Au­to­bos­se pla­nen oh­ne VDA­CHEF

Der Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie sucht nach ei­nem Nach­fol­ger für sei­nen Prä­si­den­ten Wiss­mann

Leipziger Volkszeitung - - Politik - VON DIE­TER WONKA

aus Ham­burg zur AFD:

„Der Glut­kern der AFD, der die Her­zen ih­rer An­hän­ger hö­her­schla­gen lässt, hat sich ra­di­kal ge­wan­delt. Es ist längst nicht mehr der Auf­stand ge­gen ei­ne Hau­ruck­po­li­tik in Sa­chen Eu­ro oder Flücht­lin­ge. Es ist (...) das Res­sen­ti­ment, klein­mü­tig, ge­fähr­lich und häss­lich. Die AFD ist kei­ne kon­se­quen­te­re Uni­on, dies ist ei­ne in­ne­re Feind­er­klä­rung.“

zur Bun­des­tags­wahl:

„Mer­kel wird nach mensch­li­chem Er­mes­sen auch nach der Wahl Kanz­le­rin sein. Der Haupt­grund ist die sim­ple Tat­sa­che, dass es Deutsch­land so gut geht wie nie, be­son­ders in wirt­schaft­li­cher und so­zia­ler Hin­sicht. Doch be­deu­tend ist auch Mer­kels fa­mo­se Ga­be, den Din­gen ei­nen Sinn zu ge­ben, selbst dann, wenn sie gar nicht zu­sam­men­pas­sen.“

BER­LIN.

Mat­thi­as Wiss­mann soll als Prä­si­dent des Ver­ban­des der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) vor­zei­tig ab­ge­löst wer­den. In die Nach­fol­ger­su­che sind nach In­for­ma­tio­nen des Re­dak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land (RND) Head­hun­ter ein­ge­schal­tet. Die Fäden lau­fen bei Daim­ler­boss Die­ter Zet­sche zu­sam­men.

Der VDA ist ei­ne der wich­tigs­ten Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land. Wiss­mann, ein frü­he­rer Cdu-po­li­ti­ker, ist seit dem Jahr 2007 Prä­si­dent des Ver­ban­des. Er war bis 1998 Bun­des­mi­nis­ter für Ver­kehr im letz­ten Ka­bi­nett des da­ma­li­gen Bun­des­kanz­lers Hel­mut Kohl. Der 68Jäh­ri­ge ist ne­ben sei­ner Vda-tä­tig­keit als Prä­si­dent, Auf­sichts­rat oder Bei­rat in min­des­tens acht wei­te­ren Spit­zen­un­ter- neh­men und Or­ga­ni­sa­tio­nen tä­tig. Der VDA will sich dem Ver­neh­men nach Luft ver­schaf­fen für ein neu­es Her­an­ge­hen an po­li­ti­sche The­men. Da­zu zäh­le die Ab­ar­bei­tung des Die­sel-skan­dals eben­so wie die po­li­ti­sche Be­glei­tung ei­ner mög­li­cher­wei­se grund­le­gend neu­en Aus­rich­tung der deut­schen Au­to­mo­bil­po­li­tik.

So­wohl Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel als auch Spd-her­aus­for­de­rer Mar­tin Schulz hat­ten in jüngs­ter Zeit von ei­nem En­de für den Ver­bren­nungs­mo­tor ge­spro­chen, zu dem Zeit­punkt für ei­nen voll­stän­di­gen Wech­sel auf Elek­tro­au­tos aber ge­schwie­gen.

Der Au­to­mo­bil­in­dus­trie graut es vor ei­ner Re­gie­rungs­be­tei­li­gung der Grü­nen. Dar­aus, heißt es in der Bran­che, könn­ten sich un­kal­ku­lier­ba­re zu­sätz­li­che Las­ten er­ge­ben – in ei­ner Zeit, in der die Kon­zer- ne noch im­mer un­ter den Fol­gen der selbst­ver­schul­de­ten Die­sel-kri­se lei­den. Op­ti­mal sei es, wenn par­al­lel zur neu­en Re­gie­rung in Ber­lin auch die Au­to­mo­bil­wirt­schaft den Ein­druck ei­nes Neu­an­fangs er­we­cke.

Wenn sich am Mon­tag bei Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel die Ver­tre­ter der Kom­mu­nen zur De­bat­te um in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­füh­rung tref­fen, ste­hen die dro­hen­den Fahr­ver­bo­te in luft­ver­schmutz­ten Städ­ten auf der Ta­ges­ord­nung. Die Bun­des­re­gie­rung will so schnell wie mög­lich Die­sel­fah­rern wie­der die Si­cher­heit ge­ben, zu­ge­las­se­ne Fahr­zeu­ge über­all be­nut­zen zu dür­fen.

Vor sei­nem Aus­schei­den soll Wiss­mann noch Mit­te Sep­tem­ber in Ge­gen­wart von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel die In­ter­na­tio­na­le Au­to­mo­bil-aus­stel­lung in Frankfurt be­su­chen. Par­al­lel da­zu ar­bei­ten ins­be­son­de­re die Stra­te­gie­ab­tei­lun­gen von Daim­ler, Volks­wa­gen und BMW an der per­so­nel­len Neu­auf­stel­lung.

Zu­letzt gab es di­ver­se Un­stim­mig­kei­ten zwi­schen der In­dus­trie und der Vdaspit­ze. So hat­te beim ers­ten Die­sel-gip­fel noch wäh­rend der lau­fen­den Ver­hand­lun­gen zwi­schen Wirtschaft und Po­li­tik Wiss­manns Ver­band ei­ne in­tern ab­ge­stimm­te Pres­se­er­klä­rung ver­öf­fent­licht – sehr zum Un­wil­len der Au­to­bos­se. In der De­bat­te um Kar­tell­vor­wür­fe war der ah­nungs­lo­se obers­te Au­to­lob­by­ist Wiss­mann von den Kon­zer­nen nicht über de­ren Kron­zeu­ge­n­an­trä­ge un­ter­rich­tet wor­den. Statt­des­sen hat­te er an­schlie­ßend ei­ne „Null-feh­ler-to­le­ranz“, auch was die Rechtstreue be­tref­fe, von der In­dus­trie ge­for­dert. Zet­sche kon­ter­te dies spä­ter mit der Be­mer­kung: „Ich war über­rascht über die­se Stel­lung­nah­me.“

Jetzt heißt es, der VDA müs­se „ein neu­es Bild“der In­dus­trie nach au­ßen ver­mit­teln. Der Ver­band soll­te sich „häu­ten“. Man brau­che wie­der ei­nen „wirk­lich am­tie­ren­den“Ver­bands­chef.

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