KI­NO Sehn­sucht nach Ober­flä­che

Tief­gang, Amü­se­ment und Gen­re

In München - - INHALT -

Ka­ta­stro­phe! Max (Je­an-Pier­re Ba­cri) ist seit 30 Jah­ren Hoch­zeits­pla­ner. All­mäh­lich hat er ge­nug. Und das liegt nicht nur am Stress mit Ehe­frau und Ge­lieb­ter. In ei­nem Châ­teau aus dem 17. Jahr­hun­dert soll er ei­ne per­fek­te Hoch­zeit aus­rich­ten. Es strei­ten aber sei­ne As­sis­ten­tin (Eye Hai­da­ra) und der en­ga­gier­te Sän­ger (Gil­les Lell­ou­che). Es zi­cken der Fo­to­graf und Max‘ Sch­wa­ger, der in der Braut sei­ne Ex er­kennt. Der Bräu­ti­gam ziert sich. Ei­ne Le­bens­mit­tel­ver­gif­tung setzt die Ser­vice­kräf­te au­ßer Ge­fecht usw. usw. Das Le­ben ist ein Fest ist ei­ne hin­rei­ßend sou­ve­rän ge­film­te Ko­mö­die von Oli­vier Na­ka­che und Eric To­le­da­no. Die kennt Ihr nicht?! Das sind die Re­gis­seu­re von „Ziem­lich bes­te Freun­de“und „Heu­te bin ich Sam­ba“. Drei Mil­lio­nen Zu­schau­er ge­ra­de in Frank­reich. Voi­là! (Ab 1.2.)

Wun­der­kind. Ma­ria The­re­sia Pa­ra­dis (1759 bis 1824) war ei­ne Zeit­ge­nos­sin von Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart, hat ein um­fang­rei­ches Werk hin­ter­las­sen und wur­de, als ihr Ta­lent er­kannt war, von ih­rer ehr­gei­zi­gen und ge­schäfts­tüch­ti­gen Ma­ma (Kat­ja Kolm) durch ganz Eu­ro­pa ge­hetzt. Nun war das Mä­del aber blind und spiel­te mit vol­lem Kör­per­ein­satz. Was der Ma­ma nicht recht war. Wes­halb sie das Kind für ei­ni­ge Zeit in die Hän­de des Wun­der­dok­tors Franz An­ton Mes­mer gab. Der gibt ihr ih­re Seh­kraft wie­der, zu­gleich aber droht sich ih­re mu­si­ka­li­sche Be­ga­bung zu ver­lie­ren. Bar­ba­ra Al­berts fünf­ter Spiel­film Licht ist ein fas­zi­nie­ren­des Künst­le­rin­nen-Bio­pic, zu­gleich ei­ne au­gen­zwin­kern­de Ro­ko­ko-Co­m­ing-ofA­ge-Ge­schich­te. Nach dem Ro­man „Am An­fang war die Nacht Mu­sik“von Alis­sa Wal­ser. Toll ge­spielt von Ma­ria Dra­gus. Sehr fein! (Pre­mie­re am 1.2. im Are­na mit Bar­ba­ra Al­bert)

Aus den Fu­gen. Lon­don 1955. Da­men­schnei­der Reynolds Wood­cock (Da­ni­el Day-Le­wis) ist ei­ne Be­rühmt­heit in der High-So­cie­ty. Film­stars, Ad­li­ge, De­bü­tan­tin­nen, al­le rei­ßen sich um sei­ne Mo­del­le. Zu­sam­men mit sei­ner Schwes­ter (Les­ley Man­wil­le) be­treibt er das „Hou­se of Wood­cock“. In Lie­bes­din­gen ist Reynolds we­ni­ger be­gabt, er hat nur Af­fä­ren. Bis Al­ma (Vi­cky Krieps) auf den Plan tritt, ei­ne un­be­fan­ge­ne, wil­lens­star­ke jun­ge Frau. Es ist Lie­be auf den ers­ten Blick. Sie in­spi­riert ihn. Sie ist wi­der­spens­tig. Sie lässt sich nicht kon­trol­lie­ren. Und Reynolds kann es nicht er­tra­gen, ei­ne gleich­be­rech­tig­te Part­ne­rin an der Sei­te zu ha­ben. Der sei­de­ne Fa­den ist ein meis­ter­haf­tes Lie­bes­dra­ma von Paul Tho­mas An­der­son. Stark! (Ab 1.2.)

