Rent­ner töd­lich ver­brüht – An­kla­ge ge­gen Pfle­ge­rin

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND -

HAL­LE. Rund acht Mo­na­te nach dem Tod ei­nes hilf­lo­sen Rent­ners durch Ver­brü­hun­gen in ei­ner Wan­ne hat die Staats­an­walt­schaft Hal­le An­kla­ge er­ho­ben. Ei­ner da­ma­li­gen Pfle­ge­rin des 79-Jäh­ri­gen, der in ei­nem Heim leb­te, wird fahr­läs­si­ge Tö­tung durch Un­ter­las­sen vor­ge­wor­fen, wie Staats­an­walt Klaus Wiech­mann ges­tern sag­te.

Nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen hat­te es die Frau ver­säumt, beim Ba­den des Man­nes in ei­ner Wan­ne die Was­ser­tem­pe­ra­tur mit ei­nem Ther­mo­me­ter und mit der Hand zu prü­fen. Bei­des sei vor­ge­schrie­ben. „Die Frau hat ih­re Pflicht ver­letzt“, sag­te Wiech­mann.

Pa­ti­en­ten­schüt­zer be­grüß­ten, dass der Fall über­haupt zur An­kla­ge ge­bracht wur­de. Zugleich wur­den wei­ter­ge­hen­de Kon­se­quen­zen in Deutsch­land ge­for­dert. „Auf die An­kla­ge­bank ge­hört auch der Trä­ger selbst“, sag­te Eu­gen Brysch, Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz in Dort­mund (Nord­rhein-west­fa­len). Es kön­ne nicht sein, dass al­lein den Pfle­ge­kräf­ten die Ver­ant­wor­tung für die Für­sor­ge- und Auf­sichts­pflicht auf­er­legt wer­de.

Der Mann war laut Staats­an­walt­schaft nach ei­nem Schlag­an­fall halb­sei­tig ge­lähmt. Er ha­be auch nicht spre­chen und so­mit um Hil­fe ru­fen kön­nen. Der 79Jäh­ri­ge er­litt Ver­brü­hun­gen und wur­de von dem Heim im Land­kreis Mans­fel­dSüd­harz in ei­ne Spe­zi­al­kli­nik nach Hal­le ge­bracht. Dort starb er sechs Ta­ge spä­ter an sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen.

Laut Wiech­mann hat sich die da­ma­li­ge Pfle­ge­rin bis­her nicht ge­gen­über den Er­mitt­lern ge­äu­ßert. Sie ha­be den Vor­fall in der Wan­ne „un­mit­tel­bar selbst“der Pfle­ge­lei­tung ge­mel­det. Die 50 Jah­re al­te Frau sei von Be­ruf Kran­ken­schwes­ter und ha­be vie­le Jah­re als aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­kraft ge­ar­bei­tet.

In­des ist un­klar, wann ein mög­li­cher Pro­zess am Amts­ge­richt San­ger­hau­sen (Land­kreis Mans­feld-süd­harz) be­ginnt. Laut Pa­ra­graf 222 Straf­ge­setz­buch dro­hen der Pfle­ge­rin bei ei­ner Ver­ur­tei­lung bis zu fünf Jah­re Haft oder ei­ne Geld­stra­fe.

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