Sa­ti­red of Man­kind

In München - - LITERATUR -

Der schwar­ze Rit­ter. Ver­stellt Kö­nig Ar­tus den Weg zum Hei­li­gen Gral, ei­ner ge­fühl­ten mit­tel­al­ter­li­chen Tup­per­ware zur ge­ruchs­neu­tra­len Auf­be­wah­rung gam­meln­der Re­li­qui­en. Nach zwei­ma­li­gem „No­ne shall pass!“greift Ar­tus zum vor­letz­ten Mit­tel: „I com­mand you as King Ar­thur, King of the Bri­tons, to stand asi­de.” „I mo­ve for no man.” Im Schwert­du­ell er­leich­tert Ar­tus den un­be­sieg­ba­ren schwar­zen Rit­ter um Ar­me und Bei­ne. Der fühlt sich kei­nes­wegs be­siegt: „All right, we’ll call it a draw.“Als fucking Queen Mum al­ler Sa­ti­ren führt Gul­li­vers Rei­sen auf di­rek­tem Um­weg zu Mon­ty Py­thon, dem schwarz­hu­mo­ri­gen Rit­ter der Sa­ti­re. Exo­ti­sche Be­geg­nun­gen als Mit­tel, die Nor­ma­li­tät und Le­gi­ti­mi­tät der ei­ge­nen Kul­tur zu un­ter­fall­tü­ren. Gul­li­ver fühlt sich wie­der­holt ge­nö­tigt, die In­tel­li­genz und Fort­schritt­lich­keit der Men­schen zu be­wei­sen, und ver­sucht dies mit ei­nem be­herz­ten Sprung in den größ­ten Fett­pool. Nach Gul­li­vers Be­richt „von Krie­gen, von rei­chen Leu­ten, die auf Kos­ten der Ar­men le­ben, von be­stech­li­chen Rich­tern und Be­am­ten“schnö­det der Rie­sen­kö­nig, dass Gul­li­vers Volk nicht wirk­lich ver­eh­rungs­wür­dig sei. Al­so er­zählt ihm Gul­li­ver, ver­zwei­felt nach ei­nem Be­weis mensch­li­cher Grö­ße su­chend, voll in­brüns­ti­ger Igno­ranz von Schieß­pul­ver und Ka­no­nen. „Schweig!“, sagt der Kö­nig. „Wie kann ei­ner nur so gleich­gül­tig von den un­mensch­lichs­ten Zer­stö­run­gen spre­chen? Ein Volk, das sich sol­che höl­li­schen Ma­schi­nen aus­denkt, muss das wi­der­wär­tigs­te, dümms­te und ver­kom­mens­te Volk der Welt sein.“Heu­re­ka­lu­ja! Die­ses Hör­spiel macht ernst mit Jo­na­than Swifts 1726erSa­ti­re, die über die Jahr­hun­der­te ver­stüm­melt, ent­spot­tet, dis­ney­siert wur­de. Be­stückt mit fan­tas­ti­schen Spre­chern nutzt es obend­rein sehr ge­schickt die Vor­tei­le des Gen­res. Der Grö­ßen­un­ter­schied zwi­schen Gul­li­ver und den Rie­sen und zwi­schen Gul­li­ver und den Lili­puts au­ra­li­siert das Hör­spiel, in­dem es Gul­li­ver bei den Ge­sprä­chen ein­mal schrei­en lässt und ein­mal ganz lei­se wer­den lässt, weil er die Rie­sen mit sei­nem Mi­nior­gan kaum er­reicht, wäh­rend die für ihn nor­ma­le Laut­stär­ke auf Lili­puts wirkt wie ein Me­ga­phon am Ohr. Auch schön: das Plät­schern, als Gul­li­ver das Feu­er im kai­ser­li­chen Pa­last der Win­zis mit sei­nem Bla­sen­con­tent löscht. Ein­fach rie­sig, wie hier Swifts Ge­nie in die Ge­gen­wart ge­ret­tet wird. Jon­ny Rie­der Jo­na­than Swift: Gul­li­vers Rei­sen. Re­gie: Wal­ter Wip­pers­berg; Stim­men: Gisela Fritsch, Hel­mut Krauss, Fried­helm Ptok u. a.; 2 CD, ca. 2 Std., SFB 1985, www.der-au­dio-ver­lag.de

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