Sen­sa­tio­nel­les rund um Ram­ses II.

Team um Leip­zi­ger Ägyp­to­lo­gen Dietrich Raue ent­deckt am eins­ti­gen Son­nen­tem­pel wei­te­re Fund­stü­cke

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MA­RIO BECK

N eue ar­chäo­lo­gi­sche High­lights aus He­lio­po­lis: Dort, wo einst der präch­ti­ge Son­nen­tem­pel als re­li­giö­ses Zen­trum im al­ten Ägyp­ten stand, hat ein vom Leip­zi­ger Ägyp­to­lo­gen Dietrich Raue ge­lei­te­tes For­scher­team in Kai­ro wei­te­re spek­ta­ku­lä­re Fun­de zu­ta­ge ge­för­dert.

Bei der jüngs­ten Gra­bungs­kam­pa­gne tauch­ten un­ter an­de­rem Frag­men­te ei­ner Ko­los­sal­sta­tue von Ram­ses II. auf, der das Reich am Nil von 1272 bis 1213 vor Chris­tus re­gier­te und den He­lio­po­lis-tem­pel bau­lich er­blü­hen ließ. Um dem Herr­scher ein Denk­mal zu set­zen, sei die aus Ro­sen­gra­nit ge­fer­tig­te Sta­tue um 1250 vor Chris­tus mit gro­ßer Kunst­fer­tig­keit ge­schaf­fen wor­den, sag­te Raue, der an der Leip­zi­ger Uni als Kustos des Ägyp­ti­schen Mu­se­ums wirkt und schon seit 2010 re­gel­mä­ßig das ge­schichts­träch­ti­ge Ter­rain in Kai­ro be­ackert. Part­ner vor Ort ist der ein­hei­mi­sche Spe­zia­list Ay­man Ash­ma­wy. Ver­eint hat­ten sie im März 2017 für ei­nen Pau­ken­schlag ge­sorgt.

Da­mals ent­deck­ten sie in meh­re­ren Me­tern Tie­fe ei­ne mo­nu­men­ta­le Skulp­tur von Psam­me­tich I., der von 664 bis 610 vor Chris­tus als Pha­rao das Zep­ter schwang und un­ter des­sen Pa­tro­nat die Be­set­zung durch die As­sy­rer be­en­det wur­de. Aus Quar­zit her­ge­stellt, war die Sta­tue einst neun Me­ter hoch. Den Kopf mit Kro­ne und den Tor­so konn­ten Raue und Kol­le­gen im Früh­jahr ding­fest ma­chen, jetzt fan­den sie fast 2000 wei­te­re Tei­le. Dar­un­ter zwei Ze­hen. „Wir müs­sen nun puz­zeln und ver­su­chen, al­les zu­sam­men­zu­set­zen.“Als durch­aus spek­ta­ku­lär wer­den auch wei­te­re Ar­te­fak­te ein­ge­stuft, die die deutsch-ägyp­ti­sche Wis­sen­schaft­ler­grup­pe jüngst aus dem Bo­den hol­te.

Die Res­te ei­ner rie­si­gen Sphinx konn­ten auf dem von Über­bau­ung be­droh­ten Son­nen­tem­pel-are­al eben­so ge­bor­gen wer­den wie die Bruch­stü­cke ei­nes sti­li­sier­ten Fal­ken, der einst bis zu sechs Me­ter groß war. „Die Viel­falt und die Aus­ma­ße der Fun­de er­öff­nen uns neue Mög­lich­kei­ten, die ur­sprüng­li­che Gestalt des Tem­pels zu re­kon­stru­ie­ren“, er­klär­te Raue.

Fo­to: Dietrich Raue

Auch die­ses Teil ei­ner Hei­ler-sta­tue aus dem 4. Jahr­hun­dert vor Chris­tus wur­de von den For­schern ge­fun­den.

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