Hei­ra­ten auf Ja­mai­ka

Vom gro­ßen Glück in der Frem­de

Ich Bin - - Inhalt - PIA MAACK

Jah­re­lan­ge Pla­nung, Ca­te­rin­gan­fra­gen, stun­den­lan­ge Fri­seur­be­su­che und wei­ße Tau­ben wol­len wir nicht. Bei der Trau­ung zwei­er Men­schen kommt es doch auf die Lie­ben­den und ih­re Ma­gie des ge­mein­sa­men Le­bens an. Was uns an­geht, ver­brin­gen wir Letz­te­res zu gro­ßen Tei­len da­mit, die Welt zu ent­de­cken. Wir lie­ben es, aus dem All­tag aus­zu­bre­chen, uns Zeit für uns zu neh­men und die Viel­falt der Welt zu ent­de­cken. Rei­sen, so fin­den wir, macht ge­las­sen und glück­lich. Un­se­re Lie­be wol­len wir des­halb auf Rei­sen be­sie­geln.

Ein Le­bens­ge­fühl

Mit der un­kon­ven­tio­nel­len Ent­schei­dung, un­se­re Hoch­zeit zu zweit weit weg von Tra­di­ti­on und Fa­mi­lie auf Ja­mai­ka zu fei­ern, kommt das Un­ver­ständ­nis aus un­se­rem Um­feld. Das ist okay. Vie­le von ih­nen sind kei­ne Rei­sen­den. Viel­leicht Ur­lau­ber, aber kei­ne Rei­sen­den. Und wer nicht reist, der kennt es nicht: Das Krib­beln ei­nes be­vor­ste­hen­den Aben­teu­ers, den Drang aus dem All­tag mit sei­nen Zwän­gen zu flie­hen, den Ho­ri­zont zu er­wei­tern, das Ge­fühl to­ta­ler Ge­las­sen­heit zu emp­fin­den. Je­des Land hat ei­ne Stim­mung, ein Le­bens­ge­fühl. Wer reist, wird schnell süch­tig da­nach. Süch­tig nach dem Spi­rit, den je­des Land sei­nen Wel­ten­bumm­lern mit auf den Weg gibt. Es ist wie ein Ge­schenk für die Rei­sen­den. Die­ses Ge­fühl be­steht aus den Klei­nig­kei­ten des All­tags: Aus Düf­ten, wie dem Ge­ruch des Oze­ans, dem Duft des Wal­des oder ei­nes Ge­richts. Es ist der Ge­schmack ei­nes Ge­tränks oder ei­ner Frucht. Die Luft, die wie ein Schlei­er auf der Haut liegt. Es ist der Wind, der durch die Haa­re saust oder das Ge­fühl von wei­chem Sand zwi­schen den Ze­hen und Salz auf den Lip­pen. Auch Ge­räu­sche ge­hö­ren da­zu: Das

„Be­geg­nun­gen und Be­ob­ach­tun­gen sind es, die im Kopf und im Her­zen blei­ben.“

Hu­pen der Ta­xis, Zwit­schern der Mö­wen, Zir­pen der Gril­len, auf­ge­reg­tes Ge­plap­per ei­ni­ger Ein­hei­mi­schen. Be­geg­nun­gen und Be­ob­ach­tun­gen sind es, die im Kopf und im Her­zen blei­ben; das Ge­bet am Abend, das Schach­spiel auf der Pla­za, die Fahrt mit der Me­tro und der Markt­be­such. Es sind Ge­schich­ten ei­nes Lan­des, ei­ner Kul­tur und de­ren Men­schen, die die Stim­mung auf Rei­sen kon­ser­vie­ren. Auch aus Ja­mai­ka rei­sen wir mit mehr als nur ei­nem Ring am Fin­ger nach Hau­se. Die­se wun­der­ba­re Per­le im ka­ri­bi­schen Meer hat sich in un­ser Herz ge­tanzt, ge­lacht und ge­staunt. Wir ka­men, um dem All­tag zu ent­flie­hen, der uns so oft ver­ges­sen lässt, über den ei­ge­nen Ho­ri­zont zu bli­cken oder im Mo­ment in­ne­zu­hal­ten. Wir wol­len durch­at­men, Aben­teu­er er­le­ben, ei­ne Kul­tur und ih­re Men­schen ken­nen ler­nen, die In­sel ent­de­cken und bar­fuß am Strand „ja“sa­gen.

