Der Au­ßen­mi­nis­ter – „ein in­ter­na­tio­na­ler Witz“

Leipziger Volkszeitung - - Politik - VON KATHRIN PRI­BYL

Karl-ru­dolf Kor­te,

Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler, bei ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on in Glad­beck.

Brüs­sel: München: To­kio: Su­mi­te­ru Ta­ni­gu­chi,

ja­pa­ni­scher An­ti-atom­waf­fen-ak­ti­vist, ist im Al­ter von 88 Jah­ren ge­stor­ben. Der Über­le­ben­de des Atom­bom­ben­an­griffs auf Na­ga­sa­ki sei ei­nem Krebs­lei­den er­le­gen, teil­te der Ja­pa­ni­sche Ver­band der Op­fer von Atom- und Was­ser­stoff­bom­ben mit. Ta­ni­gu­chi war 16 Jah­re alt, als die USA am 9. Au­gust 1945 die Atom­bom­be über Na­ga­sa­ki ab­war­fen. Mehr als 70 000 Men­schen wur­den ge­tö­tet. Drei Ta­ge zu­vor in Hi­ro­shi­ma hat­te es Schät­zun­gen zu­fol­ge 140 000 To­te durch die ers­te Us-atom­bom­be ge­ge­ben. Ta­ni­gu­chi er­litt schwe­re Ver­bren­nun­gen. Spä­ter grün­de­te er ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on für Über­le­ben­de der Atom­waf­fen­an­grif­fe und warb für ein Ver­bot nu­klea­rer Waf­fen. Ab­schluss der drit­ten Run­de der Br­ex­it-ver­hand­lun­gen.

Fort­set­zung Nsu-pro­zess vor dem Ober­lan­des­ge­richt München.

Bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin May trifft Ja­pans Mi­nis­ter­prä­si­dent Abe. A ls Bo­ris, wie er nur ge­nannt wird, im ver­gan­ge­nen Jahr zum Au­ßen­mi­nis­ter be­ru­fen wur­de, traf das nicht nur das ver­dutz­te Pu­bli­kum als Über­ra­schungs­coup. Der Kar­rie­re­auf­stieg schien auch für Bo­ris John­son selbst un­er­war­tet ge­kom­men zu sein. Das Ge­sicht der Br­ex­it-kam­pa­gne gab sich fast de­mü­tig – auch das über­ra­schend an­ge­sichts sei­nes oft groß­mäu­li­gen Auf­tre­tens.

Mehr als ein Jahr ist seit­dem ver­gan­gen, die Schei­dungs­ver­hand­lun­gen lau­fen. Und John­son? Er hält sich de­zent zu­rück, mel­det sich nur ab und an mit mar­ki­gen Sprü­chen zu Wort, die zwar un­be­strit­ten Un­ter­hal­tungs­wert ha­ben, aber kaum durch Be­deu­tungs­schwe­re auf­fal­len. Man wer­de auf die Geld­for­de­run­gen der EU „pfei­fen“, hat­te der Lieb­ling der Br­ex­i­teers äu­ßerst un­di­plo­ma­tisch ge­tönt. Mitt­ler­wei­le ist John­son zu­rück­ge­ru­dert,

Wir soll­ten mehr mis­sio­nie­ren für die de­mo­kra­ti­sche Mit­te und Ge­füh­le nicht nur Ex­tre­mis­ten über­las­sen.

in­dem er be­ton­te, dass Groß­bri­tan­ni­en na­tür­lich die Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über der EU er­fül­len wer­de. Und doch zeigt die Epi­so­de das Pro­blem. „Es herrscht ei­ne Un­fä­hig­keit oder der Un­wil­len, die lang­fris­ti­gen Kon­se­quen­zen sei­ner Po­si­ti­on durch­zu­den­ken“, schreibt die Jour­na­lis­tin Ra­chel Syl­ves­ter in „The Ti­mes“über John­son und kri­ti­sier­te ei­ne feh­len­de Vor­stel­lung, was Br­ex­it nun be­deu­tet. Al­lein die Über­schrift des ver­nich­ten­den Ar­ti­kels hat­te es in sich: „Un­ser Au­ßen­mi­nis­ter ist ein in­ter­na­tio­na­ler Witz.“

Sie zi­tiert ei­nen kon­ser­va­ti­ven Ab­ge­ord­ne­ten, der re­gel­mä­ßig auf dem Kon­ti­nent un­ter­wegs ist und sei­ne Er­fah­run­gen so zu­sam­men­fasst: „Die Fran­zo­sen den­ken, Bo­ris ist kom­plett un­zu­ver­läs­sig. Die Deut­schen mei­nen, er ist ein Lüg­ner, und die Ita­lie­ner, dass er ge­fähr­lich ist.“Auch in den USA scheint es um die Re­pu­ta­ti­on nicht zum Bes­ten be­stellt, wie sie aus In­si­der­krei­sen er­fah­ren hat. Of­fen­bar hal­ten so­gar Offi

ziel­le im Wei­ßen Haus Ab­stand zum

Bo­ris John­son

(53 ) war von 2008 bis Mai 2016 war er Bür­ger­meis­ter von London. Ab Fe­bru­ar 2016 führ­te John­son die Kam­pa­gne der Br­ex­it-be­für­wor­ter für das Re­fe­ren­dum am 23. Ju­ni 2016 an. obers­ten Di­plo­ma­ten Ih­rer Ma­jes­tät – und das, ob­wohl John­son bei Fra­gen zu Do­nald Trumps Agie­ren auf welt­po­li­ti­scher Büh­ne re­gel­mä­ßig ei­nen Eier­tanz auf­führt, wenn Kol­le­gen vom Kon­ti­nent längst Kri­tik äu­ßern. In Eu­ro­pa wur­de sein Ruf vor al­lem durch sei­ne Rol­le als laut­star­ker Br­ex­it-kämp­fer ram­po­niert. Es ge­be kei­nen ein­zi­gen Au­ßen­mi­nis­ter, der ihn ernst neh­me, wird der bri­ti­sche Par­la­men­ta­ri­er zi­tiert. „Sie den­ken, er ist ein Clown, der kei­nem Witz wi­der­ste­hen kann.“Di­plo­ma­tie als Lach­num­mer in die­sen schwe­ren Zei­ten, in de­nen sich Eu­ro­pa ei­nig im Wi­der­stand ge­gen Groß­bri­tan­ni­en ist?

Dow­ning Street sah sich zu ei­ner Stel­lung­nah­me ge­zwun­gen. Pre­mier­mi­nis­te­rin May ha­be „vol­les Ver­trau­en“in John­son. Doch es ist die Par­tei­ba­sis der To­ries, bei der der Ex­zen­tri­ker gro­ße Be­liebt­heit ge­nießt. Noch im­mer wer­den ihm Chan­cen für das höchs­te Amt als Re­gie­rungs­chef zu­ge­rech­net.

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