Zu Gast im Dou­ro-tal Ei­ne Rei­se in die be­rühm­tes­te Wein­re­gi­on Por­tu­gals

War­mes Son­nen­licht streift über die stei­len Hän­ge der Wein­ber­ge und das Was­ser des Dou­ro glit­zert in den schöns­ten Grün­tö­nen. Will­kom­men im Tal der Emo­tio­nen, im Tal des Wei­nes, will­kom­men im Dou­ro-tal!

Leckeres aus der Landkueche - - Inhalt - TEXT: CHRIS­TI­NA BI­S­ANZ- SI­CHERT

Die Stoß­dämp­fer des Ge­län­de­wa­gens äch­zen ein we­nig, als er über die holp­ri­ge Stra­ße und bei­na­he in ein Schlag­loch rum­pelt. Schier end­lo­se, ste­tig en­ger wer­den­de Ser­pen­ti­nen füh­ren an Wein­re­ben und ver­ein­zel­ten Kork­bäu­men vor­bei. Hoch oben an­ge­kom­men, er­streckt sich das Dou­ro-tal in sei­ner über­wäl­ti­gen­den Schön­heit. Bei­na­he sprach­los steht man vor dem im­po­san­ten Aus­blick.

Tief hat sich das Was­ser in die Land­schaft ge­gra­ben, un­zäh­li­ge Reb­ter­ras­sen prä­gen die­ses ein­zig­ar­ti­ge Wein­bau­ge­biet. In Nord­spa­ni­en hat der ins­ge­samt et­wa 897 km lan­ge Fluss sei­nen Ur­sprung. Die Qu­el­le liegt auf 2.080 Me­tern Hö­he und mün­det schließ­lich als gro­ßer, por­tu­gie­si­scher Fluss bei Por­to in den At­lan­tik. Das Dou­ro-tal ist ca. 26.000 Hekt­ar groß und er­streckt sich auf ei­ner Län­ge von 150 km bis zur spa­ni­schen Gren­ze. Die äl­tes­ten Be­le­ge für den Wein­an­bau in der Dou­ro-re­gi­on rei­chen bis in die Bron­ze­zeit. Nicht zu­letzt aus die­sem Grund wur­de das Ge­biet 2001 zum Unesco-welt­kul­tur­er­be er­klärt. Bei­na­he schwe­ren Her­zens rei­ßen wir uns von dem atem­be­rau­ben­den Panorama des Dou­ro-tals los, um uns von Fran­cis­co Ja­vier de Olaz­a­bal (Vi­to) in sein Wein­gut „Quin­ta do Va­le Meão“brin­gen zu las­sen. Als wir das gro­ße, schmie­de­ei­ser­ne Tor der Quin­ta durch­que­ren, füh­len wir uns ins spä­te 19. Jahr­hun­dert zu­rück­ver­setzt. Bei ei­ner Wein­ver­kos­tung er­fah­ren wir mehr über die Tra­di­ti­on der Quin­ta. Sie wur­de 1877 von der in Por­tu­gal zur Le­gen­de ge­wor­de­nen Do­na An­to­nia Fer­rei­ra an­ge­legt. In den 70er-jah­ren über­nahm der Ur­ur­ur­ur­en­kel Fran­cis­co Ja­vier de Olaz­a­bal die Lei­tung des Gu­tes. Seit 1994 ist das Wein­gut in sei­nem Be­sitz und dem sei­ner bei­den Kin­der Xi­to und Lui­sa. Auf der Su­che nach wei­te­ren Tra­di­ti­ons­wein­gü­tern ver­ab­schie­den wir uns von Vi­to und Xi­to und fah­ren in die „Quin­ta da Ro­manei­ra“. In die­sem wun­der­schön re­stau­rier­ten Wein­gut wird seit 1854 – un­ter an­de­rem – Port­wein pro­du­ziert. Die­ser wird bei­na­he ehr­fürch­tig und au­gen­zwin­kernd „Lord der Wei­ne“ge­nannt und hat die Dou­roRe­gi­on in al­ler Welt be­rühmt ge­macht. Am Abend las­sen wir uns im „O Pa­pa­ri­co“, ei­nem Re­stau­rant in Por­to, köst­li­che Haus­manns­kost und ein Glas Port­wein ser­vie­ren. Wäh­rend der Wein­ver­kos­tung ha­ben wir er­fah­ren, wie viel Ar­beit dem ed­len Trop­fen vor­aus­ge­gan­gen ist. Ern­te­hel­fer le­sen die Trau­ben mit flin­ken, er­fah­re­nen Hän­den und fül­len sie in die ge­floch­te­nen Kör­be.

Der für das Ge­biet üb­li­che Schie­fer­bo­den spei­chert die Wär­me des Ta­ges und gibt sie nachts an die Reb­stö­cke ab. So kühlt es in den Wein­ber­gen nie rich­tig ab und das Trau­ben­le­sen wird schnell zu ei­ner schweiß­trei­ben­den An­ge­le­gen­heit. Die Trau­ben des Port­weins wer­den auch heut­zu­ta­ge noch häu­fig mit den Fü­ßen ge­stampft – ganz wie in al­ten Zei­ten. Durch die an­schlie­ßen­de Vi­nie­rung

wird „nor­ma­ler“Wein zu ei­nem Port­wein. Dar­un­ter ver­steht man das „Auf­spri­ten“des gä­ren­den Mos­tes mit hoch­pro­zen­ti­gem Wein­de­stil­lat. Der Port­wein zeich­net sich nicht zu­letzt auf­grund die­ses Pro­zes­ses durch sei­ne enor­me Ar­ten­viel­falt, durch sei­nen ho­hen Al­ko­hol­ge­halt (von bis zu 22 Pro­zent) und durch sei­ne cha­rak­te­ris­ti­sche Far­ben­viel­falt aus. Die vom Men­schen ge­schaf­fe­ne Kul­tur­land­schaft mit ih­ren Schie­fer- und Gra­nit­ter­ras­sen steht in ei­nem na­tür­li­chen Kon­trast zum rau­en Charme der ein­zig­ar­ti­gen Fluss­land­schaft. Be­reits 1756 wur­de es zum ers­ten Qua­li­täts­wein­bau­ge­biet der Welt er­nannt. Seit­dem ist es Por­tu­gal ge­lun­gen, den ur­sprüng­li­chen Wein­cha­rak­ter des Dou­ro-ge­biets zu be­wah­ren und ihn zu ei­ner na­tio­na­len Iden­ti­tät wer­den zu las­sen.

Ge­nuss­re­gi­on

Das Wein­an­bau­ge­biet im Nor­den Por­tu­gals ge­hört zum Unesco-welt­kul­tur­er­be. Be­reits 1756 wur­de das Dou­ro-tal zum Qua­li­täts­wein­ge­biet er­nannt.

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