Grü­ne Oa­se

Wer bei Ta­ges­licht in Ja­mai­ka lan­det, sieht schon von wei­tem das grü­ne Strah­len der In­sel, die von al­len Sei­ten vom Oze­an in ei­nem herr­li­chen Tür­kis um­spielt wird. In die­sem Mo­ment geht un­ser Aben­teu­er­mo­dus an und der All­tag mit sei­nen Auf­ga­ben, Re­geln und Ge­wohn­hei­ten ist im Hin­ter­kopf ver­schwun­den. Ein­mal fes­ten Bo­den un­ter den Fü­ßen, wer­den aus den grü­nen Um­ris­sen Man­gro­ven, Ze­dern, Pal­men, Ba­na­nen, Aloe Ve­ra und Brot­frucht­bäu­me. Zwi­schen den Pflan­zen strah­len bunt an­ge­stri­che­ne Hüt­ten mit ih­ren Be­sit­zern um die Wet­te. In den gel­ben, ro­ten und blau­en Häu­sern, die nicht grö­ßer sind als das durch­schnitt­li­che deut­sche Wohn­zim­mer, ver­kau­fen Ein­hei­mi­sche die Na­tio­nal­spei­se der Ja­mai­ka­ner: Jerk-chi­cken. Da­zu gibt es Red Stri­pe Beer. Und na­tür­lich Gras. Dass die Ras­ta­fa­ris auf Ja­mai­ka je­de Men­ge Jo­ints rau­chen und das da­zu­ge­hö­ri­ge Grün­zeug in rau­en Men­gen an­bau­en, ist kein Ge­heim­nis. Das Gan­ja ge­hört zu der Kul­tur ih­rer Glau­bens­rich­tung. Zu oft wird die­ses Land je­doch auf den Ma­ri­hua­na-kon­sum re­du­ziert.

Für Aben­teu­rer

Für uns Aus­rei­ßer und Aben­teu­rer kann es gar nicht ge­nug Ur­lau­ber ge­ben, die Pau­schal­rei­sen und Bus­tou­ren be­vor­zu­gen. Denn je mehr es gibt, des­to na­tür­li­cher und ur­sprüng­li­cher blei­ben die ver­blei­ben­den Per­len die­ser Welt, die es zu ent­de­cken gilt. So ein Ort ist der Black Ri­ver im Sü­den Ja­mai­kas. An der Süd­küs­te der In­sel liegt an der Mün­dung des Flus­ses Black Ri­ver der gleich­na-

mi­ge Ort. In dem 4 000 Ein­woh­ner Städt­chen freu­en sich die Fi­scher, Gäs­te aus der gan­zen Welt in ihr Boot zu la­den und über den ru­hi­gen Fluss zu fah­ren. Am Ufer taucht im­mer wie­der ein Kro­ko­dil auf, rie­si­ge Bäu­me tür­men sich über dem Was­ser zu ei­ner Al­lee und die un­end­lich schei­nen­de Wei­te ver­sprüht ih­re Ma­gie. Die zwei St­un­den auf dem Was­ser füh­len sich an wie in ei­ner an­de­ren Welt. Es ist ru­hig. Die Zeit scheint ste­hen zu blei­ben. Ein Ort, an dem die Na­tur der Boss ist. Ab und zu fährt ein Far­mer in sei­nem klapp­ri­gen Boot vor­bei und – in ty­pisch ja­mai­ka­ni­scher Ma­nier – strahlt er über das gan­ze Ge­sicht, winkt und ruft: „How are you to­day?“.

