Tau­sen­de Ar­beits­plät­ze bei Air­bus in Ge­fahr

Das Ma­nage­ment des Flug­zeug­bau­ers will mit ge­brems­ter Fer­ti­gung durch die Kri­se kom­men – La­ge könn­te sich noch ver­schlech­tern

Kieler Nachrichten - - WIRTSCHAFT | REGIONAL - VON FRANK-THO­MAS WENZEL

HAM­BURG/BER­LIN. Das Ge­schäft mit kom­mer­zi­el­len Flug­zeu­gen hat sich mit der Co­ro­na-Kri­se in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen kom­plett ge­dreht. Noch im vo­ri­gen Jahr konn­te der eu­ro­päi­sche Flug­zeug­bau­er Air­bus die Ma­schi­nen gar nicht schnell ge­nug mon­tie­ren. Die Nach­fra­ge war rie­sig. Be­son­ders nach den Mit­tel­stre­cken-Jets der A320-Fa­mi­lie und nach de­ren „Neo“-Va­ri­an­ten, die mit be­son­ders spar­sa­men Trieb­wer­ken aus­ge­stat­tet sind. Hän­de­rin­gend such­te der Kon­zern nach Fach­kräf­ten un­ter an­de­rem für das gro­ße Werk in Ham­burg-Fin­ken­wer­der, das an der Ka­pa­zi­täts­gren­ze ar­bei­te­te.

Erst im vo­ri­gen Jahr wur­de die Pro­duk­ti­on der 320er auf ins­ge­samt 60 Ma­schi­nen pro Mo­nat an vier Stand­or­ten hoch­ge­fah­ren – ne­ben Ham­burg noch Tou­lou­se, Tian­jin (Chi­na) und Mo­bi­le (USA). 2021 soll­te die Zahl auf 63 noch ein­mal ge­stei­gert wer­den.

Durch die Pan­de­mie je­doch ist das Ge­schäft ein­ge­bro­chen. Im April ord­ne­te Air­bus-Chef Guil­lau­me Fau­ry an, die Fer­ti­gung auf 40 Stück brem­sen. Da­bei soll es auch im Jahr 2021 nun blei­ben.

Vie­le Air­lines ha­ben die Über­nah­me der neu­en Ma­schi­nen erst ein­mal ver­scho­ben, sie wer­den bei Air­bus ge­parkt. Im April/Mai hät­ten die Aus­lie­fe­run­gen 80 Pro­zent un­ter Plan ge­le­gen, sag­te Fau­ry der Ta­ges­zei­tung „Welt“. Das wird für die Be­schäf­tig­ten Kon­se­quen­zen ha­ben. Auch be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen will der Ma­na­ger nun nicht mehr aus­schlie­ßen: „Es ist schwie­rig, der­zeit Ga­ran­ti­en ab­zu­ge­ben in ei­ner Si­tua­ti­on, die sich noch ver­schlech­tern könn­te.“Er meint da­mit ei­ne zwei­te Pan­de­mie-Wel­le. Die könn­te auf den Flug­ver­kehr weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen ha­ben. Ei­gent­lich wol­len die Flug­li­ni­en in den nächs­ten Wo­chen die Zahl der Ver­bin­dun­gen all­mäh­lich wie­der hoch­fah­ren. Ers­te In­ter­kon­ti­nen­tal-Flü­ge wer­den be­reits an­ge­bo­ten. Doch wenn neue Rei­se­be­schrän­kun­gen kom­men, könn­ten die Air­lines in noch viel stär­ke­re Tur­bu­len­zen flie­gen, was die Flug­zeug­bau­er in zu­sätz­li­che Schwie­rig­kei­ten brin­gen wür­de.

Wie sich die­se kom­ple­xe Si­tua­ti­on auf die Ar­beits­plät­ze bei Air­bus kon­kret aus­wirkt, ist noch nicht klar. Fau­ry will in den nächs­ten Wo­chen mit Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern ver­han­deln. Die Er­geb­nis­se sol­len im Ju­li vor­ge­stellt wer­den. Die Strei­chung von bis zu 15000 Stel­len von ins­ge­samt 90000

➡ Auch be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen will Air­busChef Guil­lau­me Fau­ri nicht mehr aus­schlie­ßen.

Ar­beits­plät­zen in der Spar­te für Zi­vil­flug­zeu­ge ist im Ge­spräch. In Nord­deutsch­land ar­bei­ten mehr als 20 000 Frau­en und Män­ner bei Air­bus. Größ­ter Stand­ort ist Fin­ken­wer­der mit 12000 Be­schäf­tig­ten, hin­zu­kom­men Sta­de (2000), Bremen (3000) und die Toch­ter Pre­mi­um Ae­ro­tec mit mehr als 4000 Mit­ar­bei­tern vor al­lem in Va­rel und Nor­den­ham. Aber in Fin­ken­wer­der ist die größ­te Fer­ti­gungs­stät­te für die 320er-Fa­mi­lie. Un­ter Ge­werk­schaf­tern kur­siert die Be­fürch­tung, dass es tie­fe Ein­schnit­te ge­ben könn­te. 2019 wur­den be­reits ers­te Plä­ne ge­schmie­det, ei­nen Teil der Pro­duk­ti­on nach Tou­lou­se zu ver­la­gern. Al­ler­dings han­delt es sich um ei­ne po­li­tisch höchst bri­san­te An­ge­le­gen­heit. Die Re­gie­run­gen von Frank­reich und Deutsch­land ach­ten sehr ge­nau dar­auf, dass Las­ten gleich­mä­ßig ver­teilt wer­den.

FO­TO: CHA­RI­SI­US

Ein Tech­ni­ker ar­bei­tet in ei­nem Rumpf­seg­ment in der Struk­tur­mon­ta­ge der A320-Fa­mi­lie in Fin­ken­wer­der.

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