Wil­li Steul plant Ro­man über Dschin­gis Khan

Leipziger Volkszeitung - - Medien - In­ter­view: Im­re Grimm

Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass die Nach­fra­ge für Dab+-ra­di­os re­la­tiv zü­gig nach oben geht. Die Si­gna­le wei­sen in die­se Rich­tung. Er­for­der­lich ist aber auch, dass al­le neu ver­kauf­ten Ra­di­os, ins­be­son­de­re auch in Au­tos, Dab+-fä­hig sind. Das wür­de vie­les er­leich­tern. Da ist die Po­li­tik ge­for­dert. Und dann wer­den wir uns ge­mein­schaft­lich als deut­sche Ra­dio­bran­che ent­schei­den müs­sen, ob wir die­sen Weg be­schrei­ten – ob al­so DAB+ der neue Stan­dard wird. Wir ha­ben als Ra­dio­ma­cher ein In­ter­es­se dar­an, dass die Ei­gen­stän­dig­keit des Me­di­ums Ra­dio er­hal­ten bleibt. Uns geht es auch um die An­fass­bar­keit, die hap­ti­sche Ei­gen­stän­dig­keit des Ra­dio­ge­rä­tes. Wenn Ra­dio nur noch ei­ne von zahl­rei­chen Un­ter­funk­tio­nen auf Smart­pho­nes oder Ta­blets wür­de, wä­re das nicht so wahn­sin­nig at­trak­tiv. Das gä­be die­sem Me­di­um ei­ne Flüch­tig­keit, die es nicht ver­dient. Nein, das fin­de ich nicht. Wenn Sie die Emp­fangs­fä­hig­keit si­cher hal­ten wol­len, brau­chen Sie ein ei­ge­nes Ge­rät und ei­ne ei­ge­ne Aus­spiel­tech­no­lo­gie. In­ter­ne­tra­di­os sind nicht emp­fangs­si­cher. Ich ha­be selbst Si­tua­tio­nen er­lebt, in de­nen das Netz über­las­tet ist. Dann ist der Emp­fang weg. Ich hal­te die Vor­tei­le von DAB+ für be­acht­lich. Wenn wir auf die nächs­ten Jahr­zehn­te gu­cken, könn­te das die tech­no­lo­gi­sche Lö­sung sein für die Zeit nach dem ak­tu­el­len Stan­dard UKW – ei­ner der letz­ten ana­lo­gen In­seln – und dem, was dann mög­li­cher­wei­se ir­gend­wann kommt. Wir ha­ben ja schon viel ge­tan. Und selbst bei Pri­vat­sen­dern, die lan­ge skep­tisch wa­ren, denkt man in­zwi­schen über ei­nen Ein­stieg nach. Ich se­he ei­ne leich­te Ten­denz hin zu ei­ner Ei­ni­gung auf DAB+. Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass die­ser Stan­dard kommt. Wich­tig wird sein, dass das auch in Au­tos se­ri­en­mä­ßig ein­ge­baut wird. Ich selbst ha­be DAB+ im Au­to und kann nur sa­gen: Das ist ein ech­ter Zu­ge­winn. Der Ra­dio­preis hat sich stark ent­wi­ckelt – als Ge­mein­schafts­leis­tung der Bran­che. Wir woll­ten 2010, dass er ei­ne dau­er­haf­te In­sti­tu­ti­on wird. Es wä­re miss­lich ge­we­sen, wenn wir da­mals nur ei­ne Stich­flam­me in den Him­mel ge­jagt hät­ten, und dann wä­re wie­der Schluss ge­we­sen. Wir ge­hen in die Elb­phil­har­mo­nie. Wir wa­ren sie­ben Jah­re im Schup­pen 52 am Süd­ufer der El­be in Ham­burg und ha­ben auf das Wach­sen und Wer­den des Kon­zert­hau­ses ge­schaut. Wir sind die ers­te gro­ße deut­sche Ga­la, die da rein­geht. Dar­aus er­gibt sich auch ein et­was an­ders ak­zen­tu­ier­tes Pro­gramm: Zu Be­ginn