Mer­kel und Ma­cron wol­len Eu­ro­pa vor­an­brin­gen

Kanz­le­rin emp­fängt Frank­reichs Staats­prä­si­den­ten – und warnt da­vor, die Fi­nanz­plä­ne zu ver­wäs­sern

Kieler Nachrichten - - POLITIK - VON MA­RI­NA KORMBAKI

ME­SE­BERG. Küss­chen links, Küss­chen rechts – auf die­se Ge­pflo­gen­heit deutsch-fran­zö­si­schen Wie­der­se­hens ver­zich­ten An­ge­la Mer­kel und Em­ma­nu­el Ma­cron am Mon­tag. Die Kanz­le­rin hält Frank­reichs Prä­si­den­ten bei des­sen An­kunft auf Schloss Me­se­berg auf co­ro­na­kon­for­mem Ab­stand – aber nur phy­sisch. Denn in der Sa­che sind Mer­kel und Ma­cron an die­sem Abend im Gäste­haus der Bun­des­re­gie­rung sehr um Ei­nig­keit be­müht. Kurz vor Be­ginn der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft wol­len die Kanz­le­rin und der Prä­si­dent ein Zei­chen des eu­ro­päi­schen Auf­bruchs sen­den.

Eu­ro­pa ste­he vor ei­ner öko­no­mi­schen Her­aus­for­de­rung, „wie wir sie seit Jahr­zehn­ten und viel­leicht noch nie hat­ten“, mahnt Mer­kel. „Wir sind an ei­nem Mo­ment der Wahr­heit für Eu­ro­pa an­ge­kom­men“, warnt Ma­cron. Bei­de be­schwö­ren die Be­deu­tung der kom­men­den Mo­na­te für das Wohl­er­ge­hen des Kon­ti­nents. Sie woll­ten „dar­an ar­bei­ten, dass die­ses Eu­ro­pa gut und heil durch die­se Kri­se kommt“, sagt Mer­kel. Ei­ne Kri­se, die Eu­ro­pa „lan­ge, lan­ge“be­schäf­ti­gen wer­de.

Ma­cron ist der ers­te aus­län­di­sche Staats­chef, den Mer­kel in der Co­ro­na-Kri­se zum Be­such emp­fängt. Die aris­to­kra­ti­sche Som­mer­ku­lis­se im Bran­den­bur­gi­schen soll dem Wie­der­se­hen et­was fei­er­li­chen Glanz ver­lei­hen. Schließ­lich ist der Zeit­punkt ein be­son­de­rer: Am Mitt­woch über­nimmt Deutsch­land die EU-Rats­prä­si­dent­schaft. Es wer­den be­son­de­re Mo­na­te für die Bun­des­re­gie­rung, die in den Ver­hand­lun­gen über den Co­ro­na-Auf­bau­fonds und den nächs­ten EU-Haus­halt dem Kon­ti­nent ei­nen Weg aus der Kri­se wei­sen soll. Und es wer­den be­son­de­re Mo­na­te

für An­ge­la Mer­kel, dienst­äl­tes­te Re­gie­rungs­che­fin in der EU und im letz­ten Jahr ei­ner lan­gen, im­mer wie­der von Kri­sen ge­schüt­tel­ten Amts­zeit.

„Wir müs­sen das eu­ro­päi­sche Mo­dell re­for­mie­ren, schüt­zen und för­dern“, be­tont Ma­cron. Kern die­ses Mo­dells sei die Ver­pflich­tung zum Kli­ma­schutz. Die­ser wer­de bei der Mit­tel­ver­tei­lung in der EU ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spie­len. Ma­cron un­ter­streicht sei­ne um­welt­po­li­ti­schen Am­bi­tio­nen mit der For­de­rung nach ei­ner Steu­er auf Pro­duk­te mit schlech­ter CO2-Bi­lanz aus Nicht-EU-Län­dern. Mer­kel ist im Prin­zip da­für, zeigt sich aber nicht ganz so forsch. „WTO-kom­pa­ti­bel“müs­se ei­ne sol­che Steu­er sein, al­so

im Ein­klang mit dem in­ter­na­tio­na­len Han­dels­recht ste­hen, sagt sie.

Ma­cron und Mer­kel knüp­fen in Me­se­berg an ih­ren Im­puls aus dem Mai an. Da prä­sen­tier­ten

bei­de ih­ren Vor­schlag für ei­nen 500 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren Auf­bau­fonds. Das schul­den­ba­sier­te Pro­gramm der EU-Kom­mis­si­on soll die vom Co­ro­na­vi­rus und sei­nen wirt­schaft­li­chen Fol­gen be­son­ders hart ge­trof­fe­nen EU-Staa­ten wie­der­auf­rich­ten. Kri­tik kommt aus Ös­ter­reich, den Nie­der­lan­den, Dä­ne­mark und Schwe­den: Die „spar­sa­men vier“be­kla­gen, dass das Geld in Form von nicht zu­rück­zu­zah­len­den Zu­schüs­sen flie­ßen soll – und nicht als Kre­dit. EU-Kom­mis­si­ons­che­fin Ur­su­la von Ley­en hat in ih­rem Vor­schlag wei­te­re 250 Mil­li­ar­den Eu­ro drauf­ge­legt – für kre­dit­fi­nan­zier­te Wirt­schafts­hil­fen. Mer­kel warnt vor ei­ner Ver­wäs­se­rung des deutsch-fran­zö­si­schen Vor­schlags: „Es muss ein Fonds blei­ben, der hilft, der wirk­lich auch den Län­dern hilft, die sonst dro­hen, von der Kri­se sehr viel stär­ker be­trof­fen zu sein.“

FO­TO: HAYOUNG JEON/AP

Ge­mein­sam für Eu­ro­pa: An­ge­la Mer­kel und Em­ma­nu­el Ma­cron im Gar­ten von Schloss Me­se­berg.

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