Trai­ning wie ein Spit­zen­sport­ler

Lu­kas Heyn aus dem west­säch­si­schen Har­ten­stein kämpft ab Sonn­tag bei der Be­ru­fe-wm in Abu Dha­bi um Gold

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON CLAU­DIA DRESCHER

HAR­TEN­STEIN. Wö­chent­li­ches Trai­ning, da­zu das Bie­gen, Ver­pres­sen und Lö­ten von Kup­fer­roh­ren nach Fei­er­abend und nicht zu ver­ges­sen, kei­ne Par­tys, kein Al­ko­hol. Der Sach­se Lu­kas Heyn hat sich wie ein Spit­zen­sport­ler auf die Welt­meis­ter­schaft der Be­ru­fe vor­be­rei­tet. Von Sonn­tag an muss der An­la­gen­me­cha­ni­ker al­les Ge­lern­te mög­lichst feh­ler­frei um­set­zen, um sein Ziel bei den 44. World Skills in Abu Dha­bi zu er­rei­chen: Gold. „Wir wol­len den Ti­tel“, sa­gen der 21-Jäh­ri­ge und sein Trai­ner An­dré Schna­bel uni­so­no.

Es wä­re die ers­te Ti­tel­ver­tei­di­gung für das Sa­ni­tär-, Hei­zungs- und Kli­ma­hand­werk (SHK) in 65 Jah­ren World-skills-ge­schich­te. Vor zwei Jah­ren stürm­te Nat­ha­na­el Lie­ber­geld aus Aue im bra­si­lia­ni­schen São Pau­lo ganz hoch aufs Trepp­chen. Es müs­se an der Re­gi­on lie­gen, scherzt der er­fah­re­ne Trai­ner we­ni­ge Ta­ge vor dem Ab­flug in Rich­tung Ver­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te. Denn Heyn lebt in Har­ten­stein – nur elf Ki­lo­me­ter ent­fernt von Aue.

Bei der Be­ru­fe-wm kämp­fen in die­sem Jahr rund 1300 Aus­zu­bil­den­de, Stu­den­ten und jun­ge Fach­kräf­te aus 77 Na­tio­nen in 51 Dis­zi­pli­nen um die Ti­tel. Für Deutsch­land tre­ten 42 Frau­en und Män­ner in 38 Wett­be­wer­ben an. Der Jüngs­te ist 17 Jah­re alt und stammt aus Ber­lin.

Be­son­ders in Asi­en ge­nie­ßen die World Skills ei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf, weiß Schna­bel, der den Wett­be­werb 2013 am Aus­tra­gungs­ort Leip­zig mit­or­ga­ni­sier­te. „Die be­rei­ten sich zum Teil ein gan­zes Jahr lang vor, in Voll­zeit.“Da neh­men sich im Ver­gleich die drei Mo­na­te, die Lu­kas Heyn al­les in al­lem trai­niert hat, fast be­schei­den aus. Doch seit er im Herbst 2016 erst den Lan­des- und dann im Fe­bru­ar 2017 den Bun­des­aus­scheid ge­wann, dreht sich im Le­ben des Hand­wer­kers al­les nur noch um Abu Dha­bi. „Mich hat das World-skills-fee­ling ge­packt.“Das Muf­fen­sau­sen hin­ge­gen hal­te sich noch in Gren­zen, auch wenn der Druck groß sei, meint das Nach­wuchs­ta­lent.

Ne­ben meh­re­ren in­ter­na­tio­na­len Trai­nings­camps, Men­tal­coa­ching und ei­nem Wett­be­werb im chi­ne­si­schen Shang­hai, bei dem er sou­ve­rän auf dem ers­ten Platz lan­de­te, be­rei­te­te sich der ein­zi­ge säch­si­sche Teil­neh­mer im Shk-bun­des­leis­tungs­zen­trum Schwein­furt so­wie im Bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum der Chem­nit­zer Hand­werks­kam­mer vor. Zu­letzt ha­be er als Ab­schluss­trai­ning noch ein­mal non­stop al­le Wett­kampf­auf­ga­ben durch­ge­zo­gen – drei Mal hin­ter­ein­an­der.

„Da­bei sind et­wa 30 Pro­zent des Pro­gramms un­be­kannt“, er­läu­tert Heyn. An ei­ner Wand in L-form müs­se er an vier Ta­gen ver­schie­de­ne Gas- und Hei­zungs­in­stal­la­tio­nen mon­tie­ren, au­ßer­dem Was­ser­lei­tun­gen und ei­ne So­lar­an­la­ge. Das be­deu­te ins­ge­samt 24 St­un­den rei­ne Ar­beits­zeit. Da sei ne­ben Prä­zi­si­on und Schnel­lig­keit vor al­lem Kon­di­ti­on ge­fragt, meint der Trai­ner. Sein „Sohn auf Zeit“müs­se sei­ne Leis­tung auf den Punkt ab­ru­fen kön­nen, um ei­ne Chan­ce zu ha­ben, be­tont der Bun­des­trai­ner, der zu­dem als selbst­stän­di­ger In­stal­la­teur in Leip­zig tä­tig ist. „Zehn bis zwölf Na­tio­nen ha­ben im Shk-hand­werk ei­nen be­rech­tig­ten An­spruch auf Platz 1“, sagt der Ex­per­te. Doch er ha­be Lu­kas be­reits beim Lan­des­aus­scheid als Ta­lent er­späht und sei sich si­cher, dass er in Abu Dha­bi über sich hin­aus­wach­sen wer­de.

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Fo­to: dpa

Der 21-jäh­ri­ge An­la­gen­me­cha­ni­ker Lu­kas Heyn lö­tet un­ter den Au­gen sei­nes Trai­ners An­dré Schna­bel ei­ne Kup­fer­rohr­ver­bin­dung – nur ei­ne der vie­len Auf­ga­ben bei der Be­ru­fe-wm in Abu Dha­bi.

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