Ein bes­se­res Le­ben. Er­träumt sich Mi­guel (Patri­cio Wood) in Ha­van­na. Er schlägt sich als Tel­ler­wä­scher durch, lernt Eng­lisch und hofft auf ein Vi­sum für die USA. Er teilt sich ei­ne her­un­ter­ge­kom­me­ne Woh­nung mit Die­go (Jor­ge Mar­tí­nez). Der ist zwar AIDS-krank und ans Bett ge­fes­selt, aber vol­ler Le­bens­freu­de. Ei­nes Ta­ges taucht Die­gos 15-jäh­ri­ge Nich­te Yu­si auf. Und bit­tet um Asyl für sich und ih­ren Lo­ver, weil sie ih­re Mut­ter raus­ge­schmis­sen hat. Letz­te Ta­ge in Ha­van­na ist der neue Film von Fer­nan­do Pé­rez („Das Le­ben, ein Pfei­fen“, 1999), ei­ne kam­mer­spiel­ar­ti­ge Tra­gi­ko­mö­die, wun­der­bar bei­läu­fig vor dem Hin­ter­grund des ku­ba­ni­schen All­tags er­zählt. (Ab 25.1.)

Räu­ber­höh­le, „Den of Thie­ves“, heißt Cri­mi­nal Squad von Chris­ti­an Gu­de­gast im Ori­gi­nal. Ray Mer­ri­man (Pa­blo Schrei­ber) hat ge­ra­de Pech mit sei­ner Ban­de. Beim Über­fall auf ei­nen – lee­ren (!) – Geld­trans­por­ter kom­men ei­nen Gangs­ter und ein Po­li­zist ums Le­ben. Al­so ha­ben sie jetzt ei­ne Spe­zi­al­ein­heit der L.A. Po­li­ce auf dem Hals. De­ren Chef Nick Fla­na­gan (Ge­rald But­ler) ist vom glei­chen Ka­li­ber. Mer­ri­man plant den ganz gro­ßen Coup. Ei­nen Über­fall auf die Fe­deral Re­ser­ve Bank. Fla­na­gan nutzt Mer­ri­mans Fah­rer Don­nie (O’Shea Jack­son) als Maul­wurf. Fragt sich, wer wann wem ei­nen Schritt vor­aus ist. Sehr un­ter­halt­sam! (Ab 1.2.)

Vi­sio­nen! Tom­my Wi­seau (Ja­mes Fran­co) und Greg Ses­te­ro (Da­ve Fran­co) ler­nen sich auf der Schau­spiel­schu­le ken­nen. Es treibt sie nach Hol­ly­wood. Tom­my schreibt ein Dreh­buch, kauft ein kom­plet­tes Fil­me­quip­ment und heu­ert ei­ne Cr­ew an. Er ver­steht zwar nicht das Ge­rings­te vom Fil­me­ma­chen, aber es geht los, mit Tom­my als Au­tor, Re­gis­seur, Pro­du­zent und Haupt­dar­stel­ler. Su­per­vi­sor San­dy Sch­klair (Seth Ro­gen) ringt die Hän­de. Her­aus kommt mit „The Room“(2003) ein sa­gen­haft schlech­ter Film, der schon des­halb Kult ist. Ja­mes Fran­cos The Di­sas­ter Ar­tist ist ei­ne höchst un­ter­halt­sa­me, ja lie­be­vol­le Hom­mage an den ziem­lich durch­ge­knall­ten Tom­my Wi­seau. Klas­se Ko­mö­die! Ach­tung: Ab­spann nicht ver­pas­sen! (Ab 1.2.)

Un­ter Brü­dern. Ri­cky (Mo­ritz Bleib­treu) hat bei ei­nem miss­lun­ge­nen Über­fall für Ra­fa­el (Edin Ha­s­a­no­vic) und sei­nen Freund (La­tif Ki­da Kho­dr Ra­ma­dan) den Kopf hin­ge­hal­ten. Ist ein­ge­fah­ren. Jetzt ist er wie­der drau­ßen, will sich ein schö­nes Le­ben im Sü­den ma­chen, braucht da­zu aber Start­ka­pi­tal. La­tif weiß, was zu tun ist. Sie wol­len ei­ne Al­ba­ner-Gang um 2,5 Ki­lo He­ro­in er­leich­tern. Klappt nicht ganz, wie ge­dacht. Strei­fen­po­li­zis­tin Dia­na (Bir­git Mi­nich­mayr) schnappt sich die Beu­te, braucht drin­gend selbst Geld für ihr herz­kran­kes Kind. Und die Al­ba­ner ste­hen bei Ri­cky vor der Tür und wol­len ihr He­ro­in zu­rück … Nur Gott kann mich rich­ten ist ein Gen­re-Thril­ler von Öz­gur Yil­di­rim. Im Frank­fur­ter Mi­lieu, nicht im­mer rund. Aber mit Ehr­geiz und An­spruch und drei Schau­spie­lern, die sich rich­tig ins Zeug le­gen. (Ab 25.1.)

