FRISCH GE­PRESST / MEI­NE PLAT­TE

In München - - INHALT - Micha­el Sai­ler

1968. Ein nor­ma­ler Beat­les-Ja­nu­ar, der sechs­te: „Hel­lo Good­bye“führt die UKCharts an, die Band er­öff­net die Zen­tra­le ih­res App­le-Kon­zerns in Ma­ry­le­bo­ne. 12 Mo­na­te spä­ter wer­den fast al­le exis­tie­ren­den Ehen, Part­ner­schaf­ten und die Band selbst ge­schie­den, ge­schei­tert, ge­platzt sein. Ti­cker: Im Ja­nu­ar neh­men die Beat­les „La­dy Ma­don­na“und Songs für ein Al­bum mit dem Ar­beits­ti­tel „Get Back“auf. Am 16. Fe­bru­ar flie­gen John und Ge­or­ge nach In­di­en, um Ma­ha­ri­shi Ma­hesh zu be­su­chen, Rin­go und Paul fol­gen. Der bär­ti­ge Gu­ru schenkt Ge­or­ge zum 25. ei­ne Welt­kar­te aus Plastik. Der­weil wird un­ter Fan­pro­tes­ten der Li­ver­poo­ler Ca­vern-Club ge­schlos­sen. Rin­go kehrt als ers­ter zu­rück, um mit Eliz­a­beth Tay­lor und Richard Burton die Pre­mie­re von „In 80 Ta­gen um die Welt“zu fei­ern, Paul und Ja­ne As­her 14 Ta­ge spä­ter, als „La­dy Ma­don­na“Platz eins er­reicht. Am 12. April sind al­le wie­der in London, ent­täuscht vom Gu­ru, der an­geb­lich Mia Far­row be­grapscht hat. Am 30. Mai be­gin­nen im Ab­bey-RoadStu­dio 2 die Auf­nah­men für ein un­be­ti­tel­tes Al­bum mit dem pro­gram­ma­ti­schen Song „Re­vo­lu­ti­on“(1 und 9). Gast im Stu­dio ist ein neu­es Ge­sicht: Yo­ko Ono. Die Ar­beit ge­stal­tet sich schwie­rig, weil al­le vier mit ei­nem Berg Songs an­kom­men und von Pro­du­zent Ge­or­ge Mar­tin ver­lan­gen, je­der ein­zel­ne müs­se ver­öf­fent­licht wer­den. So­gar Rin­go hat Sa­chen da­bei, von de­nen aber nur „This Is So­me Fri­end­ly“als „Don’t Pass Me By“aufs Al­bum kommt. Erst­mals sind Gast­mu­si­ker wie Eric Clap­ton (auf „Whi­le My Gui­tar Gent­ly Weeps“) da­bei, erst­mals singt ei­ne Frau (Yo­ko Ono auf „The Con­ti­nuing Sto­ry Of Bun­ga­low Bill“), erst­mals neh­men al­le ge­trennt von­ein­an­der auf, teil­wei­se oh­ne die an­de­ren zu in­for­mie­ren, in drei Stu­di­os gleich­zei­tig. An­fang Au­gust er­wischt Rin­go Paul beim Schlag­zeug­spie­len und er­klärt sei­nen so­for­ti­gen Aus­stieg. Das stört nicht son­der­lich. Oh­ne­hin wa­ren Rin­go und Ge­or­ge schon An­fang Ju­ni ei­ne Wo­che fern­ge­blie­ben, um in den USA für Ra­vi Shan­kars Film „Ra­ga“vor der Ka­me­ra zu ste­hen. Als die aus­tra­li­sche BBC am 11. Ju­ni die Auf­nah­men filmt, ist nur Paul da und nimmt „Black­bird“auf. Ver­sio­nen von „Hel­ter Skel­ter“. Am 13. Ok­to­ber spielt John „Julia“als 32. und letz­ten Song ein, der Mix zieht sich noch Ta­ge hin. Wäh­rend­des­sen ent­steht gleich noch die Mu­sik zu „Yel­low Sub­ma­ri­ne“. Am 18. Ok­to­ber wer­den John und Yo­ko we­gen Dro­gen ver­haf­tet und tags dar­auf auf Kau­ti­on ent­las­sen. Zwei Ta­ge nach der An­kün­di­gung, sein Kind kom­me im Fe­bru­ar zur Welt, ist John ge­schie­den; am 31. Ok­to­ber zieht Lin­da East­man mit Toch­ter bei Paul ein. Im Queen Char­lot­te’s Ho­s­pi­tal, wo John auf dem Bo­den über­nach­tet, „pro­du­zie­ren“Yo­ko und er „Un­fi­nis­hed Mu­sic No.1 – Two Virg­ins“, das am 11. No­vem­ber er­scheint. Zehn Ta­ge spä­ter nimmt John die letz­ten Herz­tö­ne sei­nes ster­ben­den Sohns auf. Kaum je­mand kriegt mit, dass Rin­go und Ge­or­ge ei­ge­ne Mu­sik­ver­la­ge grün­den. „The Beat­les“kommt am 22. Ok­to­ber 1968 in die Lä­den, mit 30 Tracks das ers­te und bis heu­te DAS klas­si­sche Dop­pel­al­bum der Pop­ge­schich­te. Jetzt: um­fasst es 107 Tracks auf sechs CDs und ist viel­leicht das ein­zi­ge Al­bum, das durch den De­lu­xe-Wahn kei­nen Deut we­ni­ger gran­di­os wird, son­dern eher ein noch treff­li­che­res Ab­bild je­ner wil­den, wir­ren Zei­ten bie­tet (eben­so wie das bei­ge­leg­te Pos­ter, das ger­ne Qua­drat­ki­lo­me­ter­for­mat ha­ben dürf­te).

The Beat­les Su­per De­lu­xe Edi­ti­on (App­le/EMI

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