An­woh­ner par­ken wo­an­ders

Ei­ne er­wei­ter­te Fuß­gän­ger­zo­ne oder ein ver­kehrs­be­ru­hig­ter Be­reich rund um Vor­der- und Hin­ter­an­ger sind mo­men­tan vom Tisch. Da­für tut sich der Stadt­rat bei ei­nem an­de­ren The­ma sehr schwer

Landsberger Tagblatt - - Erste Seite - VON DO­MI­NIC WIM­MER

Im nörd­li­chen Teil der Lands­ber­ger Alt­stadt sol­len An­woh­ner­park­plät­ze ver­schwin­den und in den Er­wei­te­rungs­bau der Lech­ga­ra­ge wan­dern.

Lands­berg Am En­de ei­ner denk­wür­di­gen Stadt­rats­sit­zung blieb es bei fol­gen­der Kern nachricht: Im nörd­li­chen Teil der Alt­stadt sol­len An­woh­ner park­plät­ze ver­schwin­den und in den Er­wei­te­rungs­bau der Lech­ga­ra­ge wan­dern. Ob spä­ter ein­mal rund um Vor­der- und Hin­ter­an­ger ei­ne Fuß­gän­ger­zo­ne oder ein ver­kehrs be­ru­hig­ter Be­reich kommt – das wer­den wei­te­re Ge­sprä­che und einBürg er­be tei­li­gungsv er­fah­ren zei­gen. Das hat der Lands­ber­ger Stadt­rat mehr­heit­lich be­schlos­sen

be­rich­te­te). Vor al­lem die in der Sit­zung stark ver­tre­te­nen Ein­zel­händ­ler dürf­ten auf­at­men. In der mehr als zwei­stün­di­gen De­bat­te flo­gen bei der Ab­stim­mung die Fet­zen. Die UBV will die Rechts­auf­sicht ein­schal­ten.

Ein an­de­res Pflas­ter, kei­ne Bord­stei­ne mehr und ei­ne deut­li­che Re­du­zie­rung der Stell­plät­ze: Die­se Ge­dan­ken zur Auf­wer­tung des Be­reichs zwi­schen Haupt­platz und San dau­er Tor sprach Ober bür­ger­meis­ter Ma­thi­as Neu­ner (CSU) aus. Er per­sön­lich will„ bei die­sem emo­tio­na­len The­ma“an­de­re Zu­gangs mög­lich­kei­ten für Fuß­gän­ger als im Mo­ment. Er sah dar­in ei­ne Stär­kung und kei­ne Schwä­chung des Ein­zel­han­dels, wenn man dem Gut­ach­ten des Ver­kehrs­pla­ners Prof. Her­mann Kn­of­la­cher fol­gen und Vor­der- und Hin­ter­an­ger wei­test­ge­hend au­to­frei hal­ten wür­de. Zu­gleich wür­de Lands­berg Städ­te bau för­de­rung bei der ge­plan­ten Er­wei­te­rung der Lech­ga­ra­ge er­hal­ten – aber nur, wenn An­woh­ner park­plät­ze dort­hin ver­legt wür­den. Wel­che Park­plät­ze ge­nau weg­kom­men wür­den, müs­se man mit Ex­per­ten und An­woh­nern klä­ren, so Stadt bau­meis­ter in Bir­git We­ber. In der Dis­kus­si­on stell­ten sich et­li­che Stadt­rä­te hin­ter Ein­zel­händ­ler und An­woh­ner.

● Rein­hard Sko­brins­ky (BAL): „Wir ma­chen den drit­ten Schritt vor dem ers­ten. In der Öf­fent­lich­keit ist der Ein­druck da, dass die er­wei­ter­te Tief­ga­ra­ge ge­baut wird, da­mit die Park­plät­ze im Hin­ter­an­ger weg­kom­men.“Er kri­ti­sier­te, dass ein Bür ger­be tei­li­gungsv er­fah­re­ner st ei­nen Ta­ges­ord­nungs­punkt da­nach wer­den soll­te. Der Ein­zel­han­del müs­se ein ge­wich­ti­ges Wort ha­ben – da­für gab es schal­len­den Ap­plaus.

● Für Zwei­te Bür­ger­meis­te­rin Do­ris Baum­gartl (UBV) stimm­te die Rei­hen­fol­ge eben­falls nicht. „Wir kön­nen nur ge­mein­sam mit den Be­trof­fe­nen han­deln. Wir brau­chen ei­nen pro­fes­sio­nell ge­stal­te­ten Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­zess. Erst wenn wir das ha­ben, kön­nen wir über Park­plät­ze spre­chen.“

● Ei­nen Zwie­spalt sah Chris­toph Jell (UBV). Auf der ei­nen Sei­te ha­be man beim Stra­te­gie­pro­zess „Lands­berg 2035“ei­ne en­ge Bür­ger­be­tei­li­gung, bei die­sem Punkt, bei dem es „ums täg­li­che Brot der Leu­te geht“, nicht. Sein Frak­ti­ons­kol­le­ge Dr. Rein­hard Steu­er woll­te kei­ne „Mil­lio­nen in ei­nen neu­en Park­bun­ker“ste­cken, son­dern in Lands­berg ein di­gi­ta­les Park­ma­nage­ment ver­wirk­licht se­hen. Franz Da­sch­ner er­klär­te, er wis­se aus Ge­sprä­chen mit Ein­zel­händ­lern und An­woh­nern: „Die Leu­te wol­len mehr­heit­lich kei­ne Fuß­gän­the­ma­ti­siert ger­zo­ne.“Ei­ne Ver­ban­nung des Au­to­ver­kehrs wä­re der fal­sche Weg, um die (er­wei­ter­te) Tief­ga­ra­ge in der Lech­stra­ße ren­ta­bel zu hal­ten, ar­gu­men­tier­te Wolf­gang Ne­u­mei­er.

