Wäh­ler­vo­tum ernst neh­men

Ipf- und Jagst-Zeitung - - LESERBRIEFE -

Zum Ar­ti­kel „Ja­mai­ka-Ge­sprä­che ge­hen in den End­spurt“(13.11.):

Be­reits nach den ers­ten Son­die­rungs­ge­sprä­chen wird von nicht we­ni­gen Ab­ge­ord­ne­ten an­ge­sichts schwie­ri­ger Ver­hand­lun­gen schon jetzt der Worst Ca­se be­schrie­ben, sprich: Neu­wah­len. Dies ist schlicht ei­ne Ge­ring­schät­zung des Vo­tums un­ge­fähr 46,5 Mil­lio­nen ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Wäh­ler. Das Wäh­ler­vo­tum liegt vor, ist Fakt, und das gilt es um­zu­set­zen. Im Par­la­ment sit­zen sechs ko­ali­ti­ons­taug­li­che Par­tei­en mit 615 von ins­ge­samt 709 Man­da­ten. Und wenn es der Po­li­tik nicht ge­lingt, hier­aus ei­ne Ko­ali­ti­on zu bil­den, dann hat sie schlicht ver­sagt.

Weg von Fan­ta­si­en und hin zu le­bens­na­hem In­ter­es­sen­aus­gleich, ist die Lo­sung. Die „Schau­kämp­fe“im Vor­feld und die, ja mit­un­ter schon ze­le­brier­te Ernst­haf­tig­keit in­ter­es­siert kaum mehr. Denn schluss­end­lich wird Frau Mer­kel die „ja­mai­ka­ni­schen“Par­tei­vor­sit­zen­den „ein­fan­gen“und ent­spre­chen­de Ses­sel und Zu­ge­ständ­nis­se be­reit­hal­ten. Sie ist schon zu lan­ge im po­li­ti­schen Ge­schäft, als dass ihr das nicht ge­läu­fig wä­re.

Neu­wah­len hie­ße, po­li­ti­sches Un­ver­mö­gen ein­ge­ste­hen, die Bür­ger­schaft ir­ri­tiert zu­rück­las­sen und für ihr „wid­ri­ges“Wäh­ler­vo­tum „per Nach­wahl“zu be­stra­fen. Was tun? Das Vo­tum be­stä­ti­gen, wä­re die rich­ti­ge Ant­wort. Tak­tisch wäh­len, nicht mehr wäh­len oder aus Frust „rechts“wä­re Glücks­spiel und das Er­geb­nis könn­te bö­se über­ra­schen. Al­so kei­ne Al­ter­na­ti­ve, auch wenn die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on noch so kom­pli­ziert er­scheint.

Im Üb­ri­gen über­schät­zen die Par­tei­en ih­re „Ro­ten Li­ni­en“, Ideo­lo­gi­en und Dok­tri­nen. Sie tau­gen hier nicht und auch sonst be­schei­den. Der Ka­ba­ret­tist Die­ter Hil­de­brand hat einst die „Macht der Po­li­tik“ex­zel­lent auf den Punkt ge­bracht. „Po­li­tik ist der Spiel­raum, den die Wirt­schaft ihr lässt“. Wei­se, wahr und zeit­los.

Neu­wah­len wird es nicht ge­ben, weil sie al­le an den Ka­bi­netts­tisch wol­len. Die So­zi­al­de­mo­kra­tie sieht es ge­las­sen, aber zur Not ... Gün­ter Kal­lis, Aa­len

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