LA LA LAND IN CONCERT

Are­na Leip­zig zeigt Mu­si­cal-film, der live von Sym­pho­nie­or­ches­ter be­glei­tet wird

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON THE­RE­SA HELD

Ryan Gos­ling bringt als Se­bas­ti­an die Her­zen vie­ler Frau­en zum Schmel­zen. Em­ma Sto­ne ver­kör­pert die jun­ge Schau­spie­le­rin Mia bril­lant und wird da­für mit dem Os­car be­lohnt. Aber „La La Land“wä­re kein Pu­bli­kums­ma­gnet oh­ne die eben­falls Os­car-prä­mier­te Film­mu­sik von Jus­tin Hur­witz. Die geht ins Ohr, da­von lebt die Lie­bes­ge­schich­te. „Ci­ty of Stars“, „Ano­ther Day of Sun“: Sämt­li­che Ohr­wür­mer sind gleich­zei­tig fröh­lich und trau­rig, hoff­nungs­voll und me­lan­cho­lisch, fin­det Hur­witz. „Ich den­ke, ge­nau das ist doch das Le­ben.“

In „La La Land in Concert“wird die auf­blü­hen­de, manch­mal nach­denk­li­che Mu­sik von ei­nem Sym­pho­nie­or­ches­ter un­ter­stri­chen. Bass­gi­tar­re, akus­ti­sche Gi­tar­re, Schlag­zeug, Har­fe und zwei Kla­vie­re er­gän­zen die klas­si­sche Be­set­zung. Das Licht geht aus, ge­spann­tes War­ten des Pu­bli­kums. Ei­ne Frau trägt das gel­be Kleid, mit dem bald auch Em­ma Sto­ne über die Lein­wand tanzt. Ei­ne fei­er­li­che At­mo­sphä­re macht sich beim Ki­no­be­such in der Kon­zert­hal­le breit. Das Orches­ter setzt an, der Film be­ginnt.

Rund hun­dert Mu­si­ker spie­len bei­na­he oh­ne Pau­se den Sound­track live zum Film, der auf Groß­lein­wand läuft – punkt- ge­nau und im­po­sant. Da ist Mia, die kei­ne Lust hat aus­zu­ge­hen und von ih­ren Mit­be­woh­ne­rin­nen über­re­det wird – mu­si­ka­lisch, ver­steht sich. „Man kann den Film auf der Lein­wand ver­fol­gen oder aber den Mu­si­kern zu­se­hen“, sagt Kom­po­nist Hur­witz. Er hat meh­re­re Jah­re an den ein­gän­gi­gen und stim­mungs­vol­len Me­lo­di­en für den Film ge­ar­bei­tet. In „La La Land“floß viel Herz­blut, es sei har­te Ar­beit ge­we­sen, ge­nau die rich­ti­gen Tö­ne zu fin­den, sagt Hur­witz. Re­gis­seur Da­mi­en Cha­zel­le und der Kom­po­nist ken­nen sich aus dem Stu­di­um, sie ver­bin­det die Lie­be zur Film­mu­sik. Und ei­ne Freund­schaft.

Am 9. Ja­nu­ar tritt das Tsche­chi­sche Na­tio­na­le Sym­pho­nie­or­ches­ter in der Are­na in Leip­zig auf und spielt live zum hoch­ge­lob­ten Mu­si­cal-film. Bei der Eu­ro­pa­pre­mie­re des Pro­jekts in Man­ches­ter spiel­te das No­vel­lo Orches­tra zum Film.

Be­son­ders die Ge­nau­ig­keit, mit der die So­lis­ten an Kla­vier und Trom­pe­te ex­akt zu den Mu­sik­sze­nen ein­set­zen, ist be­ein­dru­ckend. Erst die Tech­nik er­mög­licht das: Auf Bild­schir­men vor Di­ri­gent Da­vid Maho­ney und den Mu­si­kern läuft der Film, ein vi­su­el­les Me­tro­nom schlägt den Takt, die Stimm­füh­rer tra­gen zu­dem Kopf­hö­rer. Takt­wech­sel sind da­durch sehr sau­ber. Das ist auch un­er­läss­lich. Feh­ler wür­den hier so­fort ins Ge­wicht fal­len: Im­mer­hin spielt das Orches­ter live zum Ge­sang von Em­ma Sto­ne, Ryan Gos­ling und John Le­gend.

Ex­ak­ter könn­te der Pia­nist Tomáš Kle­ment zum läs­sig am Kla­vier sit­zen­den Se­bas­ti­an gar nicht spie­len. Blickt man zu dem Live-mu­si­ker auf der Büh­ne der Bridge­wa­ter-hall in Man­ches­ter, so meint man, tat­säch­lich den Schau­spie­ler vor

sich zu ha­ben. Nicht nur die Mu­sik hat Kle­ment ver­in­ner­licht, schein­bar auch die Rol­le sei­nes Lein­wand-dou­bles.

