„Re­tro­pia“oder Uto­pi­en in Zei­ten der Kri­sen

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - Lvz

Eu­ro­pa sei die Lö­sung für die Pro­ble­me Ka­ta­lo­ni­ens, hieß es 2007, als die ka­ta­la­ni­sche Kul­tur Schwer­punkt­the­ma der Frank­fur­ter Buch­mes­se war. Kri­ti­ker warn­ten vor eu­ro­päi­schem Pro­vin­zia­lis­mus. Für Un­mut sorg­te un­ter an­de­rem, dass die Gäs­te oh­ne ih­re auf Spa­nisch schrei­ben­den Au­to­ren ka­men. „An­spruch auf kul­tu­rel­le Ei­gen­stän­dig­keit“trifft auf den „Ges­tus der hö­he­ren In­stanz“, sag­te da­mals der Schrift­stel­ler Micha­el Eb­mey­er, Au­tor des Bu­ches „Ge­brauchs­an­wei­sung für Ka­ta­lo­ni­en“. Wenn die Re­gi­on Ka­ta­lo­ni­en, die die von Spa­ni­en an­strebt, sich noch bis Sonn­tag am ei­ge­nen Stand in Frank­furt prä­sen­tiert, geht es er­neut um mehr als um Bü­cher. „Wir er­hof­fen uns bei un­se­rem Frei­heits­be­stre­ben ei­ne Ver­mitt­ler­rol­le von der EU. Für die ka­ta­la­ni­sche Kul­tur und Li­te­ra­tur be­deu­tet die Un­ab­hän­gig­keit mehr Auf­merk­sam­keit“sagt ein Ver­tre­ter, der na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den möch­te.

„Der Welt­emp­fang“, das Zen­trum für Po­li­tik, Li­te­ra­tur und Über­set­zung in Hal­le 3.1, ist tra­di­tio­nell der Ort, an dem Po­di­ums­dis­kus­sio­nen und Le­sun­gen mit in­ter­na­tio­na­len Au­to­ren und In­tel­lek­tu­el­len statt­fin­den. Er steht un­ter dem Mot­to „Kri­se – Ord­nung – Gestal­tung“. Da­hin­ter steht die The­se, dass Kon­flik­te Mo­to­ren für ge­sell­schaft­li­che Re­for­men sein kön­nen. Der Un­ter­neh­mens­be­ra­ter und Au­tor Prinz As­fa-wos­sen As­se­ra­te, in Äthio­pi­en ge­bo­ren und in Deutsch­land le­bend, ap­pel­liert auf der Büh­ne an Eu­ro­pa, die Afri­ka­po­li­tik an­ge­sichts von Mil­lio­nen Flücht­lin­gen ra­di­kal zu än­dern und den All­tag der Men­schen vor Ort le­bens­wert zu ma­chen.

Im „Welt­emp­fang“war ges­tern das „Über­set­zen von Li­te­ra­tur aus Kriegs­ge­bie­ten“The­ma, heu­te geht es un­ter dem Ti­tel „Re­tro­to­pia“und die Sehn­sucht nach den „gu­ten al­ten Ta­gen“, um den neu­en ara­bi­schen Co­mic, li­te­ra­ri­sche Ant­wor­ten auf Kri­sen in der ara­bi­schen Welt oder den Wan­del in der Kul­tur­po­li­tik im Po­len.

„Eu­ro­pa ent­wi­ckelt sich nur in schwe­ren Kri­sen wei­ter“, hat Buch­preis­trä­ger Ro­bert Me­n­as­se bei sei­nem Auf­tritt ge­sagt. Ge­ra­de jetzt sei es wich­tig, sich zu der Uto­pie die­ser Ge­mein­schaft zu be­ken­nen.

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