Vom Win­ter um­armt – Ge­nie­ßer­ta­ge

Seit über 300 Jah­ren ist die Troad­kostn-sui­te schon im Be­sitz der Fa­mi­lie Un­ter­ber­ger. Heu­te kön­nen Ur­lau­ber hier ein ganz be­son­de­res Stück ös­ter­rei­chi­sche Tra­di­ti­on er­le­ben.

Landleben - - Inhalt - Text: C. Meindl, G. Nes­bitt Sty­ling: W. Cus­ters Fotos: K. Kel­ta­nen/ Fea­tu­res & Mo­re

In der elf­ten Ge­ne­ra­ti­on be­wir­tet Fa­mi­lie Un­ter­ber­ger ei­ne zau­ber­haf­te Hüt­te im ös­ter­rei­chi­schen Bruck.

Fri­sche Berg­luft schnup­pern, jahr­hun­der­te­al­te Tra­di­tio­nen le­ben, haus­ge­mach­ten Rahm­schmarrn kos­ten und sich in­mit­ten von Schnee­kris­tal­len und duf­ten­dem Fichtenholz ganz vom Win­ter um­armt füh­len. Wer so ein Er­leb­nis sucht, ist in der Troad-kostn-sui­te im ös­ter­rei­chi­schen Bruck bes­tens auf­ge­ho­ben. Seit über 300 Jah­ren, ge­nau­er ge­sagt seit 1687, ge­hört die­ses Stück Land be­reits der Fa­mi­lie Un­ter­ber­ger. Elf Ge­ne­ra­tio­nen ha­ben hier auf den Wie­sen schon Scha­fe und Kü­he ge­hü­tet – und ei­ni­ge tun es bis heu­te. Denn ob­wohl Mat­thi­as und Ber­ta Un­ter­ber­ger vor rund 30 Jah­ren be­schlos­sen ha­ben, hier ein Re­stau­rant zu er­öff­nen und in den klei­nen Bau­ern­häus­chen auch Über­nach­tungs­gäs­te will­kom­men zu hei­ßen, küm­mern sich in­zwi­schen ih­re bei­den Töch­ter um das Bed & Bre­ak­fast der ganz be­son­de­ren Art. Mat­thi­as wid­met sich lie­ber wie­der den Scha­fen, zu de­nen sich in­zwi­schen noch Po­nys, Esel, Ha­sen und Zie­gen ge­sellt ha­ben – sehr zur Freu­de der klei­ne­ren

Be­su­cher, die die pel­zi­gen Mit­be­woh­ner im Strei­chel­zoo gleich nä­her ken­nen­ler­nen dür­fen. „Die Er­öff­nung des Bed & Bre­ak­fasts war das Bes­te, was wir aus dem Be­sitz ma­chen konn­ten“, da sind sich die Töch­ter Eli­sa­beth und Katharina ei­nig. „So kön­nen wir un­ser 300 Jah­re al­tes Bau­ern­haus er­hal­ten und es zu­gleich mit ins 21. Jahr­hun­dert neh­men.“Um all die Ge­schich­ten und Tra­di­tio­nen, die in die­sen vier Wän­den ste­cken, nicht in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten zu las­sen, ging die Fa­mi­lie bei der Re­no­vie­rung 2001 ex­trem um­sich­tig vor. So­viel wie mög­lich wur­de aus dem Ori­gi­nal­be­stand er­hal­ten, was je­doch er­setzt wer­den muss­te, wur­de de­tail­ge­nau re­pro­du­ziert. Be­son­ders prak­tisch war, dass Kat­ha­ri­nas und Eli­sa­beths Va­ter und Bru­der bei­de ge­schick­te Schrei­ner sind, und op­ti­sche Stör­fak­to­ren wie et­wa Heiz­kör­per oder Lei­tun­gen, ein­fach hin­ter maß­ge­fer­tig­ten Ver­klei­dun­gen und Schrän­ken ver­schwin­den las­sen konn­ten. De­ko­riert ha­ben die bei­den Schwes­tern haupt­säch­lich mit Fa­mi­li­en­stü­cken,

wie von der Ur­groß­mut­ter be­stick­ten De­cken, ei­nem drei­bei­ni­gen Stuhl, der schon seit Jahr­hun­der­ten sei­nen Platz hier in der Hüt­te hat, tra­di­tio­nel­len Lo­den­stof­fen und re­gio­na­len Fund­stü­cken. Nur ei­ne grö­ße­re Ve­rän­de­rung ha­ben sich die bei­den er­laubt: ei­ne pri­va­te Sau­na, die das 65 Qua­drat­me­ter klei­ne Haus mit der gro­ßen Aus­sicht – an gu­ten Ta­gen kann man so­gar bis nach Ka­prun se­hen – voll­ends in ein Wohl­fühl-Pa­ra­dies ver­wan­delt. Und wer trotz ei­ge­ner Kü­che nicht selbst ko­chen will, kann im Haupt­haus gleich noch ein Pa­ra­dies ent­de­cken: Denn hier, in der Rauch­kuchl, wo ruß­ge­schwärz­te Wän­de von jahr­hun­der­te­al­ter Koch­kunst zeu­gen, be­rei­tet Eli­sa­beth lokale Le­cke­rei­en wie Kas­press­knö­del, Heu­bra-ten, Wald­beer­no­cken und Kar­tof­fel-laib­chen zu. Das ist mit das Schöns­te für die 35-Jäh­ri­ge, denn hier kann sie Be­su­cher bei dem ein oder an­de­ren Plausch gleich ein biss­chen ken­nen­ler­nen: „Und wenn wir se­hen, dass un­se­re Gäs­te glück­lich sind, dann sind wir es auch!“♠

HAND­GE­FER­TIGT Die Kü­chen­ecke bau­te Eli­sa­beths Va­ter aus Fichtenholz. RE­GIO­NAL Das Ge­schirr kauf­te die Fa­mi­lie bei Kitz­mül­ler in Vor­der­wei­ßen­bach.

ROT-WEISS Die Kis­sen­be­zü­ge stam­men von St­ei­ner in Mand­ling oder sind selbst ge­näht.

PER­SÖN­LICH Das Lein­tuch an der Wand be­stick­te da­mals Eli­sa­beths Ur­groß­mut­ter. WALDZAUBER Die klei­nen Tee­lich­ter wur­den ei­gens aus Bir­ke­näs­ten ge­fer­tigt.

RUS­TI­KAL Auch im Bad ist bei­na­he al­les aus Holz ge­fer­tigt.

MA­LE­RISCH Selbst bei Schnee­trei­ben und Ne­bel sind die Land­schaft um den Groß­glock­ner und die Aus­sicht auf 1.020 Me­tern Hö­he noch ei­ne Rei­se wert.

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