AUS­TRA­LI­EN

Traum­strän­de und tro­pi­schen Re­gen­wald in Queens­land ent­de­cken

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Das kann schon mal pas­sie­ren bei ei­ner Rei­se nach Queens­land, dem Sunshi­ne Sta­te Aus­tra­li­ens: Ein kom­plet­ter Tag ver­schwin­det ein­fach so im Reiseplan. Wir flie­gen an ei­nem Di­ens­tag ab und lan­den über 25 St­un­den spä­ter am Don­ners­tag in Cairns. Die ers­ten Kon­tak­te mit den „Aus­sis“, wie sich die Aus­tra­li­er selbst nen­nen, ver­lau­fen bes­tens: freund­li­cher Zöll­ner, char­man­te Ta­xi­fah­re­rin, hilfs­be­rei­te Emp­fangs­da­me. Soll nicht im­mer so ge­we­sen sein, la­sen wir auf dem Flug in ei­nem Buch des Rei­se­schrift­stel­lers Bill Bry­son. Als der spä­te­re Gou­ver­neur Ar­thur Phil­lip 1788 ei­nem Ur­ein­woh­ner die Hand ent­ge­gen­streck­te, hat­te er oh­ne Vor­war­nung ei­nen Speer im Rü­cken ste­cken. Doch das ist lan­ge her. Ei­ne Fra­ge an die Ta­xi­fah­re­rin aus un­se­rer An­rei­se-Lek­tü­re: „War­um wer­den die Queen­s­län­der von den üb­ri­gen Aus­sis ‘Bana­na Ben­ders’ (Ba­na­nen­bie­ger) ge­nannt?“Kla­re Ant­wort: „Ver­mut­lich, weil Sie nei­disch auf uns sind.“Da ist si­cher et­was dran, wie wir auf un­se­rer Rei­se zu wun­der­schö­nen Strän­den, Traum­in­seln, tro­pi­schen Re­gen­wäl­dern und in die men­schen­lee­re Ein­sam­keit des Out­backs fest­stel­len. CAIRNS, EI­NE QUIR­LI­GE STADT, prä­sen­tiert sich als Tou­ris­ten­me­tro­po­le mit schö­nen al­ten Ge­bäu­den, de­ren ty­pi­sche Veran­den noch das Flair ei­ner frü­he­ren Tro­pen­sied­lung erah­nen las­sen. Be­son­ders punk­ten kann Cairns mit sei­nen vie­len Ho­tels, der schö­nen Strand­pro­me­na­de und dem Blick auf das Meer und den Jacht­ha­fen. Wenn sich die Nacht über die Stadt senkt, ge­schieht das in die­ser Re­gi­on so ab­rupt, als ob je­mand im Wel­tall plötz­lich das Licht aus­ge­knipst hät­te. Jetzt be­ginnt ein be­acht­li­ches Nighli­fe rund um die Fla­nier­mei­le Es­pla­na­de mit ih­ren vie­len Re­stau­rants und Bars. Es lohnt sich üb­ri­gens, für Cairns ein paar Ta­ge ein­zu­pla­nen. Die Stadt ist der idea­le Aus­gangs­punkt für Trips zu den wun­der­schö­nen Strän­den im Nor­den wie Ke­war­ra Beach und Trini­ty Beach, aber auch für das Gre­at Bar­ri­er Reef, Traum­in­seln wie Fitz­roy Is­land und Li­zard Is­land mit ih­ren 24 wei­ßen Sand­strän­den. KAUM ZU GLAU­BEN: Im Jahr 1886 be­gan­nen Hun­der­te von Ar­bei­tern, nur mit Schau­feln und Pi­ckeln ei­ne Bahn­stre­cke mit 15 Tun­neln und 37 Brü­cken in der Nä­he von Cairns hin­auf zum 328 Me­ter ho­hen Ort Ku­ran­da im Re­gen­wald zu bau­en, um den Trans­port von Holz, Gold und an­de­ren Mi­ne­ra­li­en zu er­leich­tern. Heu­te ver­kehrt hier ein Nost­al­gie­zug, in dem wir ei­ne ab­wechs­lungs­rei­che Fahrt durch den Re­gen­wald ge­nie­ßen. Ku­ran­da, spä­ter ein Treff von Hip­pies, prä­sen­tiert sich als stark tou­ris­tisch ge­präg­ter Ort mit ei­nem sehr se­hens­wer­ten But­ter­fly Sanc­tua­ry für tro­pi­sche Schmet­ter­lin­ge, ei­nem Vo­gel­park und ei­nem Zoo mit Koa­las und an­de­ren aus­tra­li­schen Tie­ren. WIR TREF­FEN MI­KE. Er ist Ran­ger, kommt aus Ös­ter­reich und ar­bei­tet bei Sky­rail. Die­se spek­ta­ku­lä­re Seil­bahn von Cairns hin­auf nach Ku­ran­da wur­de als Al­ter­na­ti­ve zur his­to­ri­schen Ei­sen­bahn­ver­bin­dung von der Coral Sea, wie hier der Pa­zi­fik ge­nannt wird, nach Ku­ran­da er­rich­tet. Ih­re zum Teil mit Glas­bö­den aus­ge­stat­te­te Ka­bi­nen schwe­ben über den Wip­feln ei­nes der äl­tes­ten Re­gen­wäl­der der Welt, der heu­te zum Welt­kul­tur-