Ge­ra­de zu Be­ginn des Films wird viel ge­sun­gen. Die Mi­schung aus den et­was über­steu­er­ten Sän­gern und der Be­glei­tung durch das pom­pö­se Orches­ter über­for­dert die Sin­ne der Zu­schau­er bei­na­he. Dann, die Hand­lung auf der Lein­wand ge­winnt an Fahrt, fin­den die Strei­cher das woh­lig ro­man­ti­sche Ge­fühl des Films. Sie tas­ten sich ge­fühl­voll an der Hand­lung ent­lang.

Mia und Se­bas­ti­an step­pen im Mor­gen­grau­en durch Los An­ge­les, ge­hen ins Ki­no und ent­de­cken die Lie­be zu­ein­an­der. Se­bas­ti­an führt Mia in die Welt des Jazz ein: Die Blä­ser des Orches­ters fan­gen die­se ver­ruch­te Stim­mung rund um Ryan Gos­ling ein und schmet­tern sie de­zent den Zu­schau­er­rän­gen ent­ge­gen. Man hat Lust, auf sei­nem Sitz im Takt zu wip­pen. Gleich­zei­tig kann man den Blick nicht vom Pia­nis­ten wen­den.

Die Be­set­zung setzt kurz vor der Pau­se an zum Hö­hen­flug und Mia und Seb schwe­ben auf der Lein­wand durchs Pla­ne­ta­ri­um. Dann küs­sen sie sich – wie soll­te es an­ders sein. Ap­plaus schwillt an, im Foy­er fließt Sekt. Es ist kein ge­wöhn­li­cher Ki­no­abend. Eher ein fest­li­cher Abend für Lieb­ha­ber der Film­mu­sik.

Auf der Lein­wand wird in La La Land wei­ter ge­sun­gen, ge­tanzt, ge­schmach­tet und ver­zwei­felt. Ins­ge­samt ist die zwei­te Hälf­te des Films aber we­ni­ger kit­schig, ra­san­ter und das über­ra­schen­de En­de hat dem ver­träum­ten Werk wohl die Os­cars ein­ge­bracht.

Mu­si­ka­lisch über­zeugt ein Trom­pe­ten­so­lo. Auch Gi­tar­re, Bass­gi­tar­re und klas­si­sches Schlag­zeug sind bei­na­he im Dau­er­ein­satz. Fi­na­le. Mia be­sucht mit ih­rem Mann Sebs Jazz­club und spielt in Ge­dan­ken sämt­li­che Even­tua­li­tä­ten ei­nes an­de­ren Le­bens durch. Bei die­sen sur­rea­len Ein­stel­lun­gen – im­mer mit gran­dio­ser Ka­me­ra­füh­rung – wer­den erst durch die sau­ber zum Hö­he­punkt hin­spie­len­den In­stru­men­te die Nuan­cen der Kom­po­si­ti­on Hur­witz’ hör­bar. Da­durch wirkt ge­ra­de die­ser Teil des Films mit Orches­ter we­sent­lich ein­drucks­vol­ler und dif­fe­ren­zier­ter als oh­ne. Die Mu­sik geht un­ter die Haut. Die akus­ti­schen Schwin­gun­gen lie­gen förm­lich in der Luft. Der mu­si­ka­lisch be­we­gen­de Ab­spann ging in Man­ches­ter lei­der im Ap­plaus und den Stan­ding Ova­tions des vor­wie­gend jun­gen Pu­bli­kums un­ter.

Durch die mu­si­ka­li­sche Kom­po­nen­te ge­winnt der mit sechs Os­cars aus­ge­zeich­ne­te Film von Da­mi­en Cha­zel­le zu­sätz­lich an Stim­mung. Den­noch las­sen sich der hüb­sche Ryan Gos­ling und die schau­spie­le­risch ta­len­tier­te Em­ma Sto­ne die Show nicht steh­len.

 „La La Land in Concert“gas­tiert am

8. Ja­nu­ar im Tem­po­drom Ber­lin und am

9. Ja­nu­ar in der Are­na Leip­zig. Kar­ten zwi­schen 64 und 98 Eu­ro gibt es un­ter an­de­rem in der Ti­cket­ga­le­rie, in den Lvz-ge­schäfts­stel­len un­ter der ge­büh­ren­frei­en Ti­cket-hot­li­ne 0800 2181050 und www.ti­cket­ga­le­rie.de.

„Man kann den Film auf der Lein­wand ver­fol­gen oder aber den Mu­si­kern zu­se­hen.“Jus­tin Hur­witz, Kom­po­nist

Fo­to: PR

Nicht ein­mal ein kom­plet­tes Orches­ter stiehlt ih­nen die Show: Ryan Gos­ling und Em­ma Sto­ne schmach­ten aus der Kon­ser­ve, die Mu­sik da­zu er­tönt live.

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