SPD fährt kurz vor der Wahl Ach­ter­bahn – ent­schei­den am En­de die Al­ten al­les?

So­zi­al­de­mo­kra­ten in Um­fra­gen zwi­schen 20 und 23 Pro­zent / 36 Pro­zent der Wäh­ler sind 60 und äl­ter

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANITA KECKE

BER­LIN. Knapp ei­ne Wo­che vor der Bun­des­tags­wahl er­le­ben die So­zi­al­de­mo­kra­ten ei­ne Ach­ter­bahn­fahrt. Im „Deutsch­land­trend“der ARD am Don­ners­tag sack­te die SPD auf sa­ge und schrei­be 20 Pro­zent ab. Dies war ihr schwächs­ter Wert seit Ja­nu­ar und zugleich im „Deutsch­land­trend“ge­ne­rell. Ges­tern ha­ben die Zu­stim­mungs­wer­te für die So­zi­al­de­mo­kra­ten wie­der nach oben ge­zeigt. Im Zdf-po­lit­ba­ro­me­ter stieg die SPD in der Sonn­tags­fra­ge um ei­nen Pro­zent­punkt auf 23 Pro­zent. Da­ge­gen fiel die Uni­on, die bei der ARD auf 37 Pro­zent kam, beim ZDF auf 36 Pro­zent ab (mi­nus 2). Auf Platz 3 la­gen FDP und AFD gleich­auf mit je­weils 10 Pro­zent (bei­de plus 1). Lin­ke und Grü­ne ver­harr­ten un­ver­än­dert bei 9 be­zie­hungs­wei­se 8 Pro­zent.

Ne­ben ei­ner Gro­ßen Ko­ali­ti­on wä­re laut Po­lit­ba­ro­me­ter auch ei­ne so­ge­nann­te Ja­mai­ka-ko­ali­ti­on aus CDU, FDP und Grü­nen mög­lich. Für al­le an­de­ren rea­lis­ti­schen Mög­lich­kei­ten gibt es der Um­fra­ge zu­fol­ge kei­ne Mehr­heit. Bei­de Ko­ali­tio­nen wer­den aber in den Um­fra­gen mehr­heit­lich ab­ge­lehnt. Nur 25 Pro­zent der Be­frag­ten wür­den ei­ne Ja­mai­ka-ko­ali­ti­on gut fin­den. 52 Pro­zent leh­nen sie ab. Ei­ne Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on kommt im­mer­hin auf 40 Pro­zent Zu­stim­mung. 42 Pro­zent der Be­frag­ten fin­den sie schlecht.

Fast kei­ne Ve­rän­de­rung gibt es im Po­lit­ba­ro­me­ter bei der Fra­ge nach dem ge­wünsch­ten Kanz­ler: 56 Pro­zent (mi­nus 1) wün­schen sich An­ge­la Mer­kel wei­ter im Amt, 32 Pro­zent (mi­nus 1) hät­ten lie­ber Mar­tin Schulz als nächs­ten Bun­des­kanz­ler. Das ist ein wei­te­rer Dämp­fer für die SPD, die der­zeit noch deut­lich un­ter ih­rem be­reits schwa­chen Ab­schnei­den bei der Bun­des­tags­wahl 2013 (25,7 Pro­zent) liegt. Schon vor vier Jah­ren zeig­te sich er­neut die be­son­de­re Schwä­che der SPD im Os­ten, wo sie in Sach­sen zur Bun­des­tags­wahl nur 14,6 und in Thü­rin­gen le­dig­lich 16,1 Pro­zent schaff­te. Von ih­rem bun­des­wei­ten Traum­er­geb­nis von 1998 (40,9 Pro­zent) sind die So­zi­al­de­mo­kra­ten je­den­falls mei­len­weit ent­fernt.

Die AFD, die der­zeit um Platz drei kämpft und vor al­lem im Os­ten Zu­lauf hat, er­reich­te 2013 bun­des­weit nur 4,7 Pro­zent, in Sach­sen 6,8 und in Thü­rin­gen 6,2 Pro­zent.

Erst­mals in der Ge­schich­te der Bun­des­tags­wah­len ha­ben am Sonn­tag in ei­ner Wo­che die äl­tes­ten Wäh­ler zah­len­mä­ßig die Na­se vorn. Das be­rich­tet das Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land un­ter Hin­den weis auf sta­tis­ti­sches Ma­te­ri­al des Bun­des­wahl­lei­ters. Da­nach sind dies­mal 36,1 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten 60 Jah­re und äl­ter. Die über vie­le Jah­re do­mi­nie­ren­de Grup­pe der 40- bis 59-Jäh­ri­gen ist mit 34,7 Pro­zent nur noch zweit­stärks­te Kraft. Auf Platz drei lan­den die 18- bis 39Jäh­ri­gen mit 29,3 Pro­zent.

Die Do­mi­nanz der Äl­te­ren wächst auch in den nächs­ten Jah­ren wei­ter. Schon bei der Bun­des­tags­wahl 2021 wird die Grup­pe, die jetzt nur knapp die Na­se vorn hat, die mitt­le­ren und jün­ge­ren Jahr­gän­ge mit noch deut­li­che­rem Ab­stand ab­hän­gen.

Trotz der schwa­chen Wahl­aus­sich­ten für die So­zi­al­de­mo­kra­ten gibt Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el die Hoff­nung auf ei­ne Spd-ge­führ­te Bun­des­re­gie­rung nicht ganz auf. Er set­ze auf ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on aus SPD, FDP und Grü­nen, sag­te er dem Sen­der SWR.

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