Über­nah­me von Ser­a­cell drückt Blut­bank Vi­ta 34 ins Mi­nus

Ab­fin­dun­gen für aus­ge­schie­de­ne Ma­na­ger be­las­ten Er­geb­nis / Ver­lust im ers­ten Halb­jahr

Leipziger Volkszeitung - - Wirtschaft - VON FRANK JO­HANN­SEN

LEIPZIG.

Für die Leip­zi­ger Na­bel­schnur­blut­bank Vi­ta 34 soll­te es der Start­schuss sein für neu­es Wachs­tum sein: die mil­lio­nen­schwe­re Über­nah­me des Ros­to­cker Kon­kur­ren­ten Ser­a­cell. „Nach der be­deu­tends­ten Über­nah­me in un­se­rer bis­he­ri­gen Fir­men­ge­schich­te hat Vi­ta 34 ei­ne neue Stu­fe der Un­ter­neh­mens­be­wer­tung er­reicht“, sag­te Vor­stands­chef Wolf­gang Knirsch (57).

Doch erst ein­mal drückt der Zu­kauf kräf­tig aufs Er­geb­nis: Son­der­ef­fek­te aus der Fu­si­on trei­ben das Un­ter­neh­men im ers­ten Halb­jahr in die ro­ten Zah­len, wie Knirsch ges­tern be­kannt gab. Denn zu den 14,1 Mil­lio­nen Eu­ro, die En­de Ju­ni als Kauf­preis be­zahlt wur­den, kom­men noch ein­mal 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro an Ne­ben­kos­ten hin­zu. Die Über­nah­me wird da­mit teue­rer als bis­her be­kannt.

Vor al­lem ho­he Ab­fin­dun­gen für aus­ge­wech­sel­te Ma­na­ger schla­gen ne­ga­tiv zu Bu­che. Der Lö­wen­an­teil von ei­ner Mil­li­on Eu­ro ent­fiel auf „In­te­gra­ti­ons­zah­lun­gen in­klu­si­ve Ab­fin­dun­gen und Ab­stands­zah­lun­gen“, hieß es im ges­tern vor­ge­leg­ten Halb­jah­res­be­richt. Wei­te­re 600 000 wur­den für „Ma­nage­ment­ver­än­de­run­gen“ver­an­schlagt. Ver­gleichs­wei­se be­schei­den fal­len da die sons­ti­gen Trans­ak­ti­ons­kos­ten aus. Da­für gin­gen noch ein­mal 300 000 Eu­ro drauf.

Im ers­ten Halb­jahr rutsch­te das Un­ter­neh­men da­durch in die ro­ten Zah­len: Vor Zin­sen, Steu­ern und Ab­schrei­bun­gen wur­den 0,3 Mil­lio­nen Eu­ro Mi­nus ver­bucht. Schuld sei­en aber nur die Ein­mal­ef­fek­te für die Über­nah­me von Ser­a­cell, be­ton­te Vor­stands­chef Knirsch. Da­mit soll das The­ma dann aber auch durch sein. „Wir rech­nen ab 2018 mit kei­nen wei­te­ren er­geb­nis­be­las­ten­den Son­der­ef­fek­ten aus der Ak­qui­si­ti­on.“

Und der Grund für die ho­hen Ab­fin­dun­gen? Im Ge­schäfts­be­richt ist nur von „zu­sätz­li­chen Per­so­nal­auf­wen­dun­gen auf­grund der Vor­stands­wech­sel“die Re­de. Bei der Über­nah­me war so­wohl in Ros­tock als auch in Leipzig die Spit­ze ganz oder teil- wei­se aus­ge­tauscht wor­den. Bei Vi­ta 34 muss­te Vor­stands­chef An­dré Gerth (53) sei­nen Hut neh­men. Da­bei wä­re sein Ver­trag noch bis En­de 2018 ge­lau­fen. Das dürf­te ei­ne or­dent­li­che Ab­fin­dung ge­ge­ben ha­ben. In Ros­tock ging so­gar der kom­plet­te vier­köp­fi­ge Vor­stand von Bord – in­klu­si­ve Mit­be­grün­der Ma­thi­as Freund (68) als Chef. Der hat­te das Un­ter­neh­men 2002 zu­sam­men mit Hans-die­ter Klei­ne als Aus­grün­dung der Uni­k­li­nik Ros­tock ins Le­ben ge­ru­fen. Zu­letzt hiel­ten die Grün­der noch 77 Pro­zent am Un­ter­neh­men. Ge­nau die ha­ben sie nun für 14,1 Mil­lio­nen an Vi­ta 34 ver­kauft.

We­gen der Über­nah­me hat­te Vi­ta 34 vor drei Wo­chen schon sei­ne Zie­le fürs lau­fen­de Jahr kor­ri­giert: Das Ge­winn­ziel wur­de – we­gen der Kos­ten des Zu­kaufs – um bis zu ei­ne Mil­li­on Eu­ro nach un­ten ge­schraubt. Beim Um­satz wur­de die Lat­te da­ge­gen um 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro hö­her ge­legt. Schließ­lich kommt im zwei­ten Halb­jahr der Um­satz aus Ros­tock hin­zu.

„Trotz der Ak­qui­si­ti­on ha­ben wir ope­ra­tiv stark zu­ge­legt“, er­klär­te Knirsch. Der Zu­kauf le­ge nun den Grund­stein für wei­te­res Wachs­tum. „Schon ab der zwei­ten Jah­res­hälf­te wird so die neue ope­ra­ti­ve Stär­ke von Vi­ta 34 klar nach­voll­zieh­bar sein. Mit­tel­fris­tig wach­sen wir von nun an um­satz- und vor al­lem er­geb­nis­sei­tig in ei­ne neue Grö­ßen­ord­nung.“

Vi­ta 34 war bis­her schon Deutsch­lands größ­te Na­bel­schnur­blut­bank, Ser­a­cell die Num­mer zwei. Bei­de setz­ten auf das glei­che Ge­schäfts­mo­dell: Von Neu­ge­bo­re­nen wird Na­bel­schnur­blut bei mi­nus 180 Grad ein­ge­la­gert, um es spä­ter für me­di­zi­ni­sche An­wen­dun­gen nut­zen zu kön­nen. Nach der Fu­si­on gibt es in Deutsch­land nur noch ei­nen Kon­kur­ren­ten: Eti­cur aus München.

Mit­tel­fris­tig wach­sen wir von nun an in ei­ne neue Grö­ßen­ord­nung.

Wolf­gang Knirsch, Vor­stands­chef Vi­ta 34

Fo­tos (3): Un­ter­neh­men

Im La­bor von Vi­ta 34 in Leipzig be­rei­ten Mit­ar­bei­ter Blut­prä­pa­ra­te für die Ein­la­ge­rung vor. Rechts ein Ser­a­cell-blut­beu­tel aus Ros­tock.

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