An­ders als man denkt

Landhaus Living - - INHALT - TEXT He­le­na Blom, Te­re­sa Kno­che • FO­TOS He­le­na Blom/Ina Agen­cy

Pau­la und Mi­ke zo­gen in die Frem­de, um ei­nem al­ten Bau­ern­haus ei­ne Chan­ce zu ge­ben.

Pau­la und Mi­ke hät­ten nie ge­glaubt, dass es sie nach Dalar­na ver­schlägt – doch ein al­ter Bau­ern­hof be­lehr­te sie ei­nes Bes­se­ren.

Mit der Hil­fe von Groß­va­ter Ernst ha­ben Pau­la und Mi­ke den al­ten Charme des Hau­ses wie­der­her­ge­stellt

Wie lau­tet ein be­kann­tes Sprich­wort? Es kommt ers­tens an­ders, und zwei­tens als man denkt. Das trifft ge­nau auf die Haus­su­che von Pau­la und Mi­ke An­ders­son zu. „Ei­gent­lich hat­ten mein Mann und ich uns auf die Region Fa­lun be­schrän­ken wol­len, wo ich auf­ge­wach­sen bin und vie­le Freun­de und Fa­mi­li­en­mit­glie­der woh­nen.“Die Su­che ge­stal­te­te sich je­doch schwie­rig und im Lau­fe der Mo­na­te dräng­te sich ein Ge­dan­ke in den Vor­der­grund, den das Ehe­paar zu­vor nur im An­satz er­wägt hat­te: Das al­te Bau­ern­haus von Mikes Groß­va­ter in Dalar­na stand leer und ent­sprach vom Stil her den Wunsch­vor­stel­lun­gen des Ehe­paa­res. Ob­wohl bei­de sich erst an die Idee ge­wöh­nen muss­ten, in ein klei­nes Dorf zu zie­hen, wo sie nie­man­den kann­ten, woll­ten sie dem Haus ei­ne Chan­ce ge­ben. Au­ßer­dem ver­band Mi­ke vie­le Kind­heits­er­in­ne­run­gen mit dem Haus, in dem er frü­her oft ge­spielt hat­te. Mitt­ler­wei­le ist die Su­che über 15 Jah­re her und bei­de füh­len sich hier mehr als wohl. Sie ha­ben je­doch nicht ver­ges­sen, dass der da­ma­li­ge Zu­stand des Hau­ses ei­nem ty­pisch schwe­di­schen Fli­cken­tep­pich äh­nel­te – denn im Lau­fe der Jah­re wa­ren vie­le Re­no­vie­run­gen und Ve­rän­de­run­gen vor­ge­nom­men wor­den, die nicht so recht zu­sam­men­pass­ten. Neue Fens­ter, Tep­pi­che und Tapeten hat­ten dem al­ten Ge­bäu­de viel von sei­nem ur­sprüng­li­chen Charme

ge­nom­men, so­dass Pau­la und Mi­ke be­schlos­sen, die Zeit wie­der ein Stück zu­rück­zu­dre­hen. So be­gann ih­re klei­ne Rei­se ins frü­he 19. Jahr­hun­dert: Zu­nächst wur­den die mo­der­ne Ein­gangs­tür und die neu­en Fens­ter durch hand­ge­mach­te Holz­ex­em­pla­re er­setzt. Doch es war gar nicht so ein­fach, dem Haus wie­der ei­ne al­te See­le ein­zu­hau­chen. Die bei­den in­for­mier­ten sich über his­to­ri­sche Mö­bel und De­tails und über­leg­ten, wel­cher Stil am bes­ten zu ih­rem Haus passt. „In den ers­ten Jah­ren der Re­no­vie­rung hat­ten wir das gro­ße Glück, dass uns Mikes Groß­va­ter Ernst hel­fen konn­te. Oh­ne ihn hät­ten wir vie­les nicht um­set­zen kön­nen“, er­zählt Pau­la. „Er war hand­werk­lich sehr ge­schickt und hat bei so vie­len klei­nen Din­gen sein Wis­sen ein­ge­bracht, und wir glau­ben, dass das Haus erst da­durch ei­ne au­then­ti­sche Aus­strah­lung be­kom­men hat.“Was Pau­la, Mi­ke und die bei­den Töch­ter Lo­ve und Nell am meis­ten an ih­rem Zu­hau­se zu schät­zen wis­sen, ist die of­fe­ne Raum­auf­tei­lung. Von je­dem Zim­mer aus kann man in min­des­tens ein an­de­res Zim­mer bli­cken und hat da­durch nie das Ge­fühl, al­lein zu sein. „Man kann aber na­tür­lich auch die Tür schlie­ßen und hat sei­ne Pri­vat­sphä­re“, lacht Pau­la. Bei der Ein­rich­tung lässt sich die Schwe­din ger­ne von Zeit­schrif­ten in­spi­rie­ren. Seit fünf Jah­ren be­treibt sie so­gar ei­nen ei­ge­nen Blog (www.kul­lan-pul­lan.blog­spot.com). So kommt sie leicht mit Gleich­ge­sinn­ten ins Ge­spräch und kann Ide­en aus­tau­schen. Es war

