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Ge­or­gi­en, Frank­reich und Leip­zig Auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON JA­NI­NA FLEISCHER

„Ein­zig­ar­tig“ist das Wort der St­un­de. Seit dem 4. Jahr­hun­dert nach Chris­tus gibt es die ge­or­gi­schen „cha­rac­ters“: 33 kunst­voll ge­schwun­ge­ne Buch­sta­ben des Al­pha­bets, das welt­weit so ein­zig­ar­tig ist, dass es zum Unesco-welt­er­be er­klärt wur­de. Ge­or­gi­en wird 2018, im 100. Jah­res­tag sei­ner Un­ab­hän­gig­keit, Eh­ren­gast der Frank­fur­ter Buch­mes­se sein und sich un­ter dem Mot­to „Geor­gia – Ma­de by Cha­rac­ters“prä­sen­tie­ren. Das Kon­zept des Li­te­ra­tur- und Kul­tur­pro­gramms wur­de ges­tern in Frank­furt vor­ge­stellt.

Ge­or­gi­en ist ei­ne der äl­tes­ten Kul­tur­na­tio­nen der Welt und ver­fügt über ei­ne für solch ein klei­nes Land un­glaub­li­che Fül­le an Kul­tur­schät­zen“, sag­te Mik­heil Gior­g­ad­ze, Mi­nis­ter für Kul­tur und Denk­mal­schutz des Lan­des. Es sei im­mer ei­ne Dreh­schei­be zwi­schen Ost und West ge­we­sen und will sich wie­der in Eu­ro­pa ver­an­kern.

Dort ist Frank­reich schon – aber nicht glück­lich. Aus dem Gast­land die­ser Buch­mes­se sind un­ter an­de­rem Mi­chel Hou­el­l­e­becq an­ge­reist und Di­dier Eri­bon, der ei­ne war zu­letzt mit „Un­ter­wer­fung“in al­ler Mun­de, der an­de­re mit der Zeit­dia­gno­se „Rück­kehr nach Reims“. Jetzt aber hat Eri­bon sei­ne Fort­schrei­bung „Ge­sell­schaft als Ur­teil“im Ge­päck, im Ori­gi­nal be­reits 2013 er­schie­nen, und er hat ein Pro­blem mit dem Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron. „Ich möch­te nicht, dass die char­man­ten Ban­ker an der Macht sind – das hat für mich über­haupt kei­nen Charme“, sag­te Eri­bon, der sich als über­zeug­ten Eu­ro­pä­er be­zeich­net, al­ler­dings be­für­wor­te er ein so­zia­les, ein so­li­da­ri­sches Eu­ro­pa so­wie ein kul­tu­rel­les, al­so ei­nes, „das in­tel­lek­tu­ell, li­te­ra­risch, künst­le­risch ist“. In der „Süd­deut­schen Zei­tung“hat­te er sein Fern­blei­ben von der fei­er­li­chen Er­öff­nung er­klärt und ge­schrie­ben: „Der öko­no­mi­sche Neo­li­be­ra­lis­mus so­wie der au­to­ri­tä­re Kon­ser­va­tis­mus las­sen sich mit der Ent­wick­lung von Kul­tur kaum in Ein­klang brin­gen.“Die Kul­tur sei kein au­to­no­mer Be­reich. „Man kann nicht gleich­zei­tig ihm an­ge­hö­ren und gleich­gül­tig blei­ben ge­gen­über öko­no­mi­schen, po­li­ti­schen und so­zia­len Rück­schrit­ten oder so tun, als ob es sich um ver­schie­de­ne Fra­gen han­del­te.“

Sein Kol­le­ge Hou­el­l­e­becq denkt, das ge­beu­tel­te Frank­reich wer­de un­ter Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron wie­der zum „Na­tio­nal­stolz“zu­rück­fin­den. Man wer­de wie­der das „ar­ro­gan­te“Volk von frü­her, füg­te er iro­nisch hin­zu. Die Zeit der „Selbst­gei­ße­lung“sei aber noch nicht vor­bei.

Bei­de Au­to­ren wer­den auf ih­re Wei­se kon­kret, und zwar über die Li­te­ra­tur oder über Bü­cher hin­aus. Et­was nicht Ein­zig­ar­ti­ges, aber auch nicht Selbst­ver­ständ­li­ches auf der Buch­mes­se, die sich selbst­re­dend um Neu­er­schei­nun­gen küm­mert und um In­no­va­tio­nen. Dan Brown und Sal­man Rush­die ha­ben ges­tern ih­re neu­en Roma­unab­hän­gig­keit ne vor­ge­stellt. Rush­die klag­te, es ge­be „ein­fach zu we­nig Hel­den“, er se­he der­zeit über­all Struk­tu­ren des Bö­sen.

Der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels hat ges­tern das dä­ni­sche Start-up Wri­te­re­a­der zum „Con­tent-start-up des Jah­res“ge­kürt. Die Tech­no­lo­gie hilft Kin­dern, ei­ge­ne Bü­cher zu er­stel­len. Es geht um Al­pha­be­ti­sie­rung, Mo­ti­va­ti­on und Spaß am Schrei­ben. Und na­tür­lich geht es um die Kund­schaft von mor­gen.

Auch Bran­chen­nach­wuchs wird ge­sucht. Beim Speed­mee­ting kön­nen heu­te Nach­mit­tag Ver­lag­s­ta­len­te in ei­nem 10mi­nü­ti­gen Be­wer­bungs­ge­spräch bei Füh­rungs­kräf­ten der Bran­che ei­nen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Or­ga­ni­siert wird das Speed­mee­ting von Stu­die­ren­den der HTWK Leip­zig. Leip­zi­ger Schü­ler hin­ge­gen wa­ren am zwei­spra­chi­gen Kri­mi „In­ter­pol Lyon – Leip­zig“be­tei­ligt, ein On­line-pro­jekt, das im März auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se vor­ge­stellt wur­de und des­sen Er­geb­nis nun ge­druckt vor­liegt.

Fo­tos (4): dpa

Ne­ben je­der Men­ge neu­er Bü­cher gibt es in Frank­furt am Main auch Pro­test ge­gen den Stand des rechts an­ge­sie­del­ten An­tai­os Ver­lag (un­ten links), in dem das um­strit­te­nen Buch „Fi­nis Ger­ma­nia“von Rolf Pe­ter Sie­fer­le er­schie­nen ist, ei­nen Be­such des fran­zö­si­schen Au­tors Di­dier Eri­bon (Mit­te) und Thril­ler-au­tor Dan Brown.

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