Neue We­ge in der Not

Der fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­ne FC Schal­ke 04 plant of­fen­bar als ers­ter Bun­des­li­gist ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze – Be­rich­te über Bürg­schaft

Kieler Nachrichten - - SPORT - VON HEINZ BÜSE

GEL­SEN­KIR­CHEN. Sport­lich auf Tal­fahrt, fi­nan­zi­ell un­ter Druck – in Zei­ten der Not geht der FC Schal­ke 04 of­fen­bar neue We­ge. Nach In­for­ma­tio­nen der „Süd­deut­schen Zei­tung“führt der Ta­bel­lenzwölf­te als ers­ter Bun­des­li­gaKlub ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze für Pro­fis ein. Dem­nach soll kein neu­er Spie­ler­ver­trag 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­ge­halt über­schrei­ten. Der Ver­ein woll­te sich am Mon­tag nicht da­zu äu­ßern und ver­wies auf ein Me­di­en­ge­spräch am Mitt­woch. Zu­dem be­rich­te­te das „Han­dels­blatt“, das Land Nord­rhein-West­fa­len wol­le den Klub mit ei­ner Bürg­schaft in Hö­he von 40 Mil­lio­nen Eu­ro un­ter­stüt­zen. Das NRW-Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um nahm da­zu mit Ver­weis auf das Bürg­schafts­ge­heim­nis kei­ne Stel­lung. Laut „Bild“will Schal­ke sich ei­nen Not­kre­dit über 30 Mil­lio­nen Eu­ro vom Land be­sor­gen, für den die­ses bür­gen sol­le. Auch das woll­te der Ver­ein ge­gen­über dem Blatt we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren.

Die Plä­ne der Schal­ker dürf­ten der­weil die in der Co­ro­na-Kri­se auf­ge­leb­te Dis­kus­si­on über ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze ver­stär­ken. An­ge­sichts der ho­hen Ein­nah­me­ver­lus­te der Ver­ei­ne wa­ren For­de­run­gen nach mas­si­ven Ve­rän­de­run­gen im fi­nan­zi­ell über­bor­den­den Sys­tem Pro­fi­fuß­ball laut ge­wor­den.

Vor­stö­ße von Fortu­na Düs­sel­dorfs Vor­stands­chef Tho­mas Rött­germann („Dar­über müs­sen wir jetzt drin­gend nach­den­ken“) oder von DFLChef Chris­ti­an Sei­fert und

DFB-Prä­si­dent Fritz Kel­ler stie­ßen vie­ler­orts je­doch auf Skep­sis. So be­zeich­ne­te Bay­ern Mün­chens Eh­ren­prä­si­dent Uli Ho­en­eß die­se Dis­kus­si­on am Sonn­tag als „schein­hei­lig“und be­zwei­fel­te, dass ei­ne sol­che Maß­nah­me für mehr Aus­ge­gli­chen­heit im Fuß­ball sor­gen könn­te. Karl­Heinz Rum­me­nig­ge, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des FC Bay­ern, be­grün­de­te sei­ne Zwei­fel mit ei­nem Ver­weis auf das EU-Wett­be­werbs­recht.

Doch ein solch eher ideo­lo­gi­scher oder ju­ris­ti­scher Dis­kurs dürf­te den FC Schal­ke nur be­dingt in­spi­riert ha­ben, als ers­ter Klub den Schritt zu wa­gen. Schließ­lich hat­te der Ver­ein schon vor der Co­ro­naK­ri­se für das Ge­schäfts­jahr 2019 Ver­bind­lich­kei­ten in Hö­he von 197 Mil­lio­nen Eu­ro ver­mel­det. Seit­her wird in­ten­si­ver denn je über Ein­spar­mög­lich­kei­ten nach­ge­dacht. Der ge­schei­ter­te Ver­such, sich für ei­nen eu­ro­päi­schen Wett­be­werb zu qua­li­fi­zie­ren, er­höh­te den Hand­lungs­druck. Schon län­ger stan­den die Aus­ga­ben für Ge­häl­ter in kei­nem ef­fek­ti­ven Ver­hält­nis mehr zu den sport­li­chen Er­geb­nis­sen.

Zu­dem ist der Klub nach zu­letzt 16 Spie­len oh­ne Sieg, der an­hal­ten­den Dis­kus­si­on um die Zu­kunft von Trai­ner Da­vid Wa­gner und dem Tru­bel rund um den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den Cle­mens Tön­nies in­ten­siv um ei­ne Image­ver­bes­se­rung be­müht. Noch am ver­gan­ge­nen Sams­tag hat­ten rund 1000 Fans am Ver­eins­ge­län­de Ber­ger Feld ih­ren Un­mut be­kun­det, wäh­rend das Team beim 0:4 in Frei­burg die sport­li­che Tal­fahrt fort­setz­te. In die­ser Ge­men­ge­la­ge kommt ein Zei­chen, dass es der Ver­ein ernst meint mit dem Wunsch nach mehr Bo­den­stän­dig­keit und Ba­lan­ce, ge­ra­de recht.

Die ers­te Re­ak­ti­on der De­moor­ga­ni­sa­to­ren auf die Me­dien­be­rich­te über ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze fiel je­doch

Wol­len auf Schal­ke ein Zei­chen set­zen: Vor­stand Jo­chen Schnei­der (hin­ten) und der tech­ni­sche Di­rek­tor Micha­el Reschke. ver­hal­ten aus und deu­tet dar­auf hin, dass es da­mit nicht ge­tan ist. „Die Ent­schei­dung än­dert nichts an dem Pro­test, es geht um das Sys­tem Tön­nies“, sag­te Ste­fan Bar­ta am Mon­tag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Die Dis­kus­si­on über Tön­nies dürf­te dem Ver­ein er­hal­ten blei­ben. Er steht als Fir­men­chef und als Chef des Bun­des­li­gis­ten wei­ter mas­siv un­ter Druck. Vie­le Schal­ke-Fans for­dern wei­ter­hin ei­nen Rück­tritt.

Auch die Ka­der­pla­nung dürf­te sich als schwie­rig er­wei­sen. Denn ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze schreckt nicht nur po­ten­zi­el­le neue Spie­ler ab, son­dern könn­te auch den Ver­bleib ar­ri­vier­ter Kräf­te wie Na­tio­nal­spie­ler Suat Ser­dar ge­fähr­den. Kei­ne Än­de­run­gen soll es auf der Trai­ner­po­si­ti­on ge­ben.

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