OBM hofft auf zen­tra­len Ge­denk­ort

Für die Gestal­tung des Mat­thäi­kirch­hofs er­hofft sich Burk­hard Jung (SPD) ei­nen gro­ßen Auf­schlag

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON BJÖRN MEI­NE

Für die Gestal­tung des Mat­thäi­kirch­hofs er­hofft sich Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Jung (SPD) ei­nen gro­ßen Auf­schlag. Op­ti­mal wä­re aus Sicht des Stadt­chefs ein zen­tra­ler Ge­denk­ort an die­ser Stel­le – be­ste­hend aus dem zen­tra­len säch­si­schen Stand­ort für die Sta­si-un­ter­la­gen, ei­nem Platz für al­le Initia­ti­ven, Ver­ei­ne und Ver­bän­de und vi­el­leicht auch für ein künf­ti­ges Frei­heits- und Ein­heits­denk­mal. In die­sem Zu­sam­men­hang lie­ße sich das ge­sam­te En­sem­ble ge­stal­ten, sag­te Jung der LVZ.

Die Vi­si­on des Ober­bür­ger­meis­ters: „Ein Ort, an dem über Frei­heit, Men­schen­rech­te und De­mo­kra­tie dis­ku­tiert wird und auch deut­lich ge­macht wer­den kann, was ihr Feh­len be­deu­ten wür­de. Ein Ort, der zeigt, was Men­schen schaf­fen kön­nen, wenn sie ihr Herz in die Hand neh­men und mu­tig ein Sys­tem hin­weg­fe­gen. Ein Ort mit der Run­den Ecke als zen­tra­ler his­to­ri­scher Stät­te. Mit ei­nem sehr an­spre­chen­den Ar­chiv­neu­bau für die Sta­si-un­ter­la­gen, der für Be­geg­nung und Dis­kurs of­fen steht.“Er hof­fe, dass in die­sem Kom­plex al­le zu­sam­men­fin­den, die sich in der Stadt mit De­mo­kra­tie und Fried­li­cher Re­vo­lu­ti­on be­schäf­ti­gen – vom Bür­ger­ar­chiv, über das Schul­mu­se­um bis hin zur Stif­tung Fried­li­che Re­vo­lu­ti­on. Bei ei­ner ent­spre­chen­den Gestal­tung kön­ne ei­ne neue We­ge­ver­bin­dung über die Klin­ger-trep­pe zur In­nen­stadt ent­ste­hen, „ein frei­er of­fe­ner Platz um das Ar­chiv her­um“. Die In­nen­stadt kön­ne sich ar­chi­tek­to­nisch an­spre­chend mit Woh­nen und Ge­wer­be über die Flei­scher­gas­se bis zum Wa­gner-platz wei­ter­ent­wi­ckeln.

Der Ober­bür­ger­meis­ter spricht sich für ei­nen Teil­a­briss des al­ten Sta­si-ge­bäu­des aus. Jung: „Wir re­den über den Grün­dungs­ort Leip­zigs, den wahr­schein­lich äl­tes­ten Teil die­ser Stadt – und just da war die Sta­si-zen­tra­le. Man soll­te den Block auf das Not­wen­digs­te re­du­zie­ren. Wir brau­chen jetzt ei­ne städ­te­bau­li­che Ent­wick­lung mit gu­ten Ar­chi­tek­tur­ent­wür­fen, die die Fra­ge dis­ku­tie­ren: Was kann weg, was soll blei­ben? Wir bie­ten dem Bund an: Baut das zen­tra­le Sta­si-ar­chiv des Bun­des­be­auf­trag­ten für Sach­sen auf die­sem Ge­län­de. An zen­tra­ler Stel­le, an his­to­ri­schem Ort, dort, wo Men­schen 1989 die Ker­zen ab­ge­stellt ha­ben. Und in Ver­bin­dung mit ei­nem gan­zen Are­al der Er­in­ne­rungs­kul­tur und des de­mo­kra­ti­schen Ge­gen­warts- und Zu­kunfts­dis­kur­ses.“

Mit Blick auf die Gestal­tung ei­nes mög­li­chen Frei­heits- und Ein­heits­denk­mals sei es rich­tig, die „Stif­tung Fried­li­che Re­vo­lu­ti­on“zu be­auf­tra­gen. „Ei­ne gro­ße Mehr­heit in der Stadt fin­det es gut, das Denk­mals­the­ma zi­vil­ge­sell­schaft­lich zu ver­or­ten und der Stif­tung zu über­tra­gen.“Er hof­fe, dass die Stadt da­zu ei­ne Stel­le fi­nan­zie­ren kann, um den Pro­zess zu ge­stal­ten, um Ide­en­wett­be­wer­be und ei­ne Bür­ger­be­tei­li­gung zu or­ga­ni­sie­ren, sag­te Jung. Zwar ge­hö­re die Gestal­tung ei­nes Denk­mals in die Hän­de von Künst­lern. „Aber ob, wo und wie ein Denk­mal kommt, dar­über sol­len und müs­sen die Bür­ger mit­be­stim­men“, so der OBM. „Man kann nicht ir­gend­was bau­en – und am En­de gibt es über­haupt kei­ne Ak­zep­tanz. Ich er­hof­fe mir von dem neu­en Pro­zess, dass die Stif­tung an­ders an­ge­se­hen wird, als wenn die Stadt­ver­wal­tung das The­ma an­treibt. Die Stif­tung kann dar­über an­ders mit den Men­schen dis­ku­tie­ren.“

Man müs­se aber bei al­lem die Gestal­tung des Mat­thäi­kirch­hofs von der Denk­mals­fra­ge ge­trennt be­han­deln, be­ton­te Burk­hard Jung. „Die ak­tu­el­le Vor­la­ge für den Stadt­rat be­han­delt Mat­thäi­kirch­hof und Denk­mal zu­sam­men. Ich ha­be der CDU zu­ge­sagt, dass wir zwei Vor­la­gen dar­aus ma­chen: ei­ne zum Mat­thäi­kirch­hof, ei­ne zum Denk­mal. Das macht Sinn, es sind zwei Ent­schei­dun­gen, die man tren­nen soll­te.“

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