LITERATURFEST

Ret­tet gu­te Li­te­ra­tur Eu­ro­pa?

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Es ist ein hei­te­res Fest – mit ei­ner erns­ten Gr­und­no­te. Un­ter das Mot­to „Schö­nes Ba­bel. Eu­ro­päi­sche Lek­tü­ren“hat der Schrift­stel­ler Jan Wa­gner, Büch­ner-Preis­trä­ger und dies­jäh­ri­ger Ku­ra­tor der fo­rum:au­to­ren-Rei­he auf dem Münch­ner Literaturfest, das Fes­ti­val ge­stellt und wirft da­mit Fra­gen nach dem An­spruch, den Heil­kräf­ten und der Ma­gie der Kul­tur auf.

„Jan Wa­gner wid­met sich zwei wich­ti­gen Fra­gen“, sagt der schei­den­de Kul­tur­re­fe­rent Han­sGe­org Küp­pers. „Wie stark ist die eu­ro­päi­sche Idee? Und wel­che Fra­ge stellt die Spra­che da­bei?“Rund um das zer­brech­li­che Eu­ro­pa lässt der bes­tens ver­netz­te Li­te­rat die von ihm ge­la­de­nen Au­to­ren krei­sen – und möch­te da­bei na­tür­lich Ver­bin­den­des fin­den.

„Eu­ro­pa brennt uns auf den Nä­geln, die Wei­chen für die Zu­kunft un­se­res Kon­ti­nents wer­den jetzt ge­stellt“, sagt Tan­ja Graf, Ge­schäfts­füh­re­rin des Li­te­ra­tur­fests vom 14. No­vem­ber bis 2. De­zem­ber und im Haupt­be­ruf be­kannt­lich Lei­te­rin des Li­te­ra­tur­hau­ses, wo vie­le Ver­an­stal­tun­gen gas­tie­ren wer­den. „Ge­nau der rich­ti­ge Zeit­punkt um auf dem Literaturfest Mün­chen die sprach­li­che und li­te­ra­ri­sche Viel­falt Eu­ro­pas zu fei­ern“, sagt sie.

Über 80 Au­to­ren kom­men an die Isar – zu den drei gro­ßen Rei­hen fo­rum:au­to­ren, dem Fest­pro­gramm im Li­te­ra­tur­haus und zur tra­di­tio­nel­len Münch­ner Bü­cher­schau im Ga­s­teig, wo sich die vie­len Ver­la­ge prä­sen­tie­ren und die ganz gro­ßen Na­men die Sä­le fül­len. Un­ter den dies­jäh­ri­gen Gäs­ten fin­den sich un­ter an­de­rem die ak­tu­el­le Frie­dens­preis-des-Buch­han­delsP­reis­trä­ge­rin Alei­da und Jan Ass­mann, Ma­ría Ce­ci­lia Bar­bet­ta („Nacht­leuch­ten“), Ma­xim Bil­ler und Ni­no Ha­ra­ti­schwi­li, der chi­ne­si­sche Frie­dens­preis-Trä­ger Liao Yi­wu, der stimm­ge­wal­ti­ge Schot­te John Burn­si­de, die Spa­nie­rin Al­mu­de­na Gran­des, A.L. Ken­ne­dy und Ed­ward St Au­byn, der Schwei­zer Adolf Muschg, der pol­ni­sche Ly­ri­ker Adam Za­ga­je­w­ski so­wie aus Deutsch­land Ame­lie Fried, Dör­te Han­sen, Na­vid Ker­ma­ni, Micha­el Krü­ger, Ha­rald Lesch und Groß­meis­ter Mar­tin Wal­ser. Aber na­tür­lich ist auch für Kin­der- und Ju­gend­buch­freun­de und für den Le­se­rat­ten­nach­wuchs bes­tens ge­sorgt.

Auf der tra­di­ti­ons­rei­chen Bü­cher­schau im Ga­s­teig nimmt der Rück­blick auf die 68er-Jah­re in die­sem Jahr ei­nen gro­ßen Platz ein – un­ter an­de­rem mit Gret­chen Dutsch­ke und der um­fas­sen­den Schau des Po­li­tik­wis­sen­schaft­lers Wolf­gang Kraus­haar un­ter dem Ti­tel „1968: Wor­auf wir stolz sein dür­fen“. Al­ler­dings darf hier auch Po­pu­lä­res wie ein Auf­tritt des „Tatort“-Kom­mis­sars Mi­ro Ne­mec mit sei­nem neu­en Kroa­ti­en-Kri­mi und vom nor­we­gi­schen Best­sel­ler-Schau­er­schrei­ber Jo Nes­bø mit „Mac­beth. Blut wird mit Blut be­zahlt“nicht feh­len.

Hö­he­punk­te in der her­aus­for­dern­den Pro­gramm­fül­le, bei der nur ein Blick ins über­sicht­lich ge­lis­te­te „in Mün­chen“-Pro­gramm hilft, sind – wie üb­lich – die Ver­lei­hung des Ge­schwis­ter-Scholl-Prei­ses – dies­mal an den His­to­ri­ker Götz Aly – so­wie der Fern­seh­preis Li­ter­aVi­si­on, der bei­spiel­haf­te Sen­dun­gen über Bü­cher und ih­re Schrei­ber aus­zeich­nen soll.

Der dies­jäh­ri­ge „Preis für ei­nen Baye­ri­schen Klein­ver­lag“geht an das Bü­ro Wil­helm aus Am­berg. Dort er­schei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­che Buch­pro­jek­te aus den Be­rei­chen Ar­chi­tek­tur, Kunst, Fo­to­gra­fie und Li­te­ra­tur. „Das Ver­lags­kon­zept setzt auf das Be­son­de­re, Auf­fal­len­de und künst­le­risch In­ter­es­san­te“, heißt es in der Be­grün­dung für die Ent­schei­dung, das Team rund um die drei Ver­le­ger Gerhard Wil­helm Schmidt-Schö­nen­berg, Man­fred Wil­helm und Wil­helm Koch aus­zu­zeich­nen. Und sol­che schö­nen Wor­te könn­te gleich auch für das ge­sam­te Fest gel­ten.

Sorgt sich um den Zu­sam­men­halt: JAN WA­GNER

Leuch­tet nicht nur nachts: MA­RÍA CE­CI­LIA BAR­BET­TA

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