Den Men­schen ganz nah

Die Ja­mai­ka­ner mit ih­rer Herz­lich­keit, ih­rer Ge­las­sen­heit und ehr­li­chem In­ter­es­se an uns hat uns um­ge­hau­en. Wie egal Macht, Geld, Bil­dung, Be­sitz und Äu­ßer­lich­kei­ten wer­den, wenn es um den Men­schen als Per­sön­lich­keit geht. Wer wis­sen will, wie ein Land tickt, kann sich nicht mit dem Rei­se­füh­rer zu­frie­den

ge­ben. Die Ge­schich­te ei­ner Na­ti­on, ih­re Re­li­gi­on und Bräu­che ma­chen ih­re Men­schen aus. So spie­len wir wäh­rend ei­nes tro­pi­schen Re­gen­sturms in ei­ner Strand­hüt­te Do­mi­no mit Ein­hei­mi­schen. Wir wol­len al­les über die Re­gi­on und ihr Far­mer­le­ben wis­sen. Sie fra­gen uns zu un­se­ren Be­ru­fen. Wir freun­den uns mit dem Be­sit­zer ei­nes Gu­est Hou­ses an. Er er­zählt uns von ei­nem mys­ti­schen Ort, dem „Se­cret Beach“. Un­se­re Neu­gier ist ge­weckt: Der Weg führt uns über rut­schi­ge Fel­sen, stei­le Ab­hän­ge und durch den Dschun­gel. Als wir an­kom­men, ste­hen wir in ei­ner Bucht, die ei­ner Sa­ge hät­te ent­sprun­gen sein kön­nen: Pal­men, Ba­na­nen und Man­gro­ven wach­sen wild durch­ein­an­der und säu­men den Strand. Moos be­deckt ei­nen al­ten Steg. Wir sind ganz al­lein an die­sem wun­der­voll ma­gi­schen Ort, an dem wir an die­sem Tag mehr als nur die Zeit ver­ges­sen. In die­sem Dorf im we­nig tou­ris­ti­schem Os­ten der Ka­ri­bik­in­sel führ­te uns ei­ne Emp­feh­lung zur „Vi­nyl Night“. Ein­woh­ner tref­fen sich sonn­tags in der Bar, um zu al­ten Reg­gea-songs zu tan­zen. Mit ei­nem Rum in der ei­nen, ei­nem Jo­int in der an­de­ren Hand, wip­pen sie dann mit ge­schlos­se­nen Au­gen vor dem Sch­al­plat­ten­spie­ler und sin­gen text­si­cher mit.

Ma­gi­sche Mo­men­te

Zu all der Ma­gie, die uns Ja­mai­ka schenkt, reiht sich un­ser Hoch­zeits­tag ein. Wir ha­ben ei­ne Un­ter­kunft ge­fun­den, die die For­ma­li­tä­ten über­nimmt. Am Mor­gen sit­zen wir auf dem Bal­kon mit Blick aufs Meer. Wir es­sen fri­sche Me­lo­ne und Ba­na­ne und re­den über die Lie­be und un­se­re Ge­schich­te. Ein vor­freu­di­ges Krib­beln macht sich breit. Nach ein paar Schwimm­zü­gen im küh­len Nass schlüp­fen wir in un­se­re Out­fits. Ein wei­ßer Pa­vil­lon auf den Klip­pen, um­spielt von den Wel­len des Oze­ans, ist der Ort des Ge­sche­hens. Ei­ne Geist­li­che re­det über die Bin­dung zwei­er Men­schen und die ge­mein­sa­me Her­aus­for­de­rung des Le­bens. Wir sa­gen „ja“! Der Wind weht uns durch die Haa­re, wir könn­ten glück­li­cher kaum sein. Ist es ne­ben dem Rei­sen doch die ehr­li­che Lie­be, die ei­nes der wert­volls­ten Ge­schen­ke ist, die das Le­ben für uns hat. Beim Son­nen­un­ter­gang boh­ren wir die Ze­hen in den Sand, la­chen viel und freu­en uns auf al­les, was kommt, auf all’ die gro­ßen und klei­nen Rei­sen, die wir Sei­te an Sei­te ge­hen wer­den. •

„Wer nicht reist, kennt es nicht: Das Krib­beln ei­nes be­vor­ste­hen­den Aben­teu­ers.“

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