Im Kä­se-olymp

Das mit­ten im Ti­ro­ler Kar­wen­del­ge­bir­ge ver­steckt lie­gen­de Alm­dorf Eng ist nicht nur ein be­lieb­tes Wan­der­ziel, son­dern auch der Ort, an dem im wahrs­ten Sin­ne olym­pia­rei­fer Kä­se ge­macht wird.

Leckeres aus der Landkueche - - Inhalt - Text: Sa­bi­ne Ber­ger Fo­tos: Sil­ber­re­gi­on Kar­wen­del, Chris­ta Eder/fo­to­lia (1)

Wo der bes­te Berg­kä­se her­an­reift

Ge­seg­ne­te Win­ter­ru­he: Das Alm­dorf schläft un­ter ei­ner di­cken Schnee­de­cke.

ort, wo im Som­mer der hel­le Glo­cken­klang der wei­den­den Kü­he und das Klap­pern von Hun­der­ten von Wan­der­stö­cken zu hö­ren ist, herrscht jetzt ei­ne mär­chen­haf­te Stil­le. Das Alm­dorf Eng liegt im Win­ter­schlaf. Die we­ni­gen Ge­bäu­de wer­den von ei­ner di­cken Schnee­schicht be­deckt, wie auch die im­po­san­ten Berg­gip­fel links und rechts des Riß­ta­les. Auf­grund der ho­hen La­wi­nen­ge­fahr bleibt das Tal in den Win­ter­mo­na­ten gänz­lich vom Tou­ris­mus ver­schont, nicht ein­mal die Stra­ße hin­auf zur Alm wird ge­räumt. Die ein­zi­ge Spur, die sich ein­mal im Win­ter durch den Schnee schlän­gelt, ist die von Kä­ser Edu­ard Ra­din­ger, der mit den Lang­lauf­ski­ern her­auf­kommt, um nach dem Kä­se zu se­hen, der in ei­nem der zu­ge­schnei­ten Häu­ser la­gert. Denn hier be­fin­det sich die größ­te Mel­kalm Ös­ter­reichs, auf der zwi­schen Ju­ni und Sep­tem­ber je­des Jahr et­wa 1.600 Lai­be Alm­kä­se her­ge­stellt wer­den. Die En­galm ist Ei­gen­tum von zehn Bau­ern aus dem Mitt­le­ren Un­ter­inn­tal, die sich zur bes­se­ren Be­wirt­schaf­tung der Alm be­reits vor 100 Jah­ren zu ei­ner

Agrar­ge­mein­schaft zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben. Ne­ben dem Alm­be­trieb mit et­wa 500 Rin­dern, da­von ca. 220 Milch­kü­he, wird das Tal in der Som­mer­sai­son aber auch von zahl­rei­chen Wan­de­rern und an­de­ren Frei­zeit­sport­lern be­lebt, wes­halb auf der En­galm auch ein Al­pen­gast­hof, ein Wirts­haus und ein Bau­ern­la­den zu fin­den sind. Und seit 2006 gibt es noch ei­ne wei­te­re At­trak­ti­on: Die Kä­se­rei wur­de zu ei­nem mo­der­nen Schau­be­trieb um­ge­baut, bei dem die Be­su­cher dem Kä­ser bei der Ar­beit über die Schul­ter bli­cken kön­nen.

Ein Blick hin­ter die Ku­lis­sen

In der im Jah­re 1883 er­rich­te­ten Kä­se­rei wird bis heu­te Berg­kä­se nach al­tem Re­zept her­ge­stellt. Kä­ser­meis­ter „Edi“ver­ar­bei­tet die fri­sche Alm­milch täg­lich zu But­ter, But­ter­milch so­wie zu ver­schie­de­nen wür­zi­gen Berg- und Schnitt­kä­se­sor­ten. In den gro­ßen Kup­fer­kes­seln, von de­nen je­der et­wa 1.200 Li­ter fasst, wird die Milch er­wärmt und mit dem Lab ver­se­hen und zu den gro­ßen Kä­sel­ai­ben ge­presst, die an­schlie­ßend in den ho­hen Holz­re­ga­len ge­la­gert wer­den.

Dass bei der Her­stel­lung kei­ner­lei che­mi­sche Zu­satz­stof­fe ver­wen­det wer­den, hat sei­nen Grund auch in der Qua­li­tät der Milch. Denn durch die vie­len Alm­kräu­ter in der Nah­rung und die täg­li­che Be­we­gung im Frei­en blei­ben die Kü­he nicht nur ge­sund, sie lie­fern auch ein her­vor­ra­gen­des Aus­gangs­pro­dukt für den wür­zi­gen, schmack­haf­ten Kä­se. Das al­lein reicht na­tür­lich noch nicht, um gu­ten Kä­se zu ma­chen, son­dern es be­darf auch ei­nes er­fah­re­nen Kä­ser­meis­ters. Dass Alm­kä­ser Edi Ra­din­ger sein Me­tier be­herrscht und liebt, be­wei­sen nicht nur die vie­len Ta­ges­tou­ris­ten, die oft so­gar von Mün­chen aus in das ent­le­ge­ne Tal im Ti­ro­ler Kar­wen­del­ge­bir­ge fah­ren, um den schmack­haf­ten Berg­kä­se zu kau­fen, son­dern auch die zahl­rei­chen Aus­zeich­nun­gen, die er für sei­ne Krea­tio­nen er­hal­ten hat.

Olym­pi­scher Über­flie­ger

Zum zwan­zigs­ten Mal fand 2014 die In­ter­na­tio­na­le Alm­kä­seolym­pia­de in Gal­tür statt, bei der die En­galm – fast schon tra­di­tio­nell – ei­ner der gro­ßen Ge­win­ner war. Be­reits in den letz­ten Jah­ren räum­ten Edi Ra­din­ger und sei­ne Kol­le­gen zahl­rei­che Gold- und Sil­ber­me­dail­len ab, die­ses Jahr wa­ren es so­gar drei­mal Gold (für den Ge­würz­kä­se so­wie zwei Sor­ten Schnitt­kä­se) so­wie ein­mal Bron­ze für den Berg­kä­se 2013. Wer die Olym­pia­sie­ger ein­mal pro­bie­ren möch­te, dem sei ein Be­such auf der uri­gen En­galm wärms­tens emp­foh­len. Al­ler­dings erst wie­der im kom­men­den Früh­jahr, denn bis Mai brau­chen die schwe­ren Kä­sel­ai­be näm­lich noch Zeit, um un­ter der di­cken, wei­ßen De­cke aus Schnee zu ih­rem voll­mun­di­gen Ge­schmack her­an­zu­rei­fen.

Das Alm­dorf liegt auf 1.227 Me­tern, wird von drei Sei­ten von ho­hen Ber­gen um­schlos­sen

und ist nur über ei­ne Stra­ße er­reich­bar.

Lin­ke Sei­te: Kä­sen im Kup­fer­kes­sel (oben); das Alm­dorf ist au­to­frei, nur die Kut­sche darf hier fah­ren (unten). Rech­te Sei­te:

Hin­ter der Alm er­hebt sich das im­po­san­te Kar

wen­del­ge­bir­ge (oben); Edi im Kä­se­kel­ler (unten links); blü­hen­de Gera­ni­en im Fens­ter (unten rechts).

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