Wer­te, Er­de, Stift

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON JA­NI­NA FLEISCHER

R egio­nal wird ja im­mer wich­ti­ger. Äp­fel kom­men aus der Re­gi­on, Vo­r­ort­zü­ge, Afd-wäh­ler al­ler­dings auch. Re­gi­on liegt vor der Tür und gilt als das neue Bio, weil die We­ge in ers­ter Li­nie kurz sind. Es sei denn, man lebt auf dem Land, dann sind die We­ge vor al­lem san­dig, er­dig oder aus Lehm.

Ein Stu­dent der Kunst­hoch­schu­le Burg Gie­bi­chen­stein in der auf ih­re Wei­se grund­sätz­lich eher ent­le­ge­nen Stadt Hal­le ver­bin­det nun das Re­gio­na­le mit dem Prak­ti­schen, in dem das Sym­bo­li­sche nicht zu kurz kommt. Um die Welt in den Far­ben der Re­gi­on dar­stel­len zu kön­nen, hat er Wachs­mal­stif­te ent­wi­ckelt, die Er­de aus Sach­sen-an­halt ent­hal­ten.

Der Stu­dent nennt sein Pro­jekt „Er­de Wachs Stif­te“, was äl­te­re Se­mes­ter an das Ju­gend­wei­he-stan­dard­werk „Wel­tall Er­de Mensch“er­in­nert, an­de­re an die Band Ton St­ei­ne Scher­ben, be­vor die Ge­dan­ken wie­der ge­er­det wer­den in der Re­gi­on um Hal­le, Mans­fel­der Land oder Bör­de. Dort über­all ist Staub zu Stift ge­wor­den: zu Pig­men­ten zer­rie­ben, mit Wachs ver­mischt, in For­men ge­gos­sen.

So kann je­der sich sein Bild der Hei­mat ma­len – die Farb­pa­let­te bie­tet ein Spek­trum von kräf­ti­gem Schwarz über klas­si­sches Braun und tra­gi­sches Ocker bis zu rüh­ren­dem Bei­ge. Die Nuan­cen Schlamm, Cre­me und Gun­me­tal dür­fen da nicht feh­len.

Schon sieht ein Stif­te­pro­du­zent aus ei­ner wei­ter west­lich ge­le­ge­nen Re­gi­on, wie das Pro­dukt „das Be­wusst­sein für ein­hei­mi­sche Wer­te“stärkt. Be­vor sie ver­kauft wer­den kön­nen, müss­ten die Stif­te aber noch auf Un­be­denk­lich­keit ge­tes­tet wer­den. Hei­mat hin, Kunst her – am En­de geht es ir­disch zu.

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