er­be ge­hört. Auf dem Weg gibt es ver­schie­de­ne Hal­te­stel­len mit kur­zen We­gen in den Wald. Mi­ke er­klärt uns, dass Bäu­me im Re­gen­wald oft auf an­de­ren Bäu­men wach­sen, weil Vö­gel mit ih­rem Kot Sa­men aus­schei­den, die dann an den Rin­den hän­gen blei­ben und dort Wur­zeln schla­gen. Hier gibt es auch Sch­ling­ge­wäch­se vol­ler „Zäh­ne“, die sich lang­sam nach oben zum Licht vor­an ar­bei­ten und die we­gen ih­rer Elas­ti­zi­tät und Bruch­si­cher­heit bei den Be­woh­nern des Re­gen­wal­des als Bau­ma­te­ri­al sehr ge­schätzt wer­den. UN­BE­DINGT ZU EMP­FEH­LEN ist ein Trip auf dem Cap­tain Cook High­way nach Nor­den – ein Fest für die Au­gen: Links der We­tTro­pics-Re­gen­wald und rechts die Küs­te mit dem Gre­at Bar­ri­er Reef, al­so zwei Welt­kul­tur­er­be-Stät­ten nur von ei­ner As­phalt­stra­ße ge­trennt. Die Be­zeich­nung „ei­ne der schöns­ten Küs­ten­stra­ßen der Welt“ist si­cher kei­ne

„Der Dain­tree Rain­fo­rest ist ei­ner der äl­tes­ten sei­ner Art welt­weit.“

Über­trei­bung. Wenn Be­su­cher dann nach Moss­man in den Re­gen­wald ab­bie­gen, sind die Er­war­tun­gen hoch. Und sie wer­den er­füllt – mit ganz an­de­ren At­trak­tio­nen und Na­tur­schön­hei­ten. Zum Bei­spiel im Moss­man Gor­ge Cen­ter: Dort füh­ren die Ur­ein­woh­ner, die Abori­gi­nes, Be­su­cher in den Re­gen­wald und ge­ben ih­nen Ein­blick in ih­ren All­tag. Da­zu ge­hört auch das Ma­len mit Far­ben, die sie aus dem Gestein ge­win­nen. Un­ser Gui­de macht es vor. Die Fol­ge: farb­ver­schmier­te Hän­de. Was macht der Mann? Er reibt die Hän­de mit Blät­tern ein, steckt sie in das Was­ser ei­nes Bachs, es ent­steht Sei­fen­schaum. Die Hän­de sind wie­der sau­ber, die Na­tur hat ih­re Viel­sei­tig­keit be­wie­sen. „BUSH“NEN­NEN DIE AUS­TRA­LI­ER al­les Land au­ßer­halb der Städ­te und „Out­back“das weit­ge­hend oder ganz un­zi­vi­li­sier­te Land. Wir über­nach­ten in der sehr emp­feh­lens­wer­ten Dain­tree Eco Lodge im Dain­tree Rain­fo­rest, dem wohl äl­tes­ten in­tak­ten Re­gen­wald der Welt. 430 ver­schie­de­ne Vo­gel­ar­ten, 200 Fi­sch­ar­ten und über 70 Krus­ten­tie­re gibt es hier. Aus­tra­li­en, so muss man wis­sen, ist ein Land, für das es kei­nen Ver­gleich in der Welt gibt. Rund acht­zig Pro­zent al­ler Pflan­zen und Tier exis­tie­ren nur hier. Zum Bei­spiel Wom-

