Hu­ma­nis­ti­sche Hof­nar­ren

„Die Par­tei“po­la­ri­siert – un/ er­füllt /och ei­ne Funk­ti­on im Wahl­kampf

Leipziger Volkszeitung - - BLICKPUNKT U -

BER­LIN. Ist es zy­nisch und men­schen­ver­ach­tend, mit dem Bild des er­trun­ke­nen Drei­jäh­ri­gen Alan Kur­di Wahl­kampf zu ma­chen? Oder ist es ge­nau das, was Sa­ti­re tun muss? Am Pla­kat des Dresd­ner Kreis­ver­ban­des der Sa­ti­re­grup­pe „Die Par­tei“schei­den sich die Geis­ter. Dar­un­ter steht in Ab­wand­lung des CDUWahl­slo­gans der Satz: „Für ei­nen Strand, an dem wir gut und ger­ne lie­gen.“

Für „Par­tei“-chef Mar­tin Son­ne­born ist das ge­nau der Satz, der im Wahl­kampf bis­her fehl­te. „Es ster­ben Men­schen im Mit­tel­meer, weil wir hier in Be­quem­lich­keit und Lu­xus le­ben. Das müss­te ei­gent­lich the­ma­ti­siert wer­den in ei­ner De­mo­kra­tie, die nicht nur auf die nächs­ten paar Jah­re schaut. Das wird es aber nicht.“Für ihn ist die­ses Pla­kat nicht zy­nisch, son­dern hu­ma­nis­tisch.

Und den­noch wird die „Par­tei“der­zeit so stark wie noch nie an­ge­fein­det. In die­ser Wahl ge­he es um zu viel, als dass der Wäh­ler sei­ne Stim­me an ei­ne Spaß­par­tei ver­schleu­dern dür­fe, sa­gen Kri­ti­ker. Der Po­li­to­lo­ge Wer­ner Pat­zelt wi­der­spricht: „Die Par­tei spielt die Rol­le, die frü­her der Hof­narr bei Fürs­ten hat­te.“Von die­sen Hof­nar­ren gibt es in­zwi­schen 24 000, so vie­le Mit­glie­der zählt die Par­tei heu­te – mit ei­nem Par­tei­pro­gramm von 4931 Zei­chen, zwei­ein­halb­mal so lang wie die­ser Text hier. Laut ei­ner Bp-ge­sell­schafts­stu- die von 2013 ist der über­wie­gen­de Teil der Par­tei­mit­glie­der männ­lich, mit­tel­alt, über­durch­schnitt­lich ge­bil­det, kin­de­r­und kon­fes­si­ons­los, al­lein­le­bend, Städ­ter und durch­schnitt­lich ver­die­nend. Die Ak­ti­vis­ten sind durch­aus po­li­tisch in­ter­es­siert – und ein biss­chen ar­ro­gant: Sie schät­zen sich laut Stu­die als über­durch­schnitt­lich auf­ge­klärt, kri­tisch und re­flek­tiert ein.

Son­ne­born weist Kri­tik an sei­ner „Par­tei“zu­rück. Man müs­se sie ja nicht wäh­len, aber wen denn sonst? „Wenn es ei­ne funk­tio­nie­ren­de Al­ter­na­ti­ve zu Mer­kel und dem un­so­zia­len CDU-KURS gä­be, ei­ne ehr­ba­re Par­tei, wä­re ich der Ers­te, der sie wäh­len wür­de“, sagt er. Den Vor­wurf, le­dig­lich ei­ne Spaß­par­tei zu sein, lässt der Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te auch nicht gel­ten. Die „Par­tei“ha­be schließ­lich mit den Mit­teln der Sa­ti­re auf den du­bio­sen „Gold­shop“der AFD hin­ge­wie­sen. Bit­te­re Iro­nie da­bei: Die Bun­des­tags­ver­wal­tung for­dert nicht von der AFD, son­dern von Son­ne­borns Leu­ten Straf­zah­lun­gen. Am Don­ners­tag lan­det der Fall vor Ge­richt.

Fo­to: LVZ

Spaß oder Ernst? Die „Par­tei“re­kla­miert für sich, mehr als nur Wit­ze­rei­ßer zu sein.

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