Im Gar­ten der glück­li­chen Hüh­ner

Le­gen Hen­nen nicht mehr ge­nü­gend Eier, wer­den sie aus­sor­tiert. Doch die­se sechs fan­den in Sa­rah ei­ne Ret­te­rin – und füh­len sich nun wie im Pa­ra­dies

Laura - - Inhalt - An­ke Gap­pel

Hen­ri­et­ta, Mar­tha, Pau­la, Ger­da, Lie­se und Lot­te sind au­ßer Rand und Band: Kein Wun­der – es ist noch mal ein rich­tig schö­ner Tag, der gol­de­ne Ok­to­ber macht sei­nem Na­men al­le Eh­re. Die mil­de Herbst­son­ne lacht vom blau­en Him­mel, und das di­cke grü­ne Gras fe­dert bei je­dem Schritt. Mit­ten­drin steht ei­ne gro­ße Schüs­sel mit pral­len Kör­nern und köst­li­chen Mehl­wür­mern: ein wah­res Pa­ra­dies für Hüh­ner!

End­lich hat die gan­ze Schin­de­rei ein En­de

Die sechs Hen­nen ge­nie­ßen ihr Le­ben. „Es ist wirk­lich ei­ne gro­ße Freu­de, ih­nen beim Pi­cken zu­zu­se­hen“, sagt Sa­rah Jas­ke (33). Seit An­fang des Jah­res darf die Hüh­ner­schar bei ihr auf dem Grund­stück in Lau­en­burg (Schles­wi­gHol­stein) ein rund­um glück­li­ches Tier­le­ben füh­ren – nach 18 Mo­na­ten Schin­de­rei in ei­nem der gro­ßen Le­ge­be­trie­be, ge­züch­tet für die Eier­pro­duk­ti­on im Ak­kord. Stress pur be­deu­te­te das für die Tie­re, ein Le­ben auf engs­tem Raum – wenn man denn über­haupt von Le­ben spre­chen kann.

Ihr Schick­sal schien vor­ge­zeich­net: Wenn die so­ge­nann­ten Le­ge­hy­bri­den an­fan­gen zu schwä­cheln, al­so nicht mehr ge­nü­gend Eier le­gen, wer­den sie aus­sor­tiert und en­den in Fa­b­ri­ken als Tier­fut­ter oder bes­ten­falls in Groß­schlach­te­rei­en als Sup­pen­hüh­ner. Oft sind sie dann in mit­leid­er­re­gen­der Ver­fas­sung: Aus Platz­man­gel ha­ben sich die trau­ma­ti­sier­ten Vö­gel ge­gen­sei­tig mal­trä­tiert, ein­an­der Wun­den zu­ge­fügt und die Fe­dern aus­ge­hackt.

Dann kommt der er­sehn­te An­ruf: „Ihr könnt eu­re Hen­nen ab­ho­len!“

Bil­der des Schre­ckens, die auch Sa­rah Jas­ke, die bei der Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Vier Pfo­ten in Hamburg ar­bei­tet, nicht aus dem Kopf be­kam. „Ich ha­be beim Ver­ein Ret­tet das Huhn e.V. (www.ret­tet-das-huhn. de) an­ge­ru­fen, der aus­ge­dien­te Hen­nen ver­mit­telt, und mich auf die Lis­te der Ab­neh­mer set­zen las­sen.“Im Gar­ten ih­res klei­nes Sied­lungs­häus­chens baut Fa­mi­lie Jas­ke ei­nen Hüh­ner­stall mit ku­sche­li­gen Heu­nestern zum Eier­aus­brü­ten und ei­nem gro­ßen Aus­lauf­ge­he­ge. Ge­ra­de recht­zei­tig wer­den sie fer­tig, denn Mit­te Ja­nu­ar kommt der er­sehn­te An­ruf, dass sie die sechs Tie­re auf ei­nem na­he ge­le­ge­nen Park­platz ab­ho­len kann. Es sind sechs von über

45 000 Le­ge­hen­nen, die der Ver­ein Ret­tet das Huhn bis­her ret­ten und in lie­be­vol­le Hän­de ver­mit­teln konn­te. Ein tol­ler Er­folg!

Auch Sa­rahs Hüh­ner ha­ben sich mitt­ler­wei­le pri­ma er­holt. Dank gu­tem Fut­ter und Mu­schel­schalen­gra­nu­lat für die Kno­chen­bil­dung geht es den Vö­geln von Tag zu Tag bes­ser, auch die Scha­le ih­rer Eier ist viel fes­ter ge­wor­den.

Ihr wei­ßes Fe­der­kleid ist dick, warm und glän­zend

„Mei­ne Hen­nen sind top in Form und le­gen al­le zwei Ta­ge ein Ei“, freut sich Sa­rah. „Ich lie­be ihr fröh­li­ches Ga­ckern, es macht mir so­fort gu­te Lau­ne.“Stolz prä­sen­tie­ren Hen­ri­et­ta und ih­re Hüh­ner-Kol­le­gin­nen ihr di­ckes, glän­zen­des Fe­der­kleid. Man sieht: Den sech­sen geht es rich­tig gut!

„Ich lie­be das fröh­li­che Ga­ckern – es macht so­fort gu­te Lau­ne!“

Die sechs Hen­nen le­gen di­cke wei­ße Früh­stücks­ei­er, al­le zwei Ta­ge eins Lang­sam fas­sen Sa­rahs Schütz­lin­ge Ver­trau­en. In dem gro­ßen Le­ge­be­trieb kann­ten sie kei­ne men­sch­li­che Für­sor­ge

Der Stall ist üp­pig mit Heu aus­ge­legt. Herr­lich be­quem zum Aus­ru­hen und Eier­le­gen, fin­den Hen­ri­et­ta und ih­re Hüh­ner-Kol­le­gin­nen Fri­sche Luft, viel Aus­lauf – und wenn Sa­rah mit der Fut­ter­scha­le kommt, ist das Ge­ga­cker groß

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