In­spi­ra­ti­on fin­det Pau­la in Wohn­zeit­schrif­ten und im Aus­tausch mit den Le­se­rin­nen ih­res Blogs

ihr Ehe­mann, der die Idee hat­te und sich ei­nes Abends hin­setz­te, um „Kul­lan-Pul­lan“ins Le­ben zu ru­fen. „Pul­lan ist mein Spitz­na­me un­ter Freun­den“, er­klärt Pau­la. Ne­ben Bil­dern von ih­rem Haus oder neu­en Pro­jek­ten im Gar­ten stellt sie hier auch Lieb­lings­pro­duk­te vor oder prä­sen­tiert ei­ge­ne Dekoideen. Bei ei­nem so al­ten Haus mit zahl­rei­chen Ne­ben­ge­bäu­den wie ei­ner Scheu­ne und ei­nem Stall gibt es im­mer viel zu tun. Und auch für das Haupt­haus schmie­den Pau­la und Mi­ke eif­rig Zu­kunfts­plä­ne: Sie über­le­gen schon lan­ge, das Wohn­zim­mer zu ver­grö­ßern und an das Ba­de­zim­mer ei­nen Bal­kon an­zu­bau­en. Au­ßer­dem wol­len sie den al­ten Spei­cher zu ei­nem Gäs­te­be­reich um­funk­tio­nie­ren: „Un­se­re bei­den Töch­ter Lo­ve und Nell kom­men so lang­sam in die Pu­ber­tät und wir wol­len ei­nen Ort schaf­fen, an den sie Freun­de ein­la­den und mit ih­nen un­ge­stört Zeit ver­brin­gen kön­nen. Der Spei­cher eig­net sich da­für per­fekt.“Denn an der Tat­sa­che, dass sich das Haus, das vor 15 Jah­ren eher ei­ne Not­lö­sung war, mitt­ler­wei­le zu ih­rem Traum­haus ent­wi­ckelt hat, be­steht kein Zwei­fel mehr. Da­zu passt ein an­de­res Sprich­wort sehr gut: Un­ver­hofft kommt oft. Und wie wahr Sprich­wör­ter sein kön­nen, sieht man an der Ge­schich­te von Pau­la und Mi­ke.

Die Wohn­kü­che …

ist der Lieb­lings­platz der Fa­mi­lie: Auf der al­ten Bank liegt ei­ne bun­te Hä­kel­de­cke mit Gran­ny Squa­res, die tat­säch­lich von Pau­las Oma stammt.

HELL Ei­ni­ge der Schrank­fron­ten wur­den ent­fernt, um die Kü­che of­fe­ner und

luf­ti­ger wir­ken zu las­sen.

MÄD­CHEN VOM LAND Mit ih­rem al­ten Hun­de­schlit­ten saust Pau­la durch die win­ter­li­che Land­schaft.

Im Wohn­zim­mer …

fin­det sich ein bun­ter Mö­bel­mix: So steht ne­ben den Ike­aSo­fas z. B. ein schwe­rer Couch­tisch, den Pau­la aus In­di­en mit­ge­bracht hat.

PAU­LAS REICH Un­term Dach bas­telt die Haus­her­rin ger­ne und schreibt die Ein­trä

ge für ih­ren Blog.

HIN­TER GLAS So fin­det man Knöp­fe und Sche

ren auf ei­nen Blick.

PRAK­TISCH In den klei­nen Fä­chern fin­det al­ler­lei Krims­krams Platz.

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