Un­ser neu­es Le­ben

In Soll­ef­tea, wo die Win­ter lang und die Som­mer­näch­te kurz sind, hat Fa­mi­lie Short Saa­ri ihr Zu­hau­se ge­fun­den. Mit Hun­den, Kat­zen, Scha­fen und fünf Kin­dern ge­nie­ßen die El­tern das Land­le­ben.

Landleben - - Inhalt - Text: Sy­bil­le Föll, Kris­tin Fä­ger­sk­jöld Fotos: An­ne- Char­lot­te An­ders­son/ Ina Agen­cy

Er­fah­ren Sie, wie ein Ski­wo­chen­en­de in Schwe­den das gan­ze Le­ben ei­ner sie­ben­köp­fi­gen Fa­mi­lie um­krem­pel­te.

Land­luft schnup­pern – da­von hat­ten Ei­ja und Mik­ki schon lan­ge ge­träumt. Dass es sie da­für 1.000 Ki­lo­me­ter nach Nor­den ver­schla­gen wür­de, weit weg von ih­rem ur­sprüng­li­chen Le­ben, hat­ten sie je­doch nicht ge­ahnt. Nach ei­nem Ski­wo­chen­en­de ent­deck­ten sie in Ån­german­land, ei­ner dünn be­sie­del­ten Re­gi­on der nord­schwe­di­schen Pro­vinz Norr­land, ei­nen wun­der­schö­nen, al­ten Bau­ern­hof, der ih­nen nicht mehr aus dem Kopf ging. „Das Schöns­te an dem Haus war, dass es so un­be­rührt wirk­te“, er­in­nert sich Ei­ja. 1887 war es er­baut und seit­dem kaum ver­än­dert wor­den. Mit sei­nen 13 Zim­mern auf 340 Qua­drat­me­tern Wohn­flä­che, ei­nem gro­ßen Kel­ler so­wie den vier Hekt­ar Land rund­her­um bot es au­ßer­dem nicht nur ge­nü­gend Platz für die sie­ben­köp­fi­ge Fa­mi­lie, son­dern auch die Mög­lich­keit, Tie­re hal­ten zu kön­nen. „Wir ha­ben lan­ge über­legt, ob wir das so ein­fach könn­ten: mit Sack und Pack weg­zie­hen, un­ser ge­wohn­tes Um­feld hin­ter uns las­sen“, er­zählt Ei­ja. Ein neu­es Zu­hau­se muss­te schon ein gu­tes Le­ben bie­ten.

Als das Haus nach Mo­na­ten im­mer noch zum Ver­kauf stand, schau­ten sie sich die Ge­gend dann et­was ge­nau­er an. Und im nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Städt­chen Soll­ef­tea gab es al­les, was man brauch­te – Schu­len, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Jobs. Die Ent­schei­dung war ge­fal­len. Seit 2008 ist die Fa­mi­lie nun stol­zer Be­sit­zer der klei­nen Farm, die sie „Nordischer Frie­den“tauf­te – nach dem Ge­fühl, das sie er­griff, als sie ihr neu­es Do­mi­zil be­zog. Mit der Re­no­vie­rung las­sen sich Ei­ja und ihr Mann viel Zeit. „So et­was darf man nicht über­stür­zen“, meint Ei­ja, die schon seit ih­rer Te­enager­zeit ein Fai­b­le für das De­ko­rie­ren und Mö­bel re­stau­rie­ren hat. Man müs­se auf die Ein­ge­bung, was wirk­lich passt, war­ten. Mit Mik­ki hat sie den idea­len Part­ner ge­fun­den: Der Bau­ar­bei­ter kann pro­fes­sio­nell al­le hand­werk­li­chen Ar­bei­ten im Haus selbst er­le­di­gen. Wie bei ei­nem gro­ßen Puz­zle ist das Paar noch im­mer da­mit be­schäf­tigt, Raum für Raum her­zu­rich­ten, so ur­sprüng­lich wie mög­lich. Da­mit es nicht lang­wei­lig wirkt, hat Ei­ja ihr ei­ge­nes Re­zept er­fun­den: „Ich mi­xe Ge­gen­stän­de und Ma­te­ria­li­en aus ver­schie­de­nen Epo­chen. Das er­zeugt ei­ne in­ter­es­san­te

Span­nung.“Au­ßer­dem ist sie der Mei­nung, dass al­te Mö­bel und Häu­ser nicht per­fekt aus­se­hen dür­fen: „ Al­te Pa­ti­na, die viel­leicht un­ter neue­rer Far­be her­vor­schaut, macht erst den Charme und die At­mo­sphä­re ei­nes his­to­ri­schen Or­tes aus.“Vor­han­de­ne Res­sour­cen nutzt sie auch in al­len an­de­ren Be­rei­chen des täg­li­chen Le­bens: Be­vor sie et­was Neu­es kauft, über­legt sie zu­erst, was sie mit den Sa­chen an­stel­len könn­te, die be­reits da sind. Den Hüh­nern gibt sie ge­eig­ne­te Kü­chen­ab­fäl­le zu pi­cken, der Rest wan­dert auf den Kom­post, mit dem sie ih­ren Gar­ten düngt. Im nächs­ten Früh­jahr möch­te sie ein paar Schwei­ne an­schaf­fen, die ihr die Er­de um das Haus her­um auf­wüh­len und so das Un­kraut ver­nich­ten, da­mit sie mehr Gar­ten be­wirt­schaf­ten kann. Doch bis da­hin ist erst ein­mal Pau­se an­ge­sagt. Der Au­ßen­an­strich des Bau­ern­ho­fes im Som­mer hat viel Ener­gie ge­kos­tet. Ei­ja und Mik­ki sind sich ei­nig: „Es ist wich­tig, dass man sich auch mal ei­ne Aus­zeit gönnt.“♠

Die Früh­stücks­ei­er stam­men von den ei­ge­nen Hüh­nern – fri­scher geht es nicht.

NA­TUR PUR

OLD-FA­SHIO­NED Ei­ja liebt al­te Sa­chen. Vie­le da­von be­fan­den sich noch im Bau­ern­hof, an­de­re hat sie auf Floh­märk­ten da­zu ge­kauft. KÜ­CHEN-IDYLL Mi­ro macht es of­fen­bar Spaß, der Mut­ter beim Ko­chen zu­zu­schau­en. Der al­te Tisch hält auch krat­zen­de Spiel­zeug­au­tos aus.

OBEN Al­tes Ta­fel­sil­ber ver­leiht dem All­tags­ge­schirr ei­nen ed­len Touch. Auch die Ker­zen­klem­men sind gut plat­ziert.

RECHTS In Kon­trast zur urig wir­ken­den Kü­che mit ih­rer dunk­len Ver­tä­fe­lung ist das Ess­zim­mer sehr hell ge­stal­tet.

KU­SCHE­LIG

Im Kin­der­zim­mer sorgt ein Ka­chel­ofen nebst Schul­bank für

mol­li­ge Wär­me.

RECHTS Al­te Mö­bel müs­sen nicht per­fekt aus­se­hen. Ei­ja hat sie be­wusst „ge­braucht aus­se­hend“re­stau­riert.

MIT­TE Die Ho­va­wart-hün­din Eve ist ein Schatz. Sie folgt Ei­ja auf Schritt und Tritt.

LINKS Grün und Blau pas­sen nicht zu­sam­men? Von we­gen: Die Läu­fer schaf­fen ei­ne har­mo­ni­sche Ver­bin­dung.

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