Wohn­ge­schich­te

Zu ei­ner ge­lun­ge­nen Ein­la­dung ge­hört mehr als ein vor­züg­li­ches Me­nü. Auch die Tisch­de­ko­ra­ti­on soll­te ex­qui­sit sein. Gut, dass mir da­zu die Ide­en nie aus­zu­ge­hen schei­nen …

Laura WOHNEN Kreativ - - Inhalt -

Für die­sen Frei­tag hat­te ich mich von al­len re­dak­tio­nel­len Auf­ga­ben be­freit, um ganz in Ru­he mei­nen haus­frau­li­chen Pflich­ten nach­zu­kom­men. Schließ­lich hat­te ich für mor­gen Abend „mei­ne Mä­dels“ein­ge­la­den. Wir be­ko­chen uns re­gel­mä­ßig, und die­ses Mal war ich dran. Ich woll­te mit dem Es­sen den Herbst ein­läu­ten, der sich bis­lang glück­li­cher­wei­se noch von sei­ner gol­de­nen Sei­te zeig­te. Des­halb hat­te ich letz­tens auch Fa­bio ge­be­ten, für mei­ne Tisch­de­ko an die­sem Abend Kas­ta­ni­en zu sam­meln und Früch­te des gro­ßen Wal­nuss­baums in der Nä­he, von de­nen im­mer reich­lich auf dem Bo­den lan­de­ten. Fa­bio war er­war­tungs­ge­mäß mit ei­ner an­sehn­lich ge­füll­ten Tü­te zu­rück­ge­kom­men, de­ren In­halt ich zwi­schen reich­lich Ker­zen auf dem ge­deck­ten Tisch ver­tei­len woll­te. Aber ir­gend­wie hat­te ich das Ge­fühl, es wür­de noch et­was für die per­fek­te stim­mungs­vol­le De­ko feh­len. Mei­nen Me­nü­plan hat­te ich da­ge­gen schon im Kopf: Kür­bis­sup­pe, En­ten­keu­len mit Ma­ro­nen­pü­ree und zum Nach­tisch Halb­ge­fro­re­nes. Es gab wirk­lich noch ei­ni­ges zu tun! Als Ers­tes woll­te ich das Pflicht­pro­gramm der Haus­halts­pfle­ge ab­sol­vie­ren. Den Staub­sau­ger vor mir her­schie­bend, rausch­te ich durch die Woh­nung. In Fa­bios Zim­mer muss sich das Ka­bel da­bei ir­gend­wie ums Stuhl­bein ge­wi­ckelt ha­ben. Der Dreh­stuhl fiel je­den­falls mit lau­tem Ge­tö­se um und riss da­bei mit sich, was auf der Tisch­kan­te lag. Auch das noch! Ich woll­te den Sta­pel wie­der zu­rück­ma­nö­vrie­ren, als mir ne­ben ei­ner Hand­voll wei­ßer Klapp­kar­ten (wo­für er die wohl brauch­te?) aus ei­nem Buch wun­der­schön ge­färb­te, ge­press­te Laub­blät­ter ent­ge­gen­flat­ter­ten. Das war’s doch! Ich hat­te noch ein lan­ges Stück Nes­sel­stoff, das ei­nen pri­ma Tisch­läu­fer ab­ge­ben wür­de. Und von Kar­ne­val soll­te ei­gent­lich noch ge­nug gol­de­ne Tex­til­far­be üb­rig sein. Ich be­en­de­te mei­nen oh­ne­hin halb­her­zi­gen Woh­nungs­putz und brei­te­te mei­ne Zu­ta­ten auf dem Ess­zim­mer­tisch aus. Kas­ta­ni­en-, Ei­chen-, Bu­chen- und

sonst was für Blät­ter, Stoff, Sprüh­kle­ber und die Farb­do­se. Die Rück­sei­te des Laubs mit Kle­ber ver­se­hen, ließ es sich gut auf dem Stoff po­si­tio­nie­ren, bis ich mit der An­ord­nung zu­frie­den war. Be­herzt sprüh­te ich die Gold­far­be auf die Kon­tu­ren der Blät­ter, um ih­re Sil­hou­et­te auf den Stoff zu ban­nen. Zum Test, ob der ge­wünsch­te Ef­fekt er­zeugt wur­de, lös­te ich das ers­te Blatt vom Stoff. Ich war so kon­zen­triert, dass ich gar nicht be­merk­te, wie Fa­bio ins Zim­mer kam. Er starr­te auf mein fast fer­ti­ges Werk. „Wo hast du das her?“, frag­te er mich und zeig­te auf das acht­los auf Zei­tungs­pa­pier ab­ge­leg­te Laub. „Aus dei­nem Zim­mer. Brauch­test du das et­wa noch?“, kon­ter­te ich, Übles ah­nend. Mor­gen früh sei doch der Herbst­ba­sar in sei­ner Schu­le, und er soll­te Gruß­kar­ten bas­teln, die für ei­nen gu­ten Zweck ver­kauft wür­den. Er war nun ex­tra frü­her nach Hau­se ge­kom­men, um die Blät­ter auf die Klapp­kar­ten zu kle­ben, er­klär­te mir mein Sohn zer­knirscht, als sich sei­ne Mie­ne plötz­lich er­hell­te. „Was soll das ei­gent­lich sein?“, frag­te er mit Blick auf mei­nen präch­ti­gen Tisch­läu­fer und zog ihn gleich an sich. Der wür­de mor­gen si­cher ei­nen Spit­zen­preis er­zie­len, er­klär­te mir mein Spross noch und brach­te mir zum Tausch die Kar­ten. Nach kur­zer Be­trach­tung kleb­te ich auf je­de ein gol­de­nes Laub­blatt und be­schrif­te­te sie mit den Na­men mei­ner Freun­din­nen. Nun hat­te ich im­mer­hin ori­gi­nel­le Platz- und Me­nü­kar­ten in ei­nem. Mei­ne Tisch­de­ko war ge­ret­tet, und das war doch die Haupt­sa­che!

Mir flat­ter­ten wun­der­schön ge­färb­te Laub­blät­ter ent­ge­gen

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