Zäu­ne in den Köp­fen

Leipziger Volkszeitung - - Kultur - VON JÜR­GEN KLEINDIENST

A i Wei­wei ist ei­ner der be­rühm­tes­ten Chi­ne­sen der Welt, zu­min­dest au­ßer­halb Chi­nas. Er ist Kon­zept­künst­ler, Bild­hau­er und Ku­ra­tor, aber auch Dis­si­dent und Ak­ti­vist – was im­mer er­wähnt wird, wenn sein Na­me fällt. Und sei­ne Na­me fällt oft. 2011 saß er in Chi­na in Haft, bis 2015 hat­te er ein Aus­rei­se­ver­bot. We­ni­ger be­kannt ist, dass schon 2010 ein As­te­ro­id des äu­ße­ren Haupt­gür­tels nach ihm be­nannt wur­de, wor­auf vie­le Kol­le­gen ein Le­ben lang ver­geb­lich war­ten müs­sen. Am Mon­tag wur­de Ai Wei­wei 60 Jah­re alt.

Manch­mal nervt er auch ein biss­chen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat er sich an den Strand von Les­bos ge­legt und ei­ne tra­gi­sche Fo­to-iko­ne nach­ge­stellt: die am Strand von Bo­drum an­ge­spül­te Lei­che des drei­jäh­ri­gen Ay­lan Kur­di. Beim Film­fest in Ve­ne­dig ist er im Wett­be­werb ver­tre­ten – mit der Do­ku­men­ta­ti­on „Hu­man Flow“, in der er von den welt­wei­ten Flucht- und Mi­gra­ti­ons­be­we­gun­gen er­zählt.

Noch be­vor der Film beim Fes­ti­val ge­lau­fen ist, sorgt Ai Wei­wei be­reits mit der nächs­ten Flücht­lings­kri­sen­kunst für Dis­kus­sio­nen, dies­mal in New York, wo er ab Ok­to­ber ein Pro­jekt mit dem Ti­tel „Gu­te Zäu­ne ma­chen gu­te Nach­barn“über die gan­ze Stadt ver­tei­len will. Wie­der geht es um die The­men Gren­zen und Mi­gra­ti­on. Auch der Tor­bo­gen des Washington Squa­res soll be­spielt wer­den. Was die Washington Squa­re As­so­cia­ti­on laut ei­nem Be­richt der „New York Ti­mes“je­doch ab­lehnt. Ei­nes der be­kann­tes­ten Wahr­zei­chen der Stadt dür­fe nicht ein­fach de­ko­riert wer­den, hieß es. Noch schwer­wie­gen­der sind viel­leicht die eben­falls ge­äu­ßer­ten Be­fürch­tun­gen, die In­stal­la­ti­on kön­ne die Weih­nachts­be­leuch­tung stö­ren.

Weih­nach­ten, Je­su Ge­burt, Mi­gra­ti­on – war da nicht was? Bit­te wei­ter­ner­ven!

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