­er“auf der ge­gen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te ein­tauscht, nicht ver­lo­ren geht.

Wor­aus sich der Na­me ab­lei­tet, ist nicht über­lie­fert. Wer die Bart­les je­doch kennt, könn­te auf ei­ne Cha­rak­ter­ei­gen­schaft tip­pen, wie Hirsch sie in sei­nem Song über „Bart­les Bar“zum Aus­druck bringt: „Do war die Mu­sik­box em­mer am O’schlag. Frei­tag, Sams­tag und Sonn­tag. Auf de Tisch dan­ze, ja do war Le­ba, mein Gott was hem­mer’s ons ge­ba …“

So hört auch das Bart­les-Tref­fen 2018 nicht in der Wirt­schaft auf. „Wir ge­hen nicht heim, son­dern fei­ern wei­ter“, ver­kün­den die Te­enager und Ju­gend­li­chen. Wo­hin ge­nau? „In den frü­he­ren Zu­cker­rü­ben­kel­ler un­ter Bart­les Man­gel­stu­be“, sagt Mo­ritz Wol­pert (16). „In Bart­les Bar im Veil­chen­weg“, sagt „d’Bart­le“, ali­as Phil­ipp Schnei­der (19) und hakt sich bei sei­ner Cou­si­ne Ma­ria Wratsch­ko un­ter. Da lacht ihr Opa, Bart­les Seff (84), herz­lich auf: „Ich war frü­her auch im­mer der Letz­te.“

Fo­tos: Michae­la Christ

Beim jähr­li­chen Bart­les-Tref­fen in Büh­ler­tann fehlt auch die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on nicht (von links): Ni­k­las und Phil­ipp Schnei­der, Lu­kas Wratsch­ko, Isa­bel­le Schnei­der, Jo­han­nes Schäf, Ta­bea Wol­pert, Ma­ri­us Schnei­der, Mo­ritz und Aa­ron Wol­pert vor dem Ge­burts­haus von Jo­hann Schnei­der, in dem sich heu­te Bart­les Man­gel­stu­be be­fin­det.

Die Äl­tes­ten beim Tref­fen: Jo­sef Schnei­der (Bart­les Seff), Lo­re Steg- mai­er (rechts hin­ten), Lis­beth Na­gel (links vor­ne) und Ma­ja Bron­ner (vier der noch le­ben­den Kin­der des ver­stor­be­nen Jo­hann Schnei­der).

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