Outs­ider. Aug­gie (Ja­cob Trem­blay) ist 10, ein klu­ger, her­zens­gu­ter, groß­zü­gi­ger Jun­ge – we­gen ei­nes sel­te­nen Gen­de­fekts aber hat er ein ent­stell­tes Ge­sicht. Sei­ne El­tern (Ju­lia Ro­berts und Owen Wil­son) ste­hen zu ihm. Sei­ne äl­te­re Schwes­ter Oli­via (Iz­a­be­la Vi­do­vic) fühlt sich mit­un­ter arg ver­nach­läs­sigt. Bis­her hat ihn sei­ne Mut­ter zu­hau­se un­ter­rich­tet. Jetzt aber soll Aug­gie in ei­ne nor­ma­le Schu­le ge­hen. Wird dort prompt ge­mobbt, fin­det aber in Jack (Noah Ju­pe) ei­nen ers­ten Freund. Der ihn ei­nes Ta­ges dann doch ver­rät. Wun­der von Ste­phen Ch­bo­s­ky, nach dem Best­sel­ler von R. J. Pa­la­cio, ist ein be­rüh­ren­des Feel-Good-Mo­vie mit mär­chen­haf­ten Zü­gen. Be­son­ders wert­voll, ver­steht sich. (Ab 25.1.)

Dys­to­pie. Franck (RP Kahl) treibt sich 2019 in Ka­li­for­ni­en her­um. Folgt den Orts­an­ga­ben in den eben er­schie­ne­nen Me­moi­ren von Ross Sin­clair, die nie­mand an­de­rer sein kann als sei­ne Ex-Freun­din Ma­rie. Da­bei trifft er auf die Edel­pro­sti­tu­ier­te Ni­na (Ava Ver­ne) und de­ren Kol­le­gin (Le­na Mor­ris), die sei­ner Ex aufs Haar gleicht. A Thought of Ecs­ta­sy, der neue Ero­tikthril­ler von RP Kahl, ist

zu­gleich ei­ne Hom­mage das Ki­no, von An­to­nio­ni bis Lynch. (Ab 25.1., Re­gie­ge­spräch am Mo 29.1., im Mo­no­pol).

Äu­ßerst töd­lich! Ist die Letz­te Stadt, das von der mäch­ti­gen Or­ga­ni­sa­ti­on WCKD kon­trol­lier­te La­by­rinth, in das Tho­mas (Dy­lan O’Bri­en) not­ge­drun­gen sei­ne Mit­strei­ter führt, um die Freun­de zu ret­ten, die dem WCKD-An­füh­rer Jan­son (Ai­dan Gil­len) in die Hän­de ge­fal­len sind. Ma­ze Run­ner – Die Au­ser­wähl­ten in der To­des­zo­ne, Re­gie Wes Ball, ist das gro­ße Fi­na­le in der „Ma­ze Run­ner“-Sa­ga. (Ab 1.2.)

Sla­ve to the Rhythm. Be­ver­ly Gra­ce Jo­nes ist ei­ne ech­te Pop-Iko­ne, nicht erst seit ih­rem ver­füh­re­ri­schen Auf­tritt in „Ja­mes Bond 007 – Im An­ge­sicht des To­des“. Tol­le Bei­ne, ex­zen­tri­sche, bar­bu­si­ge Auf­trit­te, un­ver­gess­li­che Dis­coAl­ben schon in den 1970ern. In­zwi­schen ist sie knap­pe 70. So­phie Fi­en­nes, Schwes­ter von Jo­seph und Ralph, macht im­mer wie­der tol­le Do­kus aus rein per­sön­li­chem In­ter­es­se. Gra­ce Jo­nes: Blood­light and Ba­mi ist ein zu­ge­neig­ter, schö­ner Por­trät­film, für den sie Gra­ce Jo­nes über zehn Jah­re im­mer mal wie­der auf und hin­ter der Büh­ne und in to­tal pri­va­ten Le­bens­si­tua­tio­nen ge­filmt hat. Der Ti­tel üb­ri­gens be­zieht sich auf die ro­te Lam­pe im Ton­stu­dio und ei­ne Brot­sor­te in Ja­mai­ka. (Ab 25.1.)

One-Wo­man-Show. An­ne Clark ist ei­ne bri­ti­sche Post-Punk-Iko­ne, Mu­si­ke­rin, Sän­ge­rin, Dich­te­rin … „Our Dar­kness“und „Slee­per in Me­tro­po­lis“wa­ren, in den 1980ern, mal be­kann­te Songs. Jetzt ist sie 57, und er­zählt dem deut­schen Do­ku­men­tar­fil­mer Claus Wi­thopf, der sie fast zehn Jah­re lang im­mer wie­der be­sucht und bei Auf­trit­ten be­glei­tet hat, aus ih­rem reich be­weg­ten Le­ben. An­ne Clark – I’ll Walk Out In­to To­mor­row heißt der Por­trät­film für die Fans. (Ab 25.1.)

