Das Un­fer­ti­ge ist Pro­gramm

Das Ar­chiv der Avant­gar­den hat im Ja­pa­ni­schen Pa­lais in Dres­den ein ers­tes In­te­rim ge­fun­den

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON TORS­TEN KLAUS

Es ist ein Zwi­schen­zu­stand. Ei­ne Art De­pot vol­ler Re­ga­le, da­zu ein an­gren­zen­der Ar­beits- und Aus­stel­lungs­raum. Im zwei­ten Stock des Ja­pa­ni­schen Pa­lais ist die­ses In­te­rim an­ge­sie­delt: das ADA, das ei­gent­lich Ar­chiv der Avant­gar­den heißt, aber schon jetzt Akro­nym­sta­tus ge­nießt.

In die­ser Wo­che öff­ne­te es zum ers­ten Mal sei­ne Pfor­ten für die Öf­fent­lich­keit. Zu­erst im Sin­ne ei­nes Po­di­ums­ge­sprä­ches zwi­schen dem Samm­ler Eg­idio Mar­zo­na, der sein ADA nach Dres­den gab, der Ge­ne­ral­di­rek­to­rin der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den (SKD) Ma­ri­on Acker­mann, die Mar­zo­na mit sei­nem Ar­chiv nach Dres­den ge­lockt hat­te (ur­sprüng­lich soll­te es in Ber­lin ei­nen Platz fin­den), und To­bia Bez­zo­la, dem Di­rek­tor des Folk­wang Mu­se­ums Es­sen. Vor gut 100 Zu­hö­rern wid­me­te sich das Trio un­ter dem Ti­tel „Sam­meln, Ord­nen, Aus­stel­len. Das Ar­chiv als An­trieb?“der un­mit­tel­bar mit dem ADA ver­knüpf­ten neu­en Auf­ga­be im ei­ge­nen Haus.

Da­bei ließ sich zu­min­dest Mar­zo­na zu ei­ni­gen de­tail­lier­te­ren Er­war­tun­gen hin­rei­ßen, wenn das ADA in we­ni­gen Jah­ren in das dann ei­gens da­für um­ge­bau­te Block­haus an die Au­gus­tus­brü­cke um­ge­zo­gen ist – die Fer­tig­stel­lung ist laut Vor­ga­be für 2021 ge­plant. Das Ar­chiv wür­de Mar­zo­na gern als „ei­ne Art Bat­te­rie für Dresd­ner In­sti­tu­tio­nen“se­hen. Und ge­nutzt wer­den soll es – von al­len in­ter­es­sier­ten Bür­gern. Nicht zu­letzt setzt Mar­zo­na auf ei­ne dich­te in­ter­na­tio­na­le Ver­net­zung, vor al­lem in Rich­tung Os­ten. Die Avant­gar­de ha­be schließ­lich auch in Łódz, Prag oder St. Pe­ters­burg exis­tiert, füg­te er an.

Das ei­gent­li­che Ziel der Neu­gier aber wa­ren die Ada-räum­lich­kei­ten un­term Pa­lais­dach. Die ers­ten Ein­drü­cke ver­blei­ben da­bei im Un­ge­fäh­ren. Was sich je­doch her­aus­schält, ist durch­aus ei­ne Zä­sur für die Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen (SKD). Mit dem Ar­chiv der Avant­gar­den be­kommt das Pro­zess­haf­te ei­ne kla­re Auf­wer­tung in ei­nem Haus, das na­he­lie­gen­der­wei­se meist vom Er­geb­nis her, sprich sei­nen Ausstellungen, be­wer­tet wird – zu­min­dest vom Pu­bli­kum. Mar­zo­na aber hat nicht nur rund 1,5 Mil­lio­nen Ob­jek­te nach Dres­den ge­ge­ben, die vor al­lem mit Kon­zept­kunst, Mi­ni­mal oder auch Ar­te Po­ve­ra zu tun ha­ben. Er wird auch wei­ter sam­meln, das Ar­chiv noch an­wach­sen las­sen. Das Un­fer­ti­ge wird so zum Pro­gramm. Im Ja­pa­ni­schen Pa­lais gibt es un­ter dem Ti­tel „Re­pri­se und Re­pe­ti­ti­on“ei­ne klei­ne Aus­wahl aus Mar­zo­nas Kon­vo­lut zu se­hen.

Fra­gen blei­ben: Was wird aus dem Ja­pa­ni­schen Pa­lais? Wer of­fe­nen Au­ges durch den In­nen­hof geht, das Foy­er (das die­sen Na­men nicht mal im An­satz ver­dient), die Trep­pen­häu­ser, dem drängt sich zur Be­schrei­bung des bau­li­chen Di­lem­mas mitt­ler­wei­le mehr und mehr ein har­ter Be­griff auf: Ver­fall. Wäh­rend das be­nach­bar­te Block­haus dank Mar­zo­nas Ga­be al­so Be­le­bung er­fährt, sind die Plä­ne fürs Ja­pa­ni­sche Pa­lais – wel­che? Die Aus­schrei­bung des Ar­chi­tek­tur­wett­be­werbs für den be­reits an­ge­spro­che­nen Um­bau des Block­hau­ses läuft un­ter­des­sen. Laut Aus­schrei­bungs­text steht „ei­ne Nutz­flä­che von 1905 Qua­drat­me­tern für die Be­rei­che Ar­chiv/samm­lung, For­schung/wis­sen­schaft und Aus­stel­lung/ Ver­mitt­lung“für das ADA zur Ver­fü­gung, was nicht als über­mä­ßig üp­pig be­zeich­net wer­den kann.

 Ar­chiv der Avant­gar­den im Ja­pa­ni­schen Pa­lais, ge­öff­net bis 4.11., Do, Fr 11–17 Uhr, Ein­tritt frei: nächs­te Ver­an­stal­tung: Ob­ject Talk: Stahl­rohr­mö­bel. De­si­gner Bernd Di­cke spricht mit Ru­dolf Fi­scher (ADA), 25.10., 18.30 Uhr

Fo­to: Oli­ver Kil­lig

Ei­ne klei­ne Aus­stel­lung gibt im Ja­pa­ni­schen Pa­lais in Dres­den Ein­blick in das Ar­chiv der Avant­gar­den.

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