Zu­rück in die Zu­kunft

Woh­nen wie in der gu­ten al­ten Zeit, in ei­nem uri­gen Bau­ern­haus ganz na­he des Wal­des mit Blick auf die Ber­ge: Da­von träu­men vie­le. Wie sieht das in der Rea­li­tät aus? Wir ha­ben Ex­per­ten und Bau­her­ren be­fragt.

Landleben - - Inhalt - Text: Anabel Schleuning Fotos: So­fie La­tour u. a.

Ex­per­ten und Bau­her­ren er­zäh­len von ih­ren Er­fah­run­gen beim Um­bau al­ter, knor­ri­ger Bau­ern­häu­ser mit Charme.

Lo­se Zie­gel, brö­ckeln­der Putz, be­schä­dig­te Fas­sa­den: Was ist es, was uns an al­ten Bau­ern­häu­sern, die­sen uri­gen Sau­ri­ern der Ar­chi­tek­tur, fas­zi­niert? Viel­leicht die Ge­schich­ten, die die brü­chi­gen Wän­de hü­ten wie ein al­tes Ge­heim­nis der Zeit, das man nicht kennt und doch er­ahnt. Viel­leicht der Traum von länd­li­cher Ur­sprünglickeit, wie sie un­se­re Welt nur noch so sel­ten ver­birgt? Viel­leicht aber auch ein­fach der Trend hin zum Zu­hau­se, das Fa­mi­lie, Be­ruf, Frei­zeit so­wie In­di­vi­dua­li­tät und Ge­mein­schaft ver­eint.

Le­ben im ewi­gen Wan­del

Für An­na­bel von Berch­tols­heim wa­ren es die Wei­te und die Groß­zü­gig­keit, die Nä­he zur Na­tur und zu den Jah­res­zei­ten, die sie vor acht Jah­ren auf den Schörg­hof in Pfaf­fen­win­kel lock­ten. Dort lebt sie heu­te mit ih­rer sechs­köp­fi­gen Groß­fa­mi­lie. „Ein wahr­ge­wor­de­ner Traum“, wie sie fin­det, „ein Ort, der, so Gott will, meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen über­dau­ern wird.“Der Schörg­hof ent­spricht ei­nem Voral-pen­hof, wie man sie vor al­lem im Voral­pen­land fin­det; man un­ter­schei­det zwei Bau­ern­haus-ty­pen: eben je­ne Voral­pen­hö­fe und Guts­hö­fe, die es im Ge­gen­satz da­zu in ganz Deutsch­land gibt. Ar­chi­tek­to­nisch-phi­lo­so­phisch be­trach­tet ist ein Bau­ern­haus nicht nur Wirk­lich­keit, son­dern auch und vor al­lem Mög­lich­keit. Näm­lich die Mög­lich­keit ei­nes Le­bens­rau­mes, der sich im Gleich­schritt mit den Be­woh­nern im stän­di­gen Wan­del be­fin­det. Bei An­na­bel von Berch-tols­heim sieht das so aus: Die Kin­der kom­men und ge­hen, woh­nen zu­hau­se, flie­gen ir­gend­wann aus. Und auch die Ar­beits­welt ver­än­dert sich ste­tig: Frü­her war An­na­bel Ban­ke­rin, heu­te ist sie Guts­lei­te­rin in­mit­ten des fa­mi­liä­ren All­tags. Auf dem Hof be­fin­det

sich ei­ne Reit­schu­le, au­ßer­dem wer­den Räu­me für Yo­ga­kur­se und auch Work­shops an­ge­bo­ten. All das sind Mög­lich­kei­ten, kei­men­de Ide­en, er­füll­te Wün­sche, das be­weg­te Le­ben. Denn ein Bau­ern­haus ist eben nicht blo­ßes Ob­jekt, son­dern Ge­sche­hen; Raum, der zeit­li­che Gren­zen sprengt, Ge­gen­wart, Zu­kunft und Ver­gan­gen­heit ver­eint und erst durch die Men­schen, die kom­men und ge­hen, voll­stän­dig zum Le­ben er­wacht.

Berg- und Tal­fahrt der Ge­füh­le

Gut Ding braucht Zeit und der Um­bau ei­nes 85 Jah­re al­ten Ho­fes eben­falls. Die Re­no­vie­rungs­pha­se emp­fand An­na­bel als Berg- und Tal­fahrt der Ge­füh­le: „Es war ei­ne sehr in­ten­si­ve, an­stren­gen­de, aber auch auf­re­gen­de und schö­ne Zeit“, er­in­nert sie sich. Bis heu­te ist längst nicht al­les per­fekt: „ "Das The­ma Sta­tik ist im­mer wie­der ei­ne Her­aus­for­de­rung“, lä­chelt die 44-Jäh­ri­ge. Fünf Din­ge, die Bau­her­rin­nen und -her­ren mit­brin­gen soll­ten? „Ge­duld, Vor­stel­lungs­ver­mö­gen, Ge­duld, Durch­hal­te­ver­mö­gen, Ge­duld“, weiß sie be­stimmt. ♠

HEI­ME­LIG Soll­te in kei­nem Bau­ern­haus feh­len: der war­me Ka­min für be­schau­li­che Aben­de mit Freun­den. STAMM­TISCH Zu baye­risch: „Da hocka di, de wo oi­wei da hocka!“

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