spielt die NDR Ra­dio­phil­har­mo­nie aus Hannover – ge­mein­sam mit drei der er­folg­reichs­ten deut­schen Pop­stars des Jah­res: Win­cent Weiss, Jo­han­nes Oer­ding und Adel Ta­wil. Ni­gel Ken­ne­dy wird ein So­lo spie­len – un­ver­stärkt. Und ganz am En­de wird die Ab­ba-le­gen­de Ben­ny An­ders­son am Kla­vier „Thank You For The Mu­sic“spie­len. Und wir ha­ben ei­ne er­freu­lich bun­te Mi­schung von Lau­da­to­ren, da­zu ge­hö­ren Schau­spie­ler Jan Jo­sef Lie­fers, Bun­des­bank-prä­si­dent Jens Weid­mann und Co­me­di­an Micha­el Mit­ter­mei­er. Aber es bleibt ein ein­ma­li­ges Un­ter­fan­gen: 2018 sind wir wie­der im Schup­pen. Seit 2008 ist Joa­chim Knuth Ndrpro­gramm­di­rek­tor Hör­funk und ver­ant­wort­lich für den Be­reich Orches­ter und Chor so­wie den Pro­gramm­be­reich On­li­ne und Mul­ti­me­dia. Er wur­de am 14. April 1959 in Kiel ge­bo­ren. Er stu­dier­te po­li­ti­sche Wis­sen­schaft, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft und Ge­schich­te in München und in Aus­tin/ Te­xas und be­such­te die Deut­sche Jour­na­lis­ten­schu­le in München. Wir wer­den für un­se­re jour­na­lis­ti­schen und künst­le­ri­schen Ra­dio­an­ge­bo­te in die­sem Jahr noch ein Ge­mein­schafts­an­ge­bot der ARD prä­sen­tie­ren. Mit ei­ner App – der „Ard-au­dio­thek“– wol­len wir die bes­ten Wor­tin­hal­te aus un­se­rem Pro­gramm bün­deln. In dem The­ma ist Be­we­gung drin. De­tails wer­den wir im Herbst vor­stel­len. Ndr-in­ten­dant Lutz Mar­mor und ich ha­ben ei­ne Be­stands­ga­ran­tie für die Mu­si­k­en­sem­bles ab­ge­ge­ben für den Zei­t­raum, den wir ab­se­hen kön­nen. Wir ha­ben zwei au­ßer­or­dent­lich gu­te Sym­pho­nie­or­ches­ter: die NDR Ra­dio­phil­har­mo­nie in Hannover und das NDR Elb­phil­har­mo­nie Orches­ter in Ham­burg. Das ge­mein­sa­me Ziel von Lutz Mar­mor und mir ist, dass die En­sem­bles un­ter dem Dach des NDR auch im nächs­ten Jahr­zehnt er­hal­ten blei­ben. Ich kann nur da­vor war­nen, sol­che Orches­ter ab­schaf­fen zu wol­len. Das wä­re ein gro­ßer Ver­lust für die Kul­tur in Nord­deutsch­land.

BER­LIN.

Deutsch­land­ra­dio-in­ten­dant Wil­li Steul hat sich für den Ru­he­stand ei­ni­ges vor­ge­nom­men. Am Don­ners­tag ist sein letz­ter Ar­beits­tag, am kom­men­den Mitt­woch (6. Sep­tem­ber) wird der lang­jäh­ri­ge Jour­na­list in Ber­lin of­fi­zi­ell ver­ab­schie­det. Der 66-Jäh­ri­ge will die Zeit da­nach nach ei­ge­ner Aus­sa­ge nicht zu­letzt zum Bü­cher­schrei­ben nut­zen. Zwei Pro­jek­te hat er be­reits fest ins Au­ge ge­fasst. Der Frank­reich­ken­ner und pro­mo­vier­te Eth­no­lo­ge plant ein Sach­buch über die Ge­schich­te der St­au­fer in der Pro­vence. Eben­falls auf der To-do-lis­te für den Ru­he­stand steht ein Ro­man über den Mon­go­len­herr­scher Dschin­gis Khan.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.