Stoppt er das Cha­os im Wei­ßen Haus?

Ex-Ge­ne­ral John F. Kel­ly ist ein knall­har­ter Kon­ser­va­ti­ver. Sol­che Män­ner liebt der Prä­si­dent. Der neue St­abs­chef soll in der zer­strit­te­nen Trump-Trup­pe auf­räu­men – doch er hat ei­ne Schwä­che

Illertisser Zeitung - - Politik - CNN: Ros­sia 24. (dpa, afp)

Ein ehe­ma­li­ger VierS­ter­ne-Ge­ne­ral soll die Cha­os­ta­ge im Wei­ßen Haus be­en­den. US-Prä­si­dent Do­nald Trump setzt John F. Kel­ly an ei­ne der wich­tigs­ten Schalt­stel­len der Macht in den USA. Der Ex-Ma­ri­ne wür­de in Fil­men als klas­sisch har­ter Hund be­setzt – nun löst er den un­glück­li­chen Rein­ce Prie­bus ab. Nach al­lem, was über ihn be­kannt ist, schätzt Kel­ly Zucht und Ord­nung. Wie das mit Trumps Im­pul­si­vi­tät zu­sam­men­pas­sen soll, sei­nem Hang zur Kon­fu­si­on und den Rea­li­ty-TV-ähn­li­chen Po­lit-Rau­fe­rei­en, dürf­te in­ter­es­sant wer­den.

Mit der Er­nen­nung Kel­lys er­reicht der to­ben­de Macht­kampf im Wei­ßen Haus – mal wie­der – ei­nen vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt. Kel­ly sei ein „ech­ter Star“sei­ner Re­gie­rung, ließ Trump sich mehr­fach zi­tie­ren. In der al­ten Zeit, tat­säch­lich al­so vor nur we­ni­gen Jah­ren, wur­den St­abs­chefs in glanz­vol­len Ze­re­mo­ni­en im Wei­ßen Haus ge­kürt. Heu­te rauscht, zack, ein prä­si­dia­ler Tweet mit der Per­so­na­lie durchs Netz. Und der bis­he­ri­ge St­abs­chef steht, buch­stäb­lich, sehr nass und sehr al­lei­ne auf dem Roll­feld ei­nes Flug­ha­fens bei Wa­shing­ton. Trumps Team kehr­te ge­ra­de aus New York in Wa­shing­tons Re­gen zu­rück.

Schon auf Long Is­land hat­te Trump Kel­ly auf­fäl­lig ge­lobt. Der 67-Jäh­ri­ge lei­te­te zu­letzt als ers­ter Nicht-Zi­vi­list das Mi­nis­te­ri­um für Hei­mat­schutz, Home­land Se­cu­ri­ty. Kel­ly ist ein knall­har­ter Kon­ser­va­ti­ver, küm­mert sich um Ein­wan­de­rung und Ter­ror­ab­wehr. Er wird als „Fal­ke der Grenz­si­che­rung“be­schrie­ben. Jahr­zehn­te hat er als Sol­dat ge­dient, wur­de hoch­de­ko­riert. Sei­ne Kamp­f­er­fah­rung könn­te er noch brau­chen.

Prie­bus ist der jüngs­te Ver­lie­rer der mas­si­ven Strei­tig­kei­ten am prä­si­dia­len Ho­fe. Der letz­te ist er si­cher nicht. Als zu­min­dest un­wür­dig be­schrei­ben Weg­be­glei­ter, was ihm am En­de wi­der­fah­ren ist. Un­flä­tig hat­te Trumps neu­er Kom­mu­ni­ka­ti- ons­chef Ant­ho­ny Sca­ra­muc­ci sei­nen Kon­kur­ren­ten Prie­bus be­schimpft. Ei­nem Re­por­ter sag­te er, der St­abs­chef sei ein „fucking pa­ra­no­ider Schi­zo­phre­ner, ein Pa­ra­noi­ac“. Trump hat­te Sca­ra­muc­ci ge­wäh­ren las­sen, Fra­gen da­zu quit­tier­te er mit stil­lem Grin­sen. Wohl­ge­merkt be­rich­tet Sca­ra­muc­ci di­rekt an Trump und nicht, wie üb­lich, an den Stabs- chef. Schwer vor­stell­bar, dass Sol­dat Kel­ly, an sau­be­re Be­fehls­ket­ten ge­wöhnt, das so be­las­sen möch­te.

„Kel­ly wird ei­nen fan­tas­ti­schen Job ma­chen“, ist Trump je­den­falls si­cher. Das fin­det Prie­bus auch, zu­min­dest sag­te er auf Nie­mand kön­ne die­sen Job bes­ser ma­chen als Kel­ly. Für den Re­set-Knopf, um al­les wie­der auf null zu stel­len, sei das auf je­den Fall ein gu­ter, für das Wei­ße Haus nö­ti­ger Mo­ment, sagt er.

Heu­te wird Kel­ly ver­ei­digt, ge­folgt von ei­ner Ka­bi­netts­sit­zung. An­ders als Prie­bus ist er eher als Auf­räu­mer denn als Brü­cken­bau­er be­kannt. Er hat ei­ne be­son­de­re Schwä­che: Son­der­lich ver­netzt ist er in Wa­shing­ton nicht. So lie­ße sich sei­ne Er­nen­nung auch als ein Rück­zug des Wei­ßen Hau­ses auf sich selbst in­ter­pre­tie­ren, auf die har­ten The­men, die bei der Kern­wäh­ler­schaft so gut ver­fan­gen. Nach ei­ner po­li­tisch ex­trem er­folg­lo­sen Wo­che mit ei­ner his­to­ri­schen Nie­der­la­ge beim Rin­gen um ei­ne Ge­sund­heits­re­form im Se­nat könn­te Trump sich den­ken: Soll der Kon­gress doch ma­chen, was er will, ich ma­che hier ein­fach, was geht.

Was in sol­chen Si­tua­tio­nen oft funk­tio­niert, ist, den Feind au­ßer­halb des Lan­des zu su­chen. Und so feu­er­te der Prä­si­dent am Wo­che­n­en­de meh­re­re Breit­sei­ten in Rich­tung Mos­kau und Pe­king ab. Nach dem jüngs­ten nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­test warf er Chi­na – wich­tigs­ter Ver­bün­de­ter von Kim Jong Un – vor, nichts ge­gen die fort­wäh­ren­den Pro­vo­ka­tio­nen Nord­ko­reas zu un­ter­neh­men. „Ich bin sehr ent­täuscht von Chi­na“, twit­ter­te Trump am Sams­tag. Au­ßer­dem kün­dig­te er an, das Ge­setz für die ver­schärf­ten neu­en Russ­land-Sank­tio­nen zu un­ter­zeich­nen. Ges­tern folg­te be­reits der Kon­ter: Der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin for­der­te 755 USDi­plo­ma­ten zur Aus­rei­se auf. Die US-Ver­tre­ter müss­ten „ih­re Ak­ti­vi­tä­ten in Russ­land ein­stel­len“und das Land ver­las­sen, sag­te Pu­tin in ei­nem In­ter­view mit dem Sen­der

Der Schritt ist ei­ne di­rek­te Re­ak­ti­on des Kreml-Chef auf den Sank­ti­ons­be­schluss des US-Kon­gres­ses.

755 US Di­plo­ma­ten aus Russ­land aus­ge­wie­sen

Fo­to: Alex Edel­mann, Im­a­go

Frü­he­rer Vier Ster­ne Ge­ne­ral mit har­ter Hand: John F. Kel­ly über­nimmt den ein­fluss rei­chen Pos­ten des St­abs­chefs.

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