Ak­tiv zu­rück ins Le­ben

Leipziger Volkszeitung - - FAMILIE -

Wer Schmer­zen hat, soll sich scho­nen, heißt es noch im­mer land­läu­fig. Bei Men­schen mit chro­ni­schen Schmer­zen be­wirkt die In­ak­ti­vi­tät al­ler­dings ge­nau das Ge­gen­teil: „Scho­nung und In­ak­ti­vi­tät füh­ren zu Mus­kelab­bau und Fehl­hal­tun­gen“, sagt An­net­te Mül­ler, die als Phy­sio­the­ra­peu­tin Pa­ti­en­ten mit chro­ni­schen Schmer­zen be­han­delt. „Die Mus­keln ver­kramp­fen und die Schmer­zen wer­den stär­ker.“Dar­über hin­aus führt die Pas­si­vi­tät da­zu, dass sich die Be­trof­fe­nen ge­dank­lich auf die Schmer­zen bzw. auf die Ver­mei­dung der Schmer­zen kon­zen­trie­ren und ge­neigt sind, auf je­de Schmerz­emp­fin­dung mit stär­ke­rer Pas­si­vi­tät zu re­agie­ren. Wer die­sen Kreis­lauf durch­bre­chen will, muss ak­tiv wer­den. Denn auch wenn der sub­jek­ti­ve Ein­druck ein an­de­rer ist, es ist nicht die Be­we­gung, die den Dau­er­schmerz ver­ur­sacht. Ak­ti­vi­tät be­deu­tet nicht, das schmer­zen­de Ge­lenk oder die schmer­zen­de Kör­per­re­gi­on un­ter Qua­len zu be­we­gen, son­dern das zu tun, was gut geht. Wenn zum Bei­spiel der un­te­re Rü­cken schmerzt, las­sen sich oft Ar­me, Bei­ne, Schul­tern, Brust- und Hals­wir­bel­säu­le mit ge­ziel­ten Übun­gen weit­ge­hend schmerz­frei be­we­gen. Der Ef­fekt ist zwei­er­lei: „Die Be­we­gung ak­ti­viert in­di­rekt im­mer auch die be­trof­fe­ne Kör­per­re­gi­on. Die Mus­ku­la­tur wird bes­ser durch­blu­tet und ge­lo­ckert“, er­klärt An­net­te Mül­ler. „Das kann zu ei­ner Schmerz­lin­de­rung füh­ren.“Dar­über hin­aus wer­de die Auf­merk­sam­keit des Be­trof­fe­nen vom Schmerz ab­ge­lenkt und dar­auf ge­rich­tet, was funk­tio­niert, so die Phy­sio­the­ra­peu­tin wei­ter. Wo­hin die Ge­dan­ken ge­hen, hat ei­nen sehr er­heb­li­chen Ein­fluss auf das Schmerz­ge­sche­hen. Im Ge­gen­satz zu aku­ten Schmer­zen, die ei­ne Warn­funk­ti­on ha­ben und ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Ge­sund­er­hal­tung leis­ten, sind chro­ni­sche Schmer­zen in der Re­gel ein schlech­ter Rat­ge­ber. Denn wäh­rend sie schein­bar ge­bie­te­risch zur Scho­nung mah­nen, über­neh­men sie Stück für Stück die Kon­trol­le über das Le­ben des Be­trof­fe­nen. In die­sem Sin­ne be­deu­tet ak­tiv blei­ben bei chro­ni­schen Schmer­zen auch, das Zep­ter des Han­delns in der Hand zu be­hal­ten.

Aleks Gu­den­ko, Shut­ter­stock

Ent­span­nung durch Wär­me kann zur Schmerz­lin­de­rung bei­tra­gen.

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