Rin­gen um die Kunst

Streif­zug durchs Le­ben ei­nes Bild­hau­ers: „Au­gus­te Ro­din“

Leipziger Volkszeitung - - Film - VON JÖRG BRAN­DES

Au­gus­te Ro­din (Vin­cent Lin­don) ist be­reits 40, als er 1880 sei­nen ers­ten Staats­auf­trag er­hält. Und der hat es in sich. Das von Dan­tes „Gött­li­cher Ko­mö­die“in­spi­rier­te „Höl­len­tor“, vor­ge­se­hen als Bron­ze­por­tal für den Ein­gang zum neu­en Kunst­mu­se­um im Lou­vre, soll zu Rod­ins Haupt­werk wer­den. Mit ei­ner schnel­len Fer­tig­stel­lung ist nicht zu rech­nen. Ei­ne Zeit rast­lo­sen Schaf­fens be­ginnt. Ro­din ar­bei­tet par­al­lel auch noch an an­de­ren Auf­trä­gen. Zu­dem tritt sei­ne Schü­le­rin und spä­te­re Ge­lieb­te Ca­mil­le Clau­del (Izïa Hi­ge­lin) in sein Ate­lier und sein Le­ben, für die er sei­ne lang­jäh­ri­ge Part­ne­rin Ro­se Beu­ret (Sé­veri­ne Ca­nee­le) nicht auf­ge­ben will. Da bleibt pri­va­ter, aber auch künst­le­ri­scher Stress kaum aus.

Das Bio­pic von Jac­ques Doil­lon prä­sen­tiert sich als im­pres­sio­nis­ti­scher Streif­zug durch das Le­ben und Wir­ken des Bild­hau­ers, der als Weg­be­rei­ter der mo­der­nen Skulp­tur gilt. Da­bei nimmt der Re­gis­seur den Zu­schau­er nicht im­mer mit. Es ist oft schwer ein­zu­schät­zen, wie viel Zeit zwi­schen den ein­zel­nen Epi­so­den ver­gan­gen ist. Man­ches ist oh­ne ein­schlä­gi­ge Vor­kennt­nis­se kaum ein­zu­ord­nen. Häu­fig kne­tet der Meis­ter an Ton­fi­gu­ren her­um und ver­nascht ihm Mo­dell lie­gen­de Frau­en nach Fei­er­abend. Schwer­punk­te bil­den die pro­ble­ma­ti­sche Be­zie­hung zu sei­ner Mu­se und Kol­le­gin Ca­mil­le Clau­del, die sich in sei­nem Schat­ten künst­le­risch nicht wahr­ge­nom­men fühlt, so­wie das von Selbst­zwei­feln be­glei­te­te Rin­gen um ei­ne Balz­ac-sta­tue.

Im­mer­hin ge­lingt es Cha­rak­ter­kopf Vin­cent Lin­don („Der Wert des Men­schen“), Ro­din phy­si­sche Prä­senz zu ver­lei­hen. Auch der nicht ein­fa­che Cha­rak­ter des Ge­nies wird er­kenn­bar.

„Au­gus­te Ro­din“, Re­gie: Jac­ques Doil­lon, 119 Mi­nu­ten, FSK 6

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