Wir schaf­fen das

Ei­ne Fa­mi­lie zeigt, wie man als Selbst­ver­sor­ger lebt

Landleben - - Front Page - Text: Anabel Schleuning Fotos: Mi­ri­am und Pe­ter Wohl­le­ben, Ul­mer Ver­lag

Lieb­lings­ta­ge im Jahr sind die, wenn die Erd­beer­ern­te be­ginnt – „dann schwel­gen wir nur noch in Erd­bee­ren und Erd­beers­hakes!“, schwärmt Pe­ter Wohl­le­ben. Vor 25 Jah­ren ha­ben er und sei­ne Frau Mi­ri­am ent­schie­den, aus­zu­stei­gen: Raus aus dem Su­per­markt, rein ins Ge­mü­se­beet! BSE, Pes­ti­zi­de, Mas­sen­tier­hal­tung: Mit je­dem Blick in die Zei­tung ver­ging der Ap­pe­tit mehr. Und dann war da das al­te Forst­haus in Hüm-mel, des­sen Re­vier­lei­tung Pe­ter Wohl­le­ben über­neh­men soll­te. Mit dem Ein­zug war die Ent­schei­dung be­sie­gelt: Selbst­ver­sor­gung, so wie es frü­her Förs­ter und de­ren Fa­mi­li­en tra­di­tio­nel­ler­wei­se ge­tan ha­ben.

Am An­fang war der Hund

Doch müh­sam nährt sich das Eich­hörn­chen. Und der Selbst­ver­sor­ger erst recht. Die Wohl­le­bens fin­gen klein an: Zu­erst kam der Hund, dann ein paar Hüh­ner, schließ­lich ein klei­nes Beet. Ein An­fän­ger­feh-ler jag­te den nächs­ten: Ei­ni­ge der Ern­ten wur­den durch Pil­ze und Schäd­lin­ge zer­stört, Füch­se und Ha­bich­te lau­er­ten über den Stäl­len. „Wir muss­ten vie­les falsch ma­chen, da­mit die Ar­beit heu­te so leicht und rou­ti­niert von der Hand geht“, meint Pe­ter Wohl­le­ben. Und das sieht dann so aus: Mor­gens um 6 Uhr auf­ste­hen, Tie­re ver­sor­gen, Früh­stück. Da­nach ruft die Ar­beit: Mi­ri­am al­so das Ge­mein­de­bü­ro

und Pe­ter der Wald. Mit­tags ein Tref­fen zu­hau­se, Tie­re ver­sor­gen, da­nach zu­rück zur Ar­beit. Abends geht es ein letz­tes Mal zu den Tie­ren und dann in die Bee­te. Na­tür­lich tak­tet das Jahr und sei­ne Lau­nen den All­tag der Fa­mi­lie zu­sätz­lich: Im Win­ter kommt der Mist auf die Bee­te. Ab März be­ginnt die Aus­saat: Un­kraut jä­ten, Schne­cken sam­meln. Die Ern­te grüßt ab Ju­ni: ge­nie­ßen, ein­ko­chen, ein­frie­ren. Im Ok­to­ber wer­den die Bee­te auf­ge­räumt. Für die Tie­re geht es von der Wei­de ab in den Stall; für die Wohl­le­bens be­deu­tet das we­gen Mis­ten und Füt­te­rung mehr Ar­beit.

Für im­mer Erd­be­er­zeit

Doch be­reu­en tun sie nichts an ih­rer Ent­schei­dung vor 25 Jah­ren: Mit je­dem Sa­men, den sie setz­ten, sprieß­ten nicht nur Ge­mü­se und Obst, son­dern vor al­lem das Glück. Denn im Forst­haus fan­den die Wohl­le­bens, wo­nach sie sich lan­ge sehn­ten: Zeit. Zeit, um ei­nen Vo­gel zu be­ob­ach­ten. Zeit, um ei­nen Ap­fel im Gras zu ge­nie­ßen. Zeit, um das gu­te Le­ben ge­dei­hen zu las­sen. Ein an­de­res könn­te sich das Paar heu­te nicht mehr vor­stel­len: „Wir brau­chen die raue Land­luft, das Ge­fühl für Wetter und Jah­res­zei­ten, die Nä­he zu den Tie­ren – sie ge­ben so viel zu­rück“, so Mi­ri­am. Und das Bes­te: „Das gan­ze Jahr Erd­be­er­zeit!“, lä­chelt sie, nascht ei­nen Löf­fel Erd­beer­eis und träumt sich zu­rück in den Som­mer. ♠

Die Fa­mi­lie ist durch die ge­mein­sa­me Ar­beit auf dem Land wirk­lich eng zu­sam­men­ge­rückt: So ein Groß­pro­jekt ver­bin­det eben.

ZU­SAM­MEN­HALT

DI­CKES DING Die gro­ßen Rü­ben ma­chen Pe­ter stolz und glück­lich. Am Abend gibt’s Pas­ti­na­ken-creme­sup­pe.

WIN-WIN Pe­ter Wohl­le­ben mag kei­nen Ho­nig und vor Bie­nen hat­te er im­mer Angst. Heu­te be­rei­ten sie ihm Freu­de und brin­gen ih­ren Ho­nig.

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