Von we­gen Blocks­berg. Die klei­ne He­xe (Ka­ro­li­ne Her­furth) wür­de halt so gern bei der Wal­pur­gis­nacht mit­ma­chen. Ist aber mit ih­ren 127 noch viel zu jung. Wird ent­deckt. Muss ganz schnell das ge­sam­te Zau­ber­buch aus­wen­dig ler­nen … und merkt, dass sie gar kei­ne bö­se, son­dern viel lie­ber ei­ne gu­te He­xe sein will. Micha­el Schae­rer hat Ot­fried Preuß­lers wun­der­ba­res Kin­der­buch Die klei­ne He­xe kon­ge­ni­al ver­filmt. (Ab 1.2.) UND AUSSERDEM: (sie­he auch Film ABC)

Schau­spie­le­rin Young-Hee be­en­det ei­ne Af­fä­re mit ei­nem ver­hei­ra­te­ten Mann. In Ham­burg, fern von Seo­ul, nimmt sie sich ei­ne Aus­zeit und denkt über ihr Le­ben nach. Zu­rück in Ko­rea, hat sie ein be­lang­lo­ses Tref­fen mit al­ten Freun­den, sie flüch­tet an den Strand … On the Beach at Night Alo­ne ist ein Dra­ma des viel ge­rühm­ten süd­ko­rea­ni­schen Re­gis­seurs Hong Sang-Soo. (Werk­statt­ki­no, ab 25.1.)

Die deut­sche Ärz­tin Mar­ti­na (Ca­trin Strie­beck) ar­bei­tet im Nord-Irak. Fährt über die Gren­ze nach Sy­ri­en, um ei­ne ver­letz­te Kämp­fe­rin der kur­di­schen Un­ter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­sor­gen. Wird von ei­nem Stamm, der dem IS zu­ar­bei­tet, ent­führt. Dann kommt der BND ins Spiel … Das Mi­lan Pro­to­koll heißt das Ent­füh­rungs­dra­ma von Pe­ter Ott. (Werk­statt­ki­no, Fr 26. bis Mo 29.1.)

Be­din­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men! Für sei­ne The­men­do­ku Free Lunch So­cie­ty hat Chris­ti­an Tod die Welt be­reist. (Mo­no­pol, mit Gespräch, am 1.2.)

Ma­ler Fred­dy ver­liert den Bo­den un­ter den Fü­ßen, als sich sein ima­gi­nä­rer Dop­pel­gän­ger aus Kind­heits­ta­gen zu­rück­mel­det und in sein Le­ben mischt. Ti­ni Tüll­manns Fred­dy Ed­dy ist lu­pen­rei­nes In­die-Ki­no, ein Psy­cho-Thril­ler, der u.a. auf dem Snow­dance 2017 hef­tig ge­fei­ert wur­de. (Ab 1.2.)

Trau­ma­ta. Hor­a­cia (Cha­ro San­tosCon­cio) saß 30 Jah­re lang we­gen Mor­des im Ge­fäng­nis. Als Be­wei­se für ih­re Un­schuld, und die Schuld ih­res Lieb­ha­bers, auf­tau­chen, wird sie ent­las­sen. Sie ver­sucht, sich an ih­rem Ex (Micha­el De Me­sa), ei­nem rei­chen Mann zu rä­chen. Im Schat­ten sei­nes An­we­sens ver­bringt sie Ta­ge und Näch­te, lernt ei­nen Ob­dach­lo­sen, ei­nen Stra­ßen­händ­ler, ei­ne trans­se­xu­el­le Pro­sti­tu­ier­te ken­nen. The Wo­man Who Left ist ein Film des phil­ip­pi­ni­schen Re­gis­seurs Lav Diaz. (Werk­statt­ki­no, nur So 4.2.)

Som­mer. Fran­kie hängt mit sei­nen Kum­peln am Strand auf Co­ney Is­land her­um. Hat ein Tech­tel­mech­tel mit Si­mo­ne. Und chat­tet nachts auf ei­nem schwu­len Por­tal. Trifft sich schließ­lich mit Män­nern aus dem Netz. Beach Rats ist ein Co­m­ing-of-Age-Dra­ma von Eliza Hitt­man. (Werk­statt­ki­no, Fr 2.2. bis Mo 5.2.)

Nicht im­mer wahr: DAS LE­BEN IST EIN FEST

Lie­ber blind: LICHT

Ne­ben der Spur: THE DI­SAS­TER AR­TIST

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