● Für Mo­ritz Hart­mann (Grü­ne) wä­re be­reits ei­ne Auf­wer­tung er­reicht, wenn zehn Pro­zent der Park­plät­ze ver­legt wür­den.

● Die In­ter­es­sen der Ein­zel­händ­ler wa­ren Die­ter Völ­kel (SPD) ein An­lie­gen: „Kurz­zei­ti­ges Par­ken muss mög­lich sein.“Er wünsch­te sich ei­ne um­fas­sen­de Bür­ger­be­tei­li­gung.

● Pe­tra Ruf­fing (CSU) er­klär­te, es lie­ge am Stadt­rat, ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung für die Bür­ger zu­tref­fen. Bei ei­ner Be­tei­li­gung woll­te sie nicht nur An­woh­ner und Ge­schäfts­leu­te be­fra­gen, son­dern auch Aus­wär­ti­ge, die in der Stadt ein­kau­fen. „Wir müs­sen da­für sor­gen, dass die Leu­te wie­der mit Spaß in die Stadt fah­ren“, sag­te Chris­ti­an Hett­mer. Mit ei­nem Kin­der­wa­gen ma­che die Tour durch Vor­der- und Hin­ter­an­ger ent­lang an Auf­stel­lern und schma­len Geh­we­gen kei­nen Spaß.

● Soll­ten le­dig­lich 30 Stell­plät­ze weg­fal­len, wür­de dies für Ste­fan Mei­ser (ÖDP) kei­nen Er­wei­te­rungs­bau der Tief­ga­ra­ge recht­fer­ti­gen.

Wie die Bür­ger be­tei­li­gung aus­se­hen soll, da­zu wur­de kein Kon­sens ge­fun­den. Ein An­trag der UBV, das The­ma zu ver­ta­gen, wur­de ab­ge­lehnt. Fr akt ions spre­cher Chris­toph Jell war ver­är­gert dar­über, dass die Sit­zungs­vor­la­ge zu­mBürg er­be tei­li­gungsv er­fah­re­ner st in­der Sit­zung aus­ge­legt wor­den sei. Er wür­de sich dies­be­züg­lich an die Rechts­auf­sicht wen­den. Bei der Ab­stim­mung über­schlu­gen

Noch ist of­fen, wel­che Stell­plät­ze weg­kom­men

Kud­del­mud­del bei der Ab­stim­mung

sich dann die Er­eig­nis­se. Die Ver­wal­tung zu be­auf­tra­gen, ein „stan­dar­di­sier­tes Wett­be­werbs­gut­ach­ten“zur Bür­ger­be­tei­li­gung in Auf­trag zu ge­ben, wur­de mehr­heit­lich (14:13) ab­ge­lehnt.

Kri­tik am Ober­bür­ger­meis­ter üb­te in der Sit­zung und tags dar­auf Hans-Jür­gen Schul­meis­ter (Lands­ber­ger Mit­te), weil sein zu­erst ge­stell­ter An­trag zu­nächst nicht zur Ab­stim­mung kam. Dar­in for­der­te er, ein Ge­samt­kon­zept un­ter „Be­rück­sich­ti­gung der stadt­räum­li­chen und ver­kehr­li­chen Er­for­der­nis­se, der Be­dar­fe der Ei­gen­tü­mer, Be­woh­ner­und Mie­ter­schaft und der Ge­schäfts­in­ha­ber für ei­ne Auf­wer­tung zu ent­wi­ckeln“– sprich, zu­erst ein Bür­ger­be­tei­li­gungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren. Dar­über wur­de zwar ab­ge­stimmt (der An­trag wur­de mit 20:7 ab­ge­lehnt), aber auf­grund des zu­vor ge­trof­fe­nen Be­schlus­ses kam die­ser nicht zum Tra­gen. Da­für gilt der Stand von 2017. Da­mals wur­de be­reits be­schlos­sen, dass drei Kon­zep­te ein­ge­holt wer­den, wie man die Bür­ger be­tei­li­gen kann – be­son­ders Ei­gen­tü­mer, Be­woh­ner, Mie­ter und Ge­schäfts­leu­te.

Fo­tos: Thors­ten Jor­dan

Die Lech­ga­ra­ge (oben) soll um 200 Park­plät­ze er­wei­tert wer­den. Im Alt­stadt­be­reich (links der Vor­der­an­ger) sol­len An­woh­ner park­plät­ze ver­schwin­den und in die Tief­ga­ra­ge ver­legt wer­den.

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