„Mar­git Cia­nel­li emp­fängt uns in ih­rer Lodge mit ei­nem Kän­gu­ru.“

bats, die­se drol­li­gen, Ted­dy­bä­ren äh­neln­den Tie­re. Oder Koa­las, die auf Bäu­men le­ben und sich haupt­säch­lich von den Blät­tern und Rin­den des Eu­ka­lyp­tus­baums er­näh­ren. Vor al­lem aber die Kän­gu­rus. Und die le­ben teil­wei­se auch auf Bäu­men – kein Scherz! NACH EI­NER LÄN­GE­REN FAHRT durch das Out­back er­rei­chen wir die Lum­holtz Lodge, ein Pri­vat­haus mit drei Gäs­te­zim­mern. Die Be­sit­ze­rin, Mar­git Cia­nel­li, emp­fängt uns mit schwä­bisch un­ter­leg­tem Deutsch und ei­nem klei­nen Kän­gu­ru auf der Schul­ter – ein jun­ges Baum­kän­gu­ru, das sie auf­zieht. Mehr­mals am Tag ver­lässt es das Haus und klet­tert auf ei­nen Baum im an­gren­zen­den Re­gen­wald. Mar­git – sie war frü­her Tier­pfle­ge­rin im Stutt­gar­ter Zoo – kam mit ih­rem spä­te­ren Mann nach Aus­tra­li­en. In­zwi­schen lebt sie von ihm ge­trennt auf dem wun­der­schö­nen An­we­sen mit ei­ge­nem Re­gen­wald. Hier zieht sie klei­ne Kän­gu­rus, Walla­bys und an­de­re Tie­re groß, die zum Bei­spiel oh­ne Mut­ter ge­fun­den wer­den, um sie dann ge­sund und wi­der­stands­fä­hig in die Frei­heit zu ent­las­sen. Mit dem Baum­kän­gu­ru teilt sie zur­zeit so­gar das Bett

„Un­da­ra bie­tet im Un­da­ra Vol­ca­nic Na­tio­nal Park spek­ta­ku­lä­re La­vah­öh­len.“

als Mut­ter­er­satz. Neu­lich hat­te sie ei­nen Gast, der wo­chen­lang bei ihr wohn­te, nur weil er ei­nen sel­te­nen Schmet­ter­ling im Re­gen­wald such­te – und fand. Auf dem Weg durch das Out­back zur Cob­bold Gor­ge im Her­zen der Gulf Sa­van­nah Re­gi­on liegt die al­te Gold­grä­ber­sied­lung For­sayth. Dort kön­nen Be­su­cher noch heu­te mit ei­nem De­tek­tor nach Gold su­chen. Mi­ne­ra­li­en-Fans sol­len schon öf­ter mit ei­ner Hand­voll Halb­edel­stei­nen und über­glück­lich die Ge­gend ver­las­sen ha­ben. EI­NE ST­UN­DE LANG hol­pern wir, ei­ne rie­si­ge Staub­wol­ke hin­ter uns her zie­hend, über ei­ne 43 Ki­lo­me­ter lan­ge, un­be­fes­tig­te Stra­ße, um das Re­sort Cob­bold Gor­ge zu er­rei­chen, das in­mit­ten ei­nes rie­si­gen Farm­grund­stücks liegt. Glen­da, die Ma­na­ge­rin, er­zählt uns ei­ne Ge­schich­te, die gut zur un­end­li­chen Wei­te die­ses oft kaum be­wohn­ten Kon­ti­nents passt: Si­mon, der Be­sit­zer der Farm und auch der Lodge, nennt 1.284 Qua­drat­ki­lo­me­ter – al­so et­wa die die Hälf­te des Saar­lan­des – sein ei­gen. Dar­auf gra­sen rund 5.000 Rin­der, die heu­te nicht mehr von Cow­boys, die hier Stock­men hei­ßen, son­dern von Hub­schrau­bern zu­sam­men­ge­trie­ben wer­den. Si­mon wuss­te, dass es auf sei­nem rie­si­gen Land ein Ge­wäs­ser gibt und lud ei­nen Freund zum Fi­schen ein. Da­bei ent­deck­ten sie ein Na­tur­wun­der – ei­ne Schlucht mit spek­ta­ku­lä­ren, bis zu 30 Me­ter links und rechts auf­ra­gen­den, bi­zar­ren Fels­for­ma­tio­nen. Heu­te kön­nen Be­su­cher die­se fas­zi­nie­ren­de Schlucht in klei­nen Elek­tro­boo­ten be­wun­dern. Bei die­sen Aus­flü­gen wer­den sie oft neu­gie­rig von harm­lo­sen „Fresh-Wa­ter“-Kro­ko­di­len be­ob­a­chet. AUF DEM WEG ZUR UN­DA­RA LODGE säu­men ro­te Ter­mi­ten­hü­gel die Stra­ße – und lei­der auch vie­le to­te Kän­gu­rus. Es soll kaum ei­nen aus­tra­li­schen Au­to­fah­rer ge­ben, der nicht schon ein­mal mit ei­nem der Beu­tel­tie­re kol­li­diert ist. Un­da­ra, auch ein be­lieb­tes Ziel der „Grey No­mads“, wie hier die durch das Land fah­ren­de und ur­lau­ben­de äl­te­re Be­völ­ke­rung ge­nannt wird, bie­tet als be­son­de­re At­trak­ti­on spek­ta­ku­lä­re La­vah­öh­len im Un­da­ra Vol­ca­nic Na­tio­nal Park. Sie ent­stan­den vor 190.000 Jah­ren bei ei­nem Vul­kan­aus­bruch und gel­ten bis heu­te als ei­nes der größ­ten geo­lo­gi­schen Na­tur­wun­der Aus­tra­li­ens. Noch heu­te ist das Land dünn be­sie­delt, was Na­tur und Tier­welt in ih­rer ur­sprüng­li­chen Form weit­ge­hend er­hal­ten hat. Wahr­schein­lich wür­den auf die­sem Kon­ti­nent noch viel we­ni­ger Men­schen le­ben, wenn nicht im En­g­land des 18. Jahr­hun­derts durch da­mals sehr stren­ge Ge­set­ze die Ka­pa­zi­tät der Ge­fäng­nis­se

1| Der Whi­te­ha­ven Beach gilt auf­grund sei­nes ho­hen Quarz­ge­halts als ei­ner der wei­ßes­ten Strän­de welt­weit. 2| Auf der Ca­pe-York-Halb­in­sel säu­men ro­te Ter­mi­ten­hü­gel die Stra­ße.

1| Traum­haf­ter Son­nen­un­ter­gang am Gol­den Beach der Sunshi­ne Co­ast. 2| Die Ku­ran­da Sce­nic Rail­way führt von Cairns nach Ku­ran­da. Die Fahrt dau­ert knapp zwei St­un­den. 3| Be­geg­nung mit Abori­gi­nes im Ku­ran­da Na­tu­re Park. 4| Der vul­ka­ni­sche Mount Coo­no­wrin wird auch „Croo­kneck“(krum­mes Ge­nick) ge­nannt. 5| Rund um die Moss­man-Schlucht er­streckt sich der Re­gen­wald.

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1| Für Schnorch­ler sind die Koral­len­rif­fe Queens­lands ein Traum. 2| Un­ter­wegs mit dem Boots­tou­ren-An­bie­ter Sai­ling Whits­un­days. 3| Un­ver­gleich­lich: Das Gre­at Bar­ri­er Reef ist das größ­te Koral­len­riff der Er­de.

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1| In ei­nem Sanc­tua­ry in Yep­poon le­ben Koa­las. 2| Beim Über­que­ren der Flüs­se ist Er­fin­der­geist ge­fragt. 3| Ei­ne Höh­le im Spring­brook Na­tio­nal Park.

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