Blick auf ei­nen Best­sel­ler­au­tor

Hohenloher Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Bir­git Trink­le

Crails­heim. Gün­ter Weick ist ei­nen wei­ten Weg ge­gan­gen, seit er in Ho­hen­lo­he auf­ge­bro­chen ist. Ob­wohl er in Ös­ter­reich lebt, nennt er noch im­mer Crails­heim sei­ne Hei­mat­stadt.

Gün­ter Weick ist ei­nen wei­ten Weg ge­gan­gen, seit er in Ho­hen­lo­he auf­ge­bro­chen ist, um Kar­rie­re zu ma­chen. Ob­wohl er längst in Ös­ter­reich lebt, nennt er noch im­mer Crails­heim sei­ne Hei­mat­stadt.

Ich bin schon mis­sio­na­risch un­ter­wegs, sagt Gün­ter Weick mit ei­nem Lä­cheln: Schlam­pig­keit im Um­gang mit­ein­an­der et­wa ist ihm ein Gräu­el. Nicht nur är­ger­lich sei die Nach­läs­sig­keit, die mit den neu­en Me­di­en in die Kom­mu­ni­ka­ti­on Ein­zug ge­hal­ten ha­be, son­dern nach­ge­ra­de wirt­schafts­be­dro­hend. Mit die­ser Mei­nung steht er nicht al­lei­ne, und weil er schlüs­sig zu ar­gu­men­tie­ren weiß und aus der Pra­xis kommt, ver­kau­fen sich sei­ne Bü­cher zu Zig­tau­sen­den. Auch als Füh­rungs­kräf­te-Coach ist der Mann, der sich noch im­mer als Crails­hei­mer sieht, ziem­lich er­folg­reich.

„Ich fühl mich kei­ner Stadt so ver­bun­den“, sagt er. In all den Jah­ren sei der Kon­takt zu Fa­mi­lie – Schwes­ter Ca­ro­la lebt in Jagst­heim – und Freun­den nie ab­ge­ris­sen. 1958 ge­bo­ren, wuchs er in Al­ten­müns­ter auf. Als Re­al­schü­ler war er beim Um­zug ins neue Schul­zen­trum da­bei, in dem er spä­ter, am Wirt­schafts­gym­na­si­um, das Abitur mach­te und noch viel spä­ter, längst er­folg­reich und welt­ge­wandt, an den kauf­män­ni­schen Schu­len ei­nen Vor­trag über Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen hielt.

Fas­zi­na­ti­on Markt­wirt­schaft

Sei­ne Ju­gend, er­in­nert er sich, war von der evan­ge­li­schen Ju­gend­ar­beit und vom Lai­en­spiel ge­prägt. Dann fand er Ge­fal­len dar­an, smart und ehr­gei­zig an Kar­riere­zie­len zu ar­bei­ten. Nach der Bun­des­wehr hat­ten ihn be­reits wäh­rend des BWL-Stu­di­ums Prak­ti­ka in Crails­hei­mer Fir­men wie Voith auf den Ge­schmack ge­bracht. Er be­gann für Tri­umph Ad­ler in Nürn­berg zu ar­bei­ten, we­nig spä­ter be­reits be­gann sein Auf­stieg im ame­ri­ka­ni­schen Kon­zern „Da­ta Con­trol Corp“.

Zehn Jah­re lang ent­wi­ckel­te er sich in Frank­furt, Stutt­gart, Mün­chen, Düs­sel­dorf und Zü­rich zum Wor­kaho­lic, ar­bei­te­te 14 St­un­den wö­chent­lich, gern auch am Wo­chen­en­de, und selbst nach Fei­er­abend war er mit Kol­le­gen un­ter­wegs. Als ein Teil des Kon­zerns ab­ge­sto­ßen wur­de, war es an ihm als Mar­ke­ting­lei­ter für die deutsch­spra­chi­gen Län­der, Mit­ar­bei­ter zu ent­las­sen, die zu­vor hän­de­rin­gend ge­sucht wor­den wa­ren, die er zum Teil selbst ein­ge­stellt hat­te.

Der Weg zu­rück ins Le­ben

Er spricht nicht sehr nett von sei­nem frü­he­ren Ich. Ge­stan­de­ne Män­ner zu­sam­men­bre­chen zu se­hen, ha­be ihm zu­nächst nicht viel mehr als her­ab­las­sen­des Un­ver­ständ­nis ab­ge­run­gen: Wie kann man sich nur so mit ei­nem Job iden­ti­fi­zie­ren. Und dann, ir­gend­wann, wur­de ihm be­wusst, dass auch er nichts hat­te als die­sen Job, dass ihm selbst eben­falls nichts blei­ben wür­de. Die al­ten Crails­heim-Kon­tak­te wie­sen ihm den Weg zu­rück in ei­ne an­de­re, le­bens­wer­te­re Welt. Er hat das An­ge­bot ei­nes Sab­bat­jah­res ab­ge­lehnt und ge­kün­digt: „Ich muss­te den Kopf frei krie­gen.“In Ge­nua ging er aufs Schiff, um mit dem Ruck­sack um die Welt zu zie­hen. Und ei­nes Ta­ges, ir­gend­wo in Ma­lay­sia ist er auf­ge­wacht und wuss­te, dass er nicht mehr für ei­nen Kon­zern ar­bei­ten woll­te.

Nach der Rück­kehr 1995 grün­de­te er mit ei­nem frü­he­ren Kol­le­gen die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Sof­trust Con­sul­ting und ge­noss es, in­ter­na­tio­nal, aber selbst­stän­dig zu ar­bei­ten, Ge­schäfts­plä­ne zu schrei­ben, in der Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung neue We­ge zu ge­hen. Vier Jah­re spä­ter ver­ar­bei­te­te er ge­mein­sam mit sei­nem Part­ner Wolf­gang Schur Ein­drü­cke und Er­fah­run­gen in sei­nem ers­ten Buch „Wahn­sinns­kar­rie­re. Wie Kar­rie­re­ma­cher trick­sen, was sie op­fern, wie sie auf­stei­gen“, in dem er zum ers­ten Mal die For­men Ro­man und Sach­buch ver­band. Wei­te­re zum Teil rich­tig gut ver­kauf­te Bü­cher folg­ten, zu­letzt „Al­ways on“.

Pri­va­tes Glück stellt sich ein

Fei­er­te Gün­ter Weick fort­an nur Er­fol­ge? Na­tür­lich nicht. In den Jah­ren des Auf­schwungs war er an der Grün­dung meh­re­rer Star­tups be­tei­ligt, von de­nen ei­nes, ei­ne Down­load-Platt­form für Mu­sik, er­folg­los ein­ge­stellt wer­den muss­te. Aber nie wie­der hat er sein Le­ben in­fra­ge ge­stellt.

Der Lie­be we­gen ist er nach Wi­en ge­zo­gen, seit 2009 ist die Fa­mi­lie in Vil­lach da­heim. Wenn der Er­folgs­au­tor mit un­ver­kenn­ba­rer Freu­de von sei­ner 14-jäh­ri­gen Toch­ter Vic­to­ria spricht, wird deut­lich, dass er die ent­schei­den­den Wei­chen rich­tig ge­stellt hat.

Fo­to: pri­vat

Gün­ter Weick räumt Crails­heim und Be­son­der­hei­ten wie dem Volks­fest auch noch vie­le Jah­re nach sei­nem Weg­zug ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein.

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