Ener­gie, Me­di­zin und Ma­te­rie

Vor ren To­ren Dres­rens ar­nei­ten For­scher im Helm­holtz-zen­trum an rrä­nu­en­ren Pron­le­men rer Mensch­heit

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON JÖRG SCHURIG

DRES­DEN. Zu Ddr-zei­ten war das klei­ne Ört­chen Ros­sen­dorf bei Dres­den ein ge­heim­nis­um­wo­be­ner Ort. In ei­nem Wald­stück stand hier ein For­schungs­zen­trum, das wie mi­li­tä­ri­sches Ge­län­de ge­si­chert war. Im In­ne­ren be­fan­den sich auch drei kern­tech­ni­sche An­la­gen, dar­un­ter der äl­tes­te For­schungs­re­ak­tor des Lan­des mit ei­ner Leis­tung von zehn Me­ga­watt. Seit 1990 ist der Re­ak­tor still­ge­legt und mitt­ler­wei­le kom­plett ab­ge­baut. Den­noch ist das „Atom­zeit­al­ter“in Ros­sen­dorf nicht vor­bei. Die nu­klea­ren Kom­pe­ten­zen wer­den bis heu­te im hie­si­gen Helm­holt­zZen­trum Dres­den-ros­sen­dorf (HZDR) ge­nutzt – auch bei der For­schung nach ei­nem si­che­ren End­la­ger für Atom­müll.

Da­für ist ne­ben an­de­ren Vin­zenz Brend­ler zu­stän­dig. Der 54 Jah­re al­te Che­mi­ker ist Ab­tei­lungs­lei­ter am In­sti­tut für Res­sour­ce­nöko­lo­gie. Ge­mein­sam mit Kol­le­gen will er Vor­ar­bei­ten für ein End­la­ger in Deutsch­land lie­fern, das ei­ne Mil­li­on Jah­re hält und auch ein paar Eis­zei­ten über­steht. Das Mil­lio­nen-ziel kommt nicht von un­ge­fähr. Es ist die Zeit­span­ne, in der die Ra­dio­ak­ti­vi­tät der Ab­fäl­le auf das Ni­veau des ur­sprüng­lich ver­ar­bei­te­ten Urans ab­ge­klun­gen ist. Nach die­ser Zeit wä­re qua­si wie­der der na­tür­li­che Zu­stand er­reicht.

Für Brend­ler geht es aber noch um ei­ne an­de­re Di­men­si­on: „Das ist ei­ne Fra­ge der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit. Die Ge­ne­ra­ti­on, die den Ab­fall er­zeugt, soll­te nicht die En­kel und Uren­kel da­mit be­las­ten.“300 000 Ku­bik­me­ter Atom­müll hat Deutsch­land zu ent­sor­gen, wenn beim letz­ten Kern­kraft­werk der Schal­ter um­ge- legt ist. Der­zeit wird in der Po­li­tik hef­tig dar­über de­bat­tiert, wel­cher Un­ter­grund der ge­eig­ne­te ist: Gra­nit, Ton oder Salz. Kein Bun­des­land will den Müll ha­ben.

In Ros­sen­dorf kon­zen­trie­ren sich die For­scher – Geo­lo­gen, Che­mi­ker und Bio­lo­gen – auf die Wech­sel­wir­kung ra­dio­ak­ti­ver Schad­stof­fe mit der Um­welt. Im Mit­tel­punkt ste­hen da­bei die so­ge­nann­ten Ac­tini­den – hoch­gif­ti­ge, ra­dio­ak­ti­ve Schwer­me­tal­le. De­ren Ver­brei­tung gilt es in ei­nem End­la­ger un­be­dingt zu ver­hin­dern, bei­spiels­wei­se wenn Was­ser in das un­ter­ir­di­sche La­ger ein­dringt. Brend­ler will nicht dar­über spe­ku­lie­ren, wann der Bau ei­nes End­la­gers in Deutsch­land be­ginnt. Von den wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen her wä­re man wohl et­wa in 15 bis 20 Jah- ren so weit. Der For­scher geht da­von aus, dass die Deut­schen da­bei von den Er­fah­run­gen an­de­rer Län­der pro­fi­tie­ren kön­nen. In Schwe­den und Finn­land ha­be man sich nicht zu­letzt we­gen der ei­ge­nen geo­lo­gi­schen Be­din­gun­gen für ei­ne La­ge­rung im Gra­nit ent­schie­den, die Schweiz und Frank­reich ten­dier­ten zu Ton.

Das Zen­trum hat sich auch der Auf­ga­be ver­schrie­ben, Tu­mo­re mit Ra­dio­nu­kli­den und Pro­to­nen zu be­kämp­fen. Die­se Sub­stan­zen sol­len den Pri­mär­tu­mor ma­xi­mal schä­di­gen und Me­ta­sta­sen im Kör­per voll­stän­dig zer­stö­ren. Die For­scher nut­zen da­bei ei­ne ver­rä­te­ri­sche Ei­gen­schaft von Krebs­zel­len. Da sie ei­nen er­höh­ten Ener­gie­be­darf und Stoff­wech­sel aus­wei­sen, he­ben sie sich von ge­sun­den Zel­len ab und sind leich­ter iden­ti­fi­zier­bar. Noch im­mer kom­men bei der Be­strah­lung von Tu­mo­ren über­wie­gend ul­tra­har­te Rönt­gen­strah­len zum Ein­satz, die auch ge­sun­des Ge­we­be schä­di­gen. Die Pro­to­nen sol­len da­ge­gen erst im Tu­mor ih­re zer­stö­re­ri­sche Kraft ent­fal­ten.

„Nur wer Din­gen auf den Grund geht, kann sie wirk­lich be­ein­flus­sen“, lau­tet ein Cre­do der Helm­holtz-for­scher. Des­halb un­ter­sucht man hier Ma­te­rie un­ter ex­tre­men Be­din­gun­gen. Das HZDR nutzt da­für ho­he Ma­gnet­fel­der oder in­ten­si­ve Strah­len, um grund­sätz­li­che phy­si­ka­li­sche Phä­no­me zu er­for­schen. Mit dem Zen­trum für Hoch­leis­tungs-strah­len­quel­len oder dem Io­nen­strahl­zen­trum be­sitzt Ros­sen­dorf in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te For­schungs­ka­pa­zi­tä­ten. Auch das Hoch­fel­dMa­gnet­la­bor, das ge­puls­te Ma­gnet­fel­der mit ei­ner Stär­ke von 100 Tes­la pro­du­zie­ren kann, zieht Wis­sen­schaft­ler aus al­ler Welt an.

Am Helm­holt­zzen­trum Dres­den-ros­sen­dorf be­schäf­ti­gen sich Wis­sen­schaft­ler auch mit der Er­for­schung und Be­hand­lung von Krebs­krank­hei­ten.

Fo­tos: HZDR/AIFILM

Beim Pe­ta­watt-la­ser­sys­tem „Pe­ne­lo­pe“geht es um die Ent­wick­lung kom­pak­ter La­ser­be­schleu­ni­ger für die Krebs­